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Weltwirtschaftsforum endet: Fünf Schlüsselsätze

Den Zustand der Welt verbessern - das ist der Anspruch des Weltwirtschaftsforums in Davos. Kriege, Krisen und KI bewegten das WEF in diesem Jahr. Was ist das Fazit?
Weltwirtschaftsforum in Davos
Das Weltwirtschaftsforum (WEF) gilt als Seismograph für den Zustand der Welt. © Markus Schreiber/AP/dpa

Das Weltwirtschaftsforum gilt als das Treffen der politisch-ökonomische Weltelite - und ist immer auch ein Seismograph für den Zustand der Welt. In diesem Jahr war es als geopolitisches Krisenforum angekündigt: Gründer Klaus Schwab brachte hochkarätige Gäste aus den heißen Kriegsregionen in die verschneiten Schweizer Berge.

Das Machtzentrum, das das Weltwirtschaftsforum früher sein wollte, ist es kaum. Doch das Treffen ist eine Art Runder Tisch der Welt. Austausch ist wichtig, auch wenn er die Weltlage nicht unmittelbar ändert.

Ein Fazit in diesem Jahr kann sein: Friedensbemühungen haben einen schweren Stand. Und viele Menschen sind krisenmüde. Nicht Israels Präsident Izchak Herzog füllte die große Halle im Davoser Kongresszentrum. Stattdessen standen die WEF-Teilnehmer Schlange für ChatGPT-Entwickler Sam Altman und seine Visionen zur Künstlichen Intelligenz.

Was bewegte das WEF 2024 also? Fünf ausgewählte Schlüsselsätze:

«Irgendwann wird Russland verstehen, dass sie einen zu hohen Preis zahlen.» (Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg)

Der Auftritt des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erhielt viel Aufmerksamkeit - das ist wichtig für die Ukraine. Denn die Unterstützung des Westens für das von Russland angegriffene Land könnte bröckeln. Unter diesem Eindruck reiste Selenskyj an, um Politikern und Unternehmern ins Gewissen zu reden. «Putin ist ein Raubtier, das sich nicht mit Tiefkühlprodukten zufrieden gibt», sagte er. Diese Reaktion auf Forderungen nach einem «Einfrieren» des Krieges dürfte in Erinnerung bleiben.

Ob Selenskyj greifbare Ergebnisse nach Hause bringt, wird sich zeigen. Eine Hoffnung der ukrainischen Seite wurde enttäuscht: Zu einem Treffen mit Chinas Ministerpräsident Li Qiang kam es übereinstimmenden Berichten zufolge nicht. Dabei hofft die Ukraine schon lange, China im Kampf gegen Russland auf ihre Seite zu ziehen. Doch auch bei einem internationalen Treffen zu Selenskyjs Zehn-Punkte-Friedensplan saß China nicht am Tisch.

«Die Israelis haben ihr Vertrauen in die Friedensprozesse verloren, weil sie sehen konnten, dass der Terror von unseren Nachbarn verherrlicht wird.» (Israels Präsident Izchak Herzog)

Der Weltrettungsanspruch des WEF war nie ganz wörtlich zu verstehen. Trotzdem hofften manche, das Pulverfass Naher Osten in Davos etwas beruhigen zu können. Fast alle beteiligten Mächte waren mit Führungspersonal vor Ort: Israel, der Iran, der Irak, Pakistan, die Golfstaaten. Zu einem Handschlag kam es wohl nicht. Aufhorchen ließ aber, als der saudiarabische Außenminister Faisal bin Farhan die Anerkennung Israels in Aussicht stellte, sollten die Palästinenser einen eigenen Staat bekommen.

Nach Herzogs Ansicht müssen Länder, die eine Zweistaatenlösung fordern, aber zunächst klären, wie Israels Sicherheit gewährleistet werden kann. Im Moment sei die Bereitschaft zum Nachdenken über ein Friedensabkommen gering. Ein weiterer markanter Satz Herzogs: «Es gibt ein Imperium des Bösen, das von Teheran ausgeht.» Das WEF-Publikum reagierte eher verhalten: Solidarität mit Israel ist angesichts der humanitären Lage komplizierter als Unterstützung für die Ukraine.

«Der Staat ist nicht die Lösung, der Staat ist das Problem.» (Argentiniens Präsident Javier Milei)

Das WEF ist bekannt dafür, auch umstrittene Gäste freundlich zu empfangen. Dazu gehörte der iranische Außenminister Hussein Amirabdollahian, der die von der EU als Terrorgruppe eingestufte Hamas als Freiheitsbewegung bezeichnete. Besonders gespannt folgte die politisch-ökonomische Elite aber dem Auftritt des neuen, ultraliberalen argentinischen Präsidenten Javier Milei.

Dieser hielt eine flammende Rede für den Kapitalismus - womit er bei den Globalisierungsanhängern und Wirtschaftsliberalisten auf dem WEF eigentlich offene Türen einrennt. Doch manche Geschäftsleute konnten sich ein Schmunzeln nicht verkneifen - bei Aufforderungen wie: «Lasst euch nicht einschüchtern, weder von der politischen Klasse, noch von den Parasiten, die vom Staat leben.»

«Künstliche Intelligenz auf menschlichem Niveau steht nicht vor der Tür.» (Der führende KI-Wissenschaftler von Meta, Yann LeCun)

Wer nur auf Krisen schaue, übersehe irgendwann den Fortschritt, sagte Bill Gates der «Wirtschaftswoche». Glaubt man dem WEF, bedeutet Fortschritt gerade besonders Künstliche Intelligenz. Kein anderer Begriff wurde so häufig genannt, kaum ein Redner war gefragter als Altman von der ChatGPT-Firma OpenAI. Die KI-Branche bemühte sich, ein positives Image zu hinterlassen - auch wenn das WEF vor Desinformation im Superwahljahr 2024 gewarnt hatte.

KI sei von der Intelligenz eines Menschen noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte weit entfernt, versuchte Meta-Wissenschaftler Yann LeCun zu beruhigen. Wenn man schon solche Vergleiche heranziehen wolle, dann könne KI im Moment weniger als eine Katze. Altman beschrieb ein System, «das manchmal richtig liegt, manchmal kreativ ist, oft aber völlig falsch».

«Deutschland ist ein müder Mann nach einer kurzen Nacht.» (Finanzminister Christian Lindner)

Das Jahr 2023 stellte die Weltwirtschaft vor Herausforderungen: Inflation, Zinserhöhungen, Lieferkettenprobleme, eine Immobilienkrise in China und wachsende Spannungen zwischen Washington und Peking. Viele Länder erwarten für 2024 eine zunächst leichte Erholung. Davos war von Optimismus geprägt - wenn man nicht auf Deutschland blickt.

Die deutsche Wirtschaft ist Europas Schlusslicht geworden. Daran ändert sich auch nichts, wenn Finanzminister Christian Lindner ihr Widerstandsfähigkeit attestiert. Deutschland sei nicht der kranke Mann Europas, sondern müde nach langer Nacht. Die schlechten Wachstumsprognosen seien ein Weckruf. «Und jetzt trinken wir eine gute Tasse Kaffee, was strukturelle Reformen bedeutet, und werden dann wirtschaftlich wieder erfolgreich sein», versprach Lindner. Europa, das sich um seinen Wachstumsmotor sorgt, würde das freuen.

© dpa ⁄ Theresa Münch, dpa
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