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Experte: Begrenzter Schub für Wirtschaft im Osten

Ausländische Investoren stecken derzeit Milliarden in riesige Fabriken im Osten. Das sei zu begrüßen, sagt der Dresdner Wirtschaftsforscher Joachim Ragnitz. Die Wirkung insgesamt sei aber begrenzt.
Tesla Gigafactory
Die Investitionen von Tesla werden der ostdeutschen Wirtschaft nur einen begrenzten Schwung geben, glaubt das Ifo-Institut. © Patrick Pleul/dpa

Die Milliardeninvestitionen von Tesla, Intel oder TSMC werden nach Einschätzung des Ifo-Instituts der ostdeutschen Wirtschaft insgesamt nur begrenzten zusätzlichen Schub geben. «Grundsätzlich ist es natürlich gut, wenn es Großansiedlungen gibt», sagte der Dresdner Ifo-Experte Joachim Ragnitz der Deutschen Presse-Agentur. «Aber ich warne vor der Vorstellung, dass Großansiedlungen die Produktivität in ganz Ostdeutschland retten könnten.»

Auch die Auswirkungen auf die Beschäftigung sollten nicht überbewertet werden, führt Ragnitz in einem Aufsatz zum Produktivitätsrückstand im Osten aus. Zwar seien in dem Elektroautowerk des US-Herstellers Tesla in Grünheide bei Berlin inzwischen 10.000 Menschen beschäftigt. Doch seien das nur 0,9 Prozent aller Beschäftigten in Brandenburg. Die erwarteten Arbeitsplätze im geplanten Chipwerk des US-Konzerns Intel in Magdeburg und des taiwanischen Chiperstellers TSMC in Dresden seien bezogen auf die gesamte Beschäftigung in Sachsen-Anhalt oder Sachsen ebenfalls eher unbedeutend.

Wichtig ist die Ansiedlung von Zulieferfirmen

Selbst mit Blick auf die industrielle Wertschöpfung dürften «die positiven Auswirkungen überschaubar bleiben», analysiert der Wirtschaftswissenschaftler. Breitere Wirkung wäre zu erwarten, wenn sich auch Zulieferfirmen ansiedeln. Das sei aber bei global tätigen Unternehmen nicht notwendigerweise der Fall.

Einen Effekt erwartet Ragnitz aber: Weil die großen Industrieanlagen Jobs mit guten Löhnen bieten, dürften die Einkommen auch in der Umgebung wachsen - sonst könnten bestehende Betriebe ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht halten. Allerdings würden dann einige kleinere Firmen wohl nicht mitgehen können und verschwinden, sagte Ragnitz im Gespräch mit dpa.

Strategisches Ziel ist Unabhängigkeit von China

Auf die Frage, ob sich die milliardenschwere staatliche Förderung für Intel und TSMC lohne, sagte Ragnitz, Grund der Subventionen sei nicht regionale Wirtschaftspolitik, sondern das strategische Ziel, unabhängiger von der Chipproduktion in China zu werden. «Das kann man machen», sagte Ragnitz. Er selbst sei allerdings eher «skeptisch, ob diese Industriestrategie klug ist». Es erhielten möglicherweise Unternehmen Subventionen, die so oder so investieren würden. In jedem Fall sei es sinnvoll, die Zuschüsse an die Bedingung zu knüpfen, dass die hier produzierenden Chipwerke auch an Europa lieferten.

Intel hatte im März 2022 angekündigt, in Magdeburg ab 2027 Chips zu produzieren und dafür zwei Halbleiterwerke zu bauen. In das Projekt sollen 30 Milliarden Euro fließen; davon schießt der Bund etwa zehn Milliarden Euro zu. Fünf Milliarden Euro staatliche Förderung sind für ein Werk des taiwanischen Konzerns TSMC in Dresden vorgesehen. Auch hier soll ab 2027 produziert werden. Tesla hat in seine Fabrik in Grünheide geschätzte 5,8 Milliarden Euro investiert und baut dort seit März 2022 Elektroautos.

© dpa
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