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Bundesbank: Erhalt von Bargeld kein Selbstläufer

Die Möglichkeiten zum Bezahlen sind vielfältig. Bargeldlose Verfahren sind im Kommen. Nun wollte die Bundesbank wissen: Wie sieht es 2037 mit der Bargeldnutzung in Deutschland aus?
Bargeld
Einer Umfrage zufolge wollen 93 Prozent auch in Zukunft selbst entscheiden, ob sie bar oder unbar bezahlen. © Jens Kalaene/dpa

Die Bundesbank mahnt gemeinsame Anstrengungen zum Erhalt von Bargeld an. Auf Basis von Szenarioanalysen für das Bezahlen im Jahr 2037 kommt die Notenbank zwar zu dem Ergebnis, dass in keinem der drei angenommenen Fälle Schein und Münze komplett verschwinden würden.

Doch in zwei von drei Bezahlwelten wären der Zugang zu Bargeld und dessen Akzeptanz nicht voll gewährleistet. «Damit wäre die Wahlfreiheit praktisch nicht gegeben und die Stabilisierungsfunktion von Bargeld in Krisenzeiten gefährdet», gab die Notenbank zu bedenken, die den gesetzlichen Auftrag hat, in Deutschland jederzeit ausreichend Euro-Bargeld in hoher Qualität bereitzustellen.

«Die Studie zeigt, dass der Erhalt und die breite Verwendung des Bargelds keine Selbstläufer sind», sagte Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz über die veröffentlichte Analyse. In einer Umfrage gaben darin 93 Prozent der Teilnehmer an, dass sie auch in Zukunft selbst entscheiden möchten, ob sie bar oder unbar bezahlen. Hier seien alle Akteure des Bargeldkreislaufs und die Politik gefordert, diesem Wunsch gerecht zu werden, sagte Balz.

«Nationales Bargeldforum» soll Beteiligte zusammenbringen

Balz hatte im vergangenen Jahr ein «Nationales Bargeldforum» vorgeschlagen, um die Diskussion über das Bezahlen der Zukunft zu flankieren. Ziel sei, «Bargeld als relativ kostengünstiges, aber auch effizientes Zahlungsmittel möglichst gut verfügbar zu halten in einem Umfeld, das sich im Wandel befindet», hatte Balz im Juli gesagt. Die Auftaktveranstaltung ist für den 16. Februar in Berlin geplant.

In der nun vorgelegten Studie, die vom Dienstleistungsunternehmen VDI/VDE Innovation + Technik und dem Meinungsforschungsinstitut Sinus im Auftrag der Bundesbank von Februar 2022 bis November 2023 erstellt wurde, wurden auf Basis von Interviews mit Fachleuten sowie einer den Angaben zufolge repräsentativen Online-Befragung verschiedene Szenarien für das Bezahlen mit Bargeld im Jahr 2037 entworfen.

Verschiedene Szenarien durchgespielt

Das erste Szenario beschreibt eine «hyperdigitale Bezahlwelt», in der Bargeld aus dem Alltag der meisten Menschen beinahe verschwunden ist, es nur noch wenige Bankfilialen oder Geldautomaten gibt und auch das Geldabheben an der Ladenkasse nicht mehr möglich ist, da Verbraucher im Handel kaum noch bar bezahlen können.

Im zweiten Szenario wird eine «Bargeld-Renaissance» simuliert: Die Nutzung von Schein und Münze sinkt zunächst, stabilisiert sich aber in den 2030er-Jahren wieder, weil die Menschen die Vorzüge von Bargeld wiederentdecken: zum Beispiel Anonymität beim Bezahlen.

Das dritte Szenario, «Die verschwindende hybride Bezahlwelt», spiegelt ein Umfeld wider, in dem die Nutzung von Bargeld sehr stark von den Lebensumständen der Menschen abhängt: Im Handel wird die Kundschaft zu bargeldloser Zahlung ermutigt, der Zugang zu Bargeld verschlechtert sich stetig und die Bargeldnutzung schleicht sich aus.

Trend zu elektronischen Bezahlverfahren

Einer Ende 2022 veröffentlichen Analyse der Europäischen Zentralbank (EZB) zufolge ist Bargeld im Euroraum zwar immer noch das am häufigsten verwendete Zahlungsmittel an der Ladenkasse. Doch gemessen am Wert übertrafen Kartenzahlungen seinerzeit erstmals Scheine und Münzen. Umfrage belegen immer wieder: Die Corona-Pandemie hat den Trend zu elektronischen Bezahlverfahren beschleunigt.

Seit Jahren tüfteln die Währungshüter im Euroraum an einem digitalen Euro als Ergänzung zum Bargeld. Noch ist nicht entschieden, ob eine digitale Variante der europäischen Gemeinschaftswährung eingeführt wird. Balz rechnet nach eigenen Angaben «höchstwahrscheinlich nicht vor Anfang 2029» damit. Die EU-Kommission will zudem per Gesetz sicherstellen, dass Bargeld in der Europäischen Union weiterhin breit akzeptiert wird und Verbraucher flächendeckend Zugang dazu haben.

© dpa
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