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Mordversuch an Kind mit Quecksilber - Lange Haftstrafen

Ein Vater aus Springe nahe Hannover soll gemeinsam mit seiner Freundin versucht haben, seine kleine Tochter zu vergiften. Nun wurde das Urteil gesprochen.
Prozess in Hannover
Die beiden Angeklagten sind vom Landgericht Hannover zu langen Haftstrafen verurteilt worden. © Julian Stratenschulte/dpa

Im Prozess um einen Mordversuch mit Quecksilber an einem einjährigen Mädchen sind die beiden Angeklagten zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Ein 30-Jähriger erhielt vor dem Landgericht Hannover eine 13-jährige Gefängnisstrafe wegen versuchten Mordes. Seine mitangeklagte frühere Lebensgefährtin (34) muss für zwölf Jahre in Haft - ebenfalls wegen versuchten Mordes.

Die beiden Angeklagten hatten den Vorwurf des gemeinschaftlichen versuchten Mordes zunächst bestritten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Innerhalb von einer Woche kann das Urteil angefochten werden.

Kurz vor Prozessende räumten die beiden Angeklagten ein, dem einjährigen Mädchen am 24. Juli 2023 gemeinsam Quecksilber in den linken Fuß und rechten Knöchel gespritzt zu haben. Laut Anklage wollte sich der Mann mit der Tat an der Mutter des Kindes rächen, die ihn kurz nach der Geburt des Mädchens verlassen hatte. Der Angeklagte habe die Trennung nicht akzeptieren können, sagte der Richter.

«Das Schwurgericht ist hier davon überzeugt, dass beide Angeklagten den Tod des Kindes für möglich gehalten haben und auch billigend in Kauf genommen haben», sagte Gerichtssprecher Sebastian Anderski nach der Urteilsverkündung. Die Kammer sehe keine Anhaltspunkte dafür, dass die Angeklagten von einem günstigeren Ausgang bei einem kleinen Kind ausgegangen wären.

Höheres Urteil als von Staatsanwaltschaft gefordert

Das Gerichtsurteil gegen die beiden Angeklagten fiel um jeweils ein Jahr höher aus als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Der Gerichtssprecher begründete dies damit, dass der Versuch der beiden Angeklagten absichtlich begangen wurde.

Während der etwa 40-minütigen Urteilsverkündung saßen die beiden Angeklagten wenige Meter auseinander, blickten fast durchgängig nach unten. Der Mann trug ein weißes Hemd, die Angeklagte eine Kapuzenjacke.

Die beiden Angeklagten haben die Tat Monate im Voraus geplant. Der Richter erzählte ausführlich, wie die beiden die Tat geplant haben sollen, von zahlreichen Nachrichten zwischen den beiden war die Rede und früheren Versuchen, im Internet ein altes Thermometer zu kaufen, um daraus das Quecksilber für die Tat zu gewinnen.

Quecksilber kann zu schweren Gesundheitsschäden führen

Das Schwermetall Quecksilber ist laut Bundesumweltministerium hochgiftig für Mensch und Umwelt. Eine hohe über lange Zeit auftretende Quecksilberbelastung könne zu schweren Gesundheitsschäden führen, hierzu gehörten Störungen des Nervensystems, des Immun- sowie des Fortpflanzungssystems.

Der Nebenklage-Anwalt hatte früher im Prozess die späten Teil-Geständnisse als «taktisch» bezeichnet, weil ohnehin Chat-Verläufe den gemeinsamen Vergiftungsplan bewiesen hätten. Der 30-Jährige hatte sich schon Anfang 2023 über Erwerbsmöglichkeiten von Quecksilber im Internet informiert.  Im Januar 2023 schaute das Paar die ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY ... ungelöst», in der ein Fall mit Quecksilber als Mordwaffe thematisiert wurde. Im Juni 2023 kaufte die Lebensgefährtin über eine Internet-Plattform privat ein mit Quecksilber gefülltes altes Wandthermometer.

Kleines Mädchen infolge der Injektionen etliche Male operiert

Die Folgen für das kleine Mädchen waren verheerend. Sie erlitt nach der Quecksilber-Injektion laut Anklage eine eitrige Infektion im Fuß und Hautausschlag am ganzen Körper. Erst bei dem dritten operativen Eingriff sei das Quecksilber zufällig gefunden worden. Als Spätfolgen kommen dem Rechtsanwalt des Kindes zufolge Lähmungen, Sprachstörungen sowie kognitive Einschränkungen infrage.

Der Richter sprach von zahlreichen Arztbesuchen des Mädchens, bei denen die Ursache für ihre Beschwerde zunächst nicht gefunden wurde. Infolge der Quecksilber-Injektionen sei das Kind zehnmal operiert worden, sie befinde sich noch immer in Physiotherapie.

© dpa ⁄ Christina Sticht und Marc Niedzolka, dpa
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