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Integration: Asylbewerber und Flüchtlinge wollen mehr Hilfe

Ob es die Arbeitssuche, die Gesundheitsversorgung oder das Sicherheitsgefühl ist: Geflüchtete wünschen sich mehr Unterstützung in Deutschland. Besonders in einem Bereich ist der Bedarf groß.
Geflüchtete in Frankfurter Messehalle
Geflüchtete sitzen auf Feldbetten in einer Massenunterkunft in Frankfurt: Viele Geflüchtete wünschen sich mehr Hilfe in Asyl- und Flüchtlingsfragen. © Boris Roessler/dpa

Fast alle Asylsuchenden und anerkannten Flüchtlinge benötigen nach eigener Einschätzung mehr Unterstützung, um sich in Deutschland zurechtzufinden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Dafür waren im Zeitraum 2016 bis 2020 in mehreren Erhebungswellen Geflüchtete befragt worden, die zwischen 2013 und 2016 eingereist waren.

Nach fünf verschiedenen Integrationsfeldern gefragt, gaben 98 Prozent von ihnen an, sie bräuchten in mindestens einem dieser Bereiche mehr Hilfe. 91 Prozent der Befragten wünschten sich mehr Hilfe beim Erlernen der deutschen Sprache. 82 Prozent fehlte laut Studie Unterstützung beim Zugang zu Gesundheitsversorgung. 69 Prozent der Zugewanderten sagten, sie benötigten mehr Hilfe in Asyl- und Flüchtlingsfragen.

Mehrheit hätte gerne mehr Unterstützung bei Jobsuche

Den Angaben zufolge benannten 62 Prozent der Teilnehmer der repräsentativen Langzeituntersuchung Defizite, was die Unterstützung bei der Arbeitssuche betrifft. Rund jeder Zweite (51 Prozent) wünschte sich mehr Beratung beim Zugang zu Bildung. Die Studienautorin Ellen Heidinger stellte fest, dass es Geflüchtete mit einem Bildungsabschluss oder Arbeitserfahrung aus dem Herkunftsland häufiger gelingt, Unterstützung in Anspruch zu nehmen als anderen Schutzsuchenden.

Nahezu die Hälfte der Befragten (47,2 Prozent) wollte nicht über persönliche Erfahrungen während der Flucht sprechen. Etwa jeder vierte Schutzsuchende berichtete von Gewalt und Bedrohung. Frauen vermieden die Beantwortung der Fragen zur Flucht laut DIW häufiger als Männer. Nach konkreten negativen Erfahrungen gefragt, nannten knapp 23 Prozent der Geflüchteten Betrug. Jeweils rund 18 Prozent von ihnen berichteten von körperlichen Übergriffen beziehungsweise einem Gefängnisaufenthalt.

Zentrale Mittelmeerroute am gefährlichsten

Die zentrale Mittelmeerroute - von Libyen oder Tunesien nach Italien oder Malta - wird laut DIW von den Geflüchteten als besonders gefährlich charakterisiert. Über die östliche Landroute - von Russland etwa via Belarus, Ukraine oder Estland - gab es bei der Befragung die wenigsten Berichte über negative Erfahrungen.

Keinen Einspareffekt im Gesundheitswesen erwartet das DIW von dem kürzlich gefassten Beschluss, dass Geflüchtete nun bis zu drei Jahre eingeschränkte Gesundheitsleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten sollen.

Vor der Änderung Ende Februar hatte der maximale Geltungszeitraum für die Asylbewerberleistungen bei 18 Monaten gelegen. Die Reform habe negative Folgen für die Betroffenen und den Staat. Denn eine spätere Behandlung erfordere, etwa bei psychischen Problemen und chronischen Erkrankungen, oft einen teureren Behandlungsansatz.

Zwar müssten einige abgelehnte Asylbewerber vor Ablauf der 36 Monate das Land verlassen und würden daher nicht in Deutschland behandelt. Da die Asylverfahren jedoch oft lange dauerten und ein Großteil der Schutzsuchenden, beispielsweise wegen Abschiebehindernissen, langfristig in Deutschland bliebe, werde dadurch jedoch nicht viel Geld eingespart, argumentierte die Autorin der Studie. Wird ein Asylbewerber als Flüchtling anerkannt und kann seinen Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten, hat er Anspruch auf umfassendere Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch und nicht mehr nach Asylbewerberleistungsgesetz.

DIW: Behandlungsschein macht zu viel Arbeit

Mit Blick auf den Verwaltungsaufwand und damit verbundene Kosten wäre es aus Sicht des DIW sinnvoll, die elektronische Gesundheitskarte für Geflüchtete bundesweit auszurollen. Flächendeckend gibt es diese bislang den Angaben zufolge lediglich in Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Thüringen und Schleswig-Holstein. Laut DIW verursacht das herkömmliche Verfahren, wo sich Asylbewerber vor dem Arztbesuch einen Behandlungsschein besorgen müssen, enormen Aufwand.

© dpa
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