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Von Narzissenfest bis Nemo: 70 Jahre Eurovision

Wer Eurovision hört, denkt an das Mega-Musik-Fest mit den «douze points»: an den Eurovision Song Contest, an zwölf Punkte für den besten Song. Doch die Eurovision ist weit mehr als das.
70 Jahre Eurovision
Das Logo des Eurovision Song Contest (ESC) 2024. © Jens Büttner/dpa

Ein 15-Sekunden-Filmchen von 1954, das damals über den Bildschirm flimmerte, ist noch im Archiv: auf wackligen Schwarzweiß-Aufnahmen sind Kinder in Trachten mit Narzissen und ein Festwagen zu sehen. Mit dem Ton hapert es etwas. Heute würde das niemanden hinter dem Ofen hervorlocken, aber damals war es eine Sensation: vor 70 Jahren, am 6. Juni 1954, scharrten sich die Leute in Deutschland und sechs weiteren Ländern um die wenigen Fernseher, die es gab. Um beim Narzissen-Fest in Montreux am Genfersee live dabei zu sein. 

Es war der Auftakt der Eurovision, einer Zusammenarbeit öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten unter dem Dach der Europäischen Rundfunkunion (EBU). Sie versorgt ein potenzielles Milliardenpublikum bis heute mit Musik-, Sport, Unterhaltung oder Nachrichten. Ihr Anspruch: europäische Perspektive bieten, den sozialen Zusammenhalt fördern. «Wenn es die Eurovision nicht gäbe, müsste man sie erfinden», sagt Barbara Berner, ARD-Auslandskoordinatorin in der Programmdirektion Das Erste, der Deutschen Presse-Agentur. Das bekannteste Produkt ist der Eurovision Song Contest, der jetzt im Mai in Malmö mit dem Schweizer Sieg von Nemo vor einem Millionenpublikum über die Bühne ging. 

Die EBU mit Sitz in Genf ist ein Dienstleister für die 113 Mitgliedsorganisationen aus 56 Ländern nicht nur in Europa. Es sind Radio- und Fernsehanbieter, die ihre Ressourcen bündeln, mit zusammen rund 2000 Fernseh-, Radio- und Onlinekanälen in mehr als 150 Sprachen sowie gut einer Milliarde potenziellen Nutzern. Dazu gehören ARD und ZDF. 

Generalprobe für die Eurovision

Als Generalprobe für die Eurovision gilt die Krönung von Königin Elizabeth II. 1953 in London, die live in mehrere Länder übertragen wurde. Das war so erfolgreich, dass ein Jahr später der Startschuss für einen regelmäßigen Austausch fiel. Neben Live-Produktionen namhafter Orchester gehören dazu Sportereignisse wie 1954 die Fußballweltmeisterschaft, bei der die deutsche Elf das «Wunder von Bern» schaffte und Weltmeister wurde, und Unterhaltung.

Ältere erinnern sich: Wenn die Eurovisions-Hymne erklang und das blaugelbe Logo mit Sternen erschien, versammelten sich Mutti, Vati und die Kinder vor dem Fernseher für große Unterhaltungsshows. Die Sendung «Spiel ohne Grenzen» war in den 1960er und 1970er Jahren ein Straßenfeger, es ging um Geschicklichkeitsspiele zwischen Mannschaften aus verschiedenen Städten. Zu beliebten Formaten wurden auch «Einer wird gewinnen» mit Showmaster Hans-Joachim Kulenkampff, «Musik ist Trumpf» und «Verstehen Sie Spaß?» Auch das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker ist eine Eurovisionssendung. Die Hymne gehört bis heute dazu. Sie stammt aus dem Präludium des Te Deum des französischen Komponisten Marc-Antoine Charpentier. Sie läuft auch vor der Übertragung des Eurovision Song Contest. Aber es geht bei weitem nicht nur um Shows.

Ein Kernstück der Eurovision ist der Nachrichtenaustausch. Brände in Griechenland, politische Spannungen in Georgien, oder auch der US-Wahlkampf: EBU-Mitglieder können das Material der Partner nutzen, ohne selbst vor Ort zu sein. Bei Reportage-Reisen können sie Studios und andere Ressourcen nutzen. Bei Großereignissen wir der Krönung von König Charles in London organisiert die EBU Standplätze für Kameras und stellt Übertragungswege sicher. Neuerdings stellt sie Mitgliedern dank künstlicher Intelligenz ausländische Beiträge auch direkt mit Untertiteln und Ton in der eigenen Sprache zur Verfügung. Wenn bei einem plötzlichen Ereignis irgendwo auf der Welt kein Partner etwas zu bieten hat, prüft die EBU auch Material aus sozialen Medien und bietet es an, wenn sie es verifiziert hat. 

«Ohne die Eurovision wäre das Nachrichtenangebot ärmer»

In einer Zeit, in der alles auf der Welt innerhalb von Sekunden überall zu sehen ist, ist der EBU-Nachrichtenaustausch besonders wichtig, wie ARD-Auslandskoordinatorin Berner sagt. Die Beiträge der Partner seien seriös, geprüft und von hoher journalistischer Qualität. Die ARD allein gebe im Jahr rund 700 Video-Clips in den EBU-Pool im Jahr und nutze bis zu 11.000 von anderen, vor allem in der Tagesschau. Ein Fernsehbeitrag besteht aus zahlreichen Clips. «Ohne die Eurovision wäre das Nachrichtenangebot ärmer», sagt Berner. Die Beschaffung und Prüfung von Material ausschließlich von kommerziellen Agenturen wäre teurer und aufwendiger.

Die EBU handelt bei großen Sportereignissen mit den Ausrichtern auch Übertragungsrechte aus. Für Medien in kleineren Mitgliedsländern wären eigene Verträge unbezahlbar. Aber auch die großen profitieren, weil die EBU mit ihrer Marktmacht günstigere Konditionen aushandeln kann als einzelne Sender. 

© dpa ⁄ Christiane Oelrich, dpa

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Marc-Antoine Charpentier
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