Gute Sieger, schlechte Sieger

Der Unterschied zwischen guten und schlechten Siegern hätte nicht größer sein können: Die Spieler Kroatiens trösteten nach dem siegreichen Viertelfinale die unterlegenen Brasilianer, während die argentinischen Kicker nach dem erfolgreichen Elfmeterschießen ihre Gegner verspotteten. Im Finale steht trotzdem die unsympathische Truppe um Super-Star Messi.
WM-Halbfinale: Gute Sieger, schlechte Sieger
WM-Halbfinale: Gute Sieger, schlechte Sieger
WM-Halbfinale: Gute Sieger, schlechte Sieger
WM-Halbfinale: Gute Sieger, schlechte Sieger
WM-Halbfinale: Gute Sieger, schlechte Sieger
WM-Halbfinale: Gute Sieger, schlechte Sieger

Es waren wohl zwei Bilder, die auch nach dieser unseligen WM in Katar in Erinnerung bleiben werden: Da ist zum einen das Symbolbild des Sportsgeists in Form von Leo Perisic. Der Sohn von Kroatiens Ivan Perisic ging im Nationaltrikot seines Vaters zu Brasiliens Super-Star Neymar und nahm diesen in die Arme, um ihn zu trösten. Wenig später tauchte auch sein Vater auf, um dem unterlegenen Gegner Respekt zu zollen.

Nach dem denkwürdigen Elfmeterschießen zwischen Argentinien und den Niederlanden indes wurde erst am nächsten Tag die hässliche Fratze des Fußballs publik. Als Lautaro Martinez den entscheidenden Elfmeter verwandelt und seine Mannschaft so ins Halbfinale geschossen hatte, rannten die Spieler auf den Schützen zu, ließen es sich aber nicht nehmen, vorher die unterlegenen Niederländer zu verspotten.

Innenverteidiger Otamendi trieb es auf die Spitze, legte die Hände hinter die Ohren, als wollte er sagen: „Wo seid ihr? Ich höre nichts“. Auch Montiel, Mac Allister und Di Maria waren offensichtlich mehr damit beschäftigt, die zusammenbrechenden Niederländer zu verhöhnen statt sich über den Einzug ins Halbfinale zu freuen.

Auf die Spitze trieb es Lionel Messi, der als Kapitän eigentlich eine Vorbilfunktion haben sollte. Er rief während eines Interviews nach dem Kick ein paar Mal wutentbrannt: „Was guckst du, Idiot?“ Damit meinte er den „Oranje“-Stürmer Weghorst, der zwischenzeitlich zwei Tore gegen die „Albiceleste“ erzielt hatte.

Danach lederte Messi gegen den spanischen Unparteiischen Mateu Lahoz. Er wolle nicht über Schiedsrichter sprechen, weil er dann bestraft werden könne, so Messi. Dieser Referee aber sei dem Spiel nicht gewachsen gewesen, fügte er hinzu. Der Weltverband FIFA müsse das analysieren.

Und in der Tat folgte die FIFA der Aufforderung und schickte Mateu Lahoz vorzeitig nach Hause. Dabei hatte der es nur versäumt statt der gezeigten 17 gelben Karten noch mehr Verwarnungen auszusprechen. Insbesondere Messis Teamkollege Paredes hätte nach Ballwegschlagen in Richtung niederländische Bank Rot sehen müssen und Messi selbst hätte für ein absichtliches Handspiel die obligatorische Karte bekommen müssen.

Argentien – Kroatien 3:0

Die Halbfinalpartie zwischen Argentinien und Kroatien wurde von Daniele Orsato geleitet – und der 47 Jahre alte Italiener, der Argentinien schon in der Vorrunde gegen Mexiko gepfiffen hatte, hatte in der 32. Minute einen unrühmlichen Auftritt.

Orsato schenkte Argentinien nach einem Zusammenprall zwischen dem kroatischen Torhüter Livakovic und dem argentinischen Angreifer Julián Álvarez einen Elfmeter. Dabei hatte der Schlussmann von Dinamo Zagreb bereits gestanden und sich nicht in Richtung des 22-Jährigen bewegt. Messi ließ sich nicht lange bitten und schoss das 1:0.

Die Kroaten, die – angeführt von Kapitän Modric – bis dahin das bessere Team gewesen waren, beschwerten sich nach dem Spiel völlig zurecht darüber, dass auch der VAR nicht eingegriffen und Orsato sich die Szene nicht mal am Monitor angesehen hatte. Und mit ihrer Kritik stehen sie nicht allein. „Das ist kein Elfmeter“, urteilte der frühere englische Nationalspieler Gary Neville als Experte beim Sender ITV. ARD-Reporter Gottlob lobte dagegen Messi über die gesamten 90 Minuten über den grünen Klee.

Der geschenkte Elfmeter war der Wendepunkt in diesem Spiel. Kroatien musste nun frühzeitig aufmachen und wurde gleich doppelt bestraft. Zum einen sah Kroatiens Co-Trainer Mario Mandzukic wegen Meckerns die Rote Karte. Zum anderen gelang Argentinien wenig später das zweite Tor.

Eingeleitet von Messi setzte sich Alvarez mit einer gehörigen Portion Glück gegen Juranovic und Sosa, die beide klären wollten, durch und spitzelte den Ball aus kurzer Distanz an Livakovic zum 2:0 ins Tor (39.). Wenig später verpasste Mac Allister nach einem Eckball per Kopf sogar das 3:0, weil Livakovic parierte (39. Minute).

Zur Pause wechselten die verschaukelten Kroaten gleich dreimal aus. Nach Doppelpass mit Fernandez scheiterte zwar zunächst Messi aus spitzem Winkel an Livakovic (58. Minute), doch danach nahm der Druck der Kroaten zu. Nach verunglückter Abwehr von Keeper Emiliano Martinez war Lovren aber zu verblüfft, um aus kurzer Distanz einnetzen zu können (62. Minute).

In der 69. Minute führte ausgerechnet Messi die Entscheidung herbei. Auf der rechten Seite tanzte er RB Leipzigs Gvardiol im Eins-gegen-eins aus und bediente Alvarez, der in der Mitte lauerte und mit seinem bereits vierten Turniertreffer zum 3:0 vollstreckte.

Fazit: Argentinien hat dank gnädiger Mithilfe der FIFA die Möglichkeit am Sonntag zum dritten Mal den Weltpokal in die Höhe zu stemmen. Kroatiens Kapitän Modric hat derweil am Samstag beim Spiel um Platz 3 die Möglichkeit sich als Sportsmann von der WM-Bühne zu verabschieden.

© Tom Meyer
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