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Münchner Notstand «wie verhext» - Coman auf Krücken

Der notgedrungen umformierte FC Bayern bezwingt den widerspenstigen FC Augsburg in einem wilden Duell. Aufregerszenen gibt es reichlich. Der Ausfall eines weiteren Stars bereitet den Münchnern Sorgen.
FC Augsburg - Bayern München
Bayerns Aleksandar Pavlovic (r) durfte sich gegen Augsburg über seinen ersten Treffer im Profi-Bereich freuen. © Sven Hoppe/dpa

Das Bild von Kingsley Coman auf Krücken trübte die Stimmung beim FC Bayern München nach dem turbulenten Sieg im Nachbarschaftsduell beim FC Augsburg.

Der deutschen Rekordmeister muss nach dem vor allem in der Schlussphase wilden 3:2 (2:0) laut Mitteilung vom Abend «in den kommenden Wochen» auf den französischen Nationalspieler verzichten. Coman erlitt einen Innenbandriss im linken Knie.

«Es ist schon ein bisschen wie verhext aktuell, dass wir jedes Spiel mit einem Verletzten rausgehen», klagte Routinier Thomas Müller nach der frühen Auswechslung des französischen Nationalspielers. Über die Diagnose berichteten in der Folge zunächst die französische Zeitung «L'Équipe» sowie der «Bild»-Zeitung.

Pavlovic mit Premierentor

Dabei befinden sich die Münchner längst im personellen Notstand - und halten dennoch den Druck auf Spitzenreiter Bayer Leverkusen im Meisterschaftsrennen der Fußball-Bundesliga hoch. «Das waren drei extrem wichtige Punkte», konstatierte Trainer Thomas Tuchel nach einem von mehreren Entscheidungen des Videoschiedsrichters beeinflussten Spektakel. Der 50-Jährige lobte die Einstellung seines Teams ohne Joshua Kimmich, Dayot Upamecano & Co.

Kimmichs Mittelfeldersatz Aleksandar Pavlovic mit seinem Premierentor in der 23. Minute und Alphonso Davies (45.+5) bescherten der neuformierten Mannschaft eine komfortable Halbzeitführung. Vor 30 660 Zuschauern in der ausverkauften Augsburger Arena, unter ihnen der als künftiger Bayern-Sportvorstand gehandelte Max Eberl, nahm Harry Kane (58.) mit seinem ersten Tor im neuen Jahr und seinem 23. in dieser Bundesligasaison nur vorübergehend die Brisanz aus einem Schlagabtausch. Mit zwei späten Elfmetern nahm das Spiel nochmal richtig Fahrt auf.

«Am Ende wurde es nochmal turbulent», stellte Tuchel fest. Als Sieger dürfen er und seine Stars am Sonntag zu den traditionellen Fanclubbesuchen.

Bayern ohne Kimmich

Augsburgs Kapitän Ermedin Demirovic (52./90.+4 Foulelfmeter) hatte die Hausherren mit seinem neunten und zehnten Treffer auf den ersehnten Coup gegen den deutschen Rekordmeister hoffen lassen. Nationaltorwart Manuel Neuer (88.) parierte kurz vor Schluss noch einen von ihm selbst verursachten Foulelfmeter von Sven Michel, war dann aber gegen Demirovic machtlos. So konnte der FC Bayern nach zuvor zwei Auswärtsniederlagen am Stück endlich mal wieder beim kleinen Angstgegner Augsburg gewinnen.

Den Bayern fehlte im Mittelfeld ohne den an der Schulter verletzten Kimmich eine wichtige Anspielstation. Das und weitere Ausfälle waren Tuchels Team zunächst auch deutlich anzusehen. In einen Spielfluss kam die Münchner Mannschaft nach der Führung aber dann doch. Ungerührt von mutigen Augsburgern ging sie in Führung. Nach einer Ecke von Raphael Guerreiro, der diesmal als Rechtsverteidiger aushalf, schaltete Teenager Pavlovic im Sechzehner am schnellsten und ließ Augsburgs Keeper Finn Dahmen keine Chance. Der 19-Jährige empfahl sich im defensiven Mittelfeld erneut für weitere Bewährungschancen.

Folgenschwer endete die umjubelte Torszene für Coman. FCA-Angreifer Phillip Tietz fiel unglücklich auf den linken Unterschenkel des Franzosen. Gestützt vom medizinischen Personal musste Coman in die Kabine begleitet werden, sein linkes Bein konnte er selbst nicht belasten. «Es ist extrem schmerzhaft gerade», sagte Tuchel, noch bevor am Abend die Diagnose folgte. Beim Spitzenspiel in zwei Wochen in Leverkusen wird Coman fehlen.

«Viele 50/50-Situationen waren nicht für uns»

Die Führung hinterließ Wirkung. Sie versetzte den Augsburgern einen Stimmungsdämpfer. Leroy Sané & Co. wurden in ihrem Auftreten immer sicherer. Das führte sogar dazu, dass nach einem öffnenden Pass von Leon Goretzka Linksfuß Davies quasi mit dem Pausenpfiff aus einer Einzelaktion aus 17 Metern mit Rechts erhöhte.

In einen Verwaltungsmodus konnten die Münchner nicht schalten, dafür fiel der Anschluss nach einem Kopfball von Demirovic zu früh nach dem Seitenwechsel. Doch dann meldete sich erneut der Videoschiedsrichter, als Kanes 3:1 wegen einer vermeintlichen Abseitsposition doch gegeben wurde. Diesen Treffer hatte Jamal Musiala eingeleitet, der an fast jeder gefährlichen Toraktion des FC Bayern in der zweiten Hälfte beteiligt war.

Der für Coman eingewechselte Mathys Tel (81.) scheiterte noch am Pfosten. Erst in der Schlussphase durfte Thomas Müller trotz der Personalnot mitwirken. Sein Foul gegen Demirovic machte die Schlussminuten noch einmal spannend. «Viele 50/50-Situationen waren nicht für uns», haderte Augsburgs Trainer Jess Thorup. «Uns hat ein bisschen das Glück gefehlt.»

© dpa ⁄ Martin Moravec und Christian Kunz, dpa
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