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Reichsbanner: Die Demokratieschützer aus Magdeburg

Vor 100 Jahren wurde in Magdeburg im Februar 1924 das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold gegründet. Was hat es mit der Organisation auf sich? Und warum gibt es sie heute noch?
Fritz Felgentreu
Fritz Felgentreu (SPD), ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages. © Gregor Fischer/dpa

Menschenmassen auf großen Plätzen. In Magdeburg, Berlin, Potsdam - und an vielen weiteren Orten der Republik in den 1920er Jahren. Historische Aufnahmen zeigen schwarz-rot-goldene Fahnen und deutliche Bekenntnisse gegen die Nationalsozialisten. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold hat vor gut 100 Jahren Hunderttausende in Deutschland mobilisiert. «Es gab damals praktisch in jedem Ort lokale Gruppen», sagt der sachsen-anhaltische SPD-Landeschef Andreas Schmidt. Für männliche Sozialdemokraten sei das Reichsbanner quasi Pflichtprogramm gewesen.

Am 22. Februar 1924 wurde das überparteiliche Bündnis zum Schutz der Demokratie in Magdeburg gegründet. Vor allem von Leuten aus der SPD, aber auch Mitglieder der liberalen Deutschen Demokratischen Partei und der katholischen Zentrumspartei waren dabei. Nur - warum ausgerechnet Magdeburg?

«Die Stadt lag schon damals zentral in Deutschland und es gab eine relativ starke industrielle Basis», sagt der Bundesvorsitzende des Reichsbanners, Fritz Felgentreu. Zudem seien viele Menschen in der SPD und der Arbeiterklasse verwurzelt gewesen. «Das war das Rückgrat des Reichsbanners.»

Die Weimarer Republik stand von Beginn an auf wackligen Beinen. Links- und rechtsextremistische Putschversuche kennzeichneten die Anfangsjahre. Dem wollten Demokraten mit dem Reichsbanner etwas entgegensetzen. So wurde das Bündnis zu einer Massenorganisation - bis es nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 verboten wurde.

Sogenannte Wehrverbände gehörten damals zur Freizeitbeschäftigung vieler Männer. Auch der Stahlhelm, der Bund der Frontsoldaten, war nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in Magdeburg gegründet worden. Dieser Bund agierte aber laut dem Deutschen Historischen Museum «in eindeutiger Opposition zum politischen System der Weimarer Republik».

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold hingegen setzte sich für den Schutz der parlamentarischen Demokratie ein. «Viele Organisationen waren damals monarchistisch oder extremistisch eingestellt. Dem wollte man etwas entgegensetzen», sagt SPD-Politiker Schmidt, der auch Historiker ist.

Schmidt gehört heute zu den rund 800 Mitgliedern des Reichsbanners, das sich auch Bund aktiver Demokraten nennt. Massen werden heute nicht mehr mobilisiert. Seit der Wiedergründung des Reichsbanners im Jahr 1953 steht die politisch-historische Bildungs- und Erinnerungsarbeit im Vordergrund - und genau diese Bildungsarbeit fordern aktuell viele Politiker angesichts steigender Umfragewerte für Rechtspopulisten. «Demokratie muss gelernt werden», sagt der Bundesvorsitzende Felgentreu. Eine freiheitliche demokratische Grundordnung sei keine Selbstverständlichkeit. 

Das Ziel des Reichsbanners sei auch heute, eine kämpferische Grundhaltung zum Schutz der Demokratie zu bestärken und Bedrohungen rechtzeitig zu erkennen, so Felgentreu. Es gebe zwar keine Beschlusslage zur AfD. Er sei aber dafür, die Frage nach einem Verbot dem Bundesverfassungsgericht vorzulegen. Die Partei wird in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt von den Landesämtern für Verfassungsschutz als «gesichert rechtsextremistisch» eingestuft.

Der Landtag von Sachsen-Anhalt will das 100-jährige Jubiläum des Reichsbanners nächste Woche mit einem Festakt in Magdeburg würdigen. Dafür ist Felgentreu dankbar. «Das ist aller Anerkennung wert - nicht, weil wir so wichtig sind, sondern weil das, worum es geht, wichtig ist.»

Vor dem Verbot durch die Nazis war Karl Höltermann Bundesvorsitzender des Reichsbanners. Der Journalist arbeitete in den 1920er Jahren unter anderem für die «Magdeburger Volksstimme». Auf der letzten Bundesgeneralversammlung des Reichsbanners im Februar 1933 hatte er gesagt, Regierungen würden kommen und gehen. «Nach Hitler kommen wir! Es werden wieder die deutschen Republikaner sein, die einen Scherbenhaufen aufräumen müssen. Auf diesen Tag richten wir uns ein.»

© dpa ⁄ Christopher Kissmann, dpa
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