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Lage im Hochwassergebiet entspannt sich

Nicht nur der Frost, sondern auch ein wenig Entspannung hat Einzug im Hochwassergebiet im Süden Sachsen-Anhalts gehalten. Das gibt mehr Raum für politische Diskussionen.
Frauen in der Bundeswehr
Eine Frau trägt eine Uniform der Bundeswehr. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

Rund zwei Wochen nachdem der Fluss Helme an der Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen stellenweise weit über seine Ufer getreten ist, kehrt vor Ort immer mehr Entspannung ein. Die Lage sei - wie in den Tagen zuvor - stabil, erklärte eine Sprecherin des Landkreises am Dienstag. «Die Pegelstände sinken leicht, etwa um vier bis fünf Zentimeter», sagte sie. In den Stunden zuvor waren die Soldatinnen und Soldaten im Hochwassergebiet jedoch wieder länger im Einsatz.

Entgegen einer Entscheidung vom Sonntag, nur noch bei Tageslicht arbeiten zu wollen, sei am Montag auch nach Eintreten der Dunkelheit daran gearbeitet worden, eine Unterführung an der Autobahn 71 mit Sandsäcken und sogenannten Big Bags zu schützen, sagte eine Sprecherin der Bundeswehr am Dienstag. Die Entscheidung, die Einsatzzeiten wieder auszuweiten, sei vom Landkreis getroffen worden. Big Bags sind deutlich größere Sandsäcke mit einem Fassungsvermögen von einem Kubikmeter.

Die Soldaten arbeiteten nun in Schichten, sagte die Bundeswehrsprecherin. Es seien ausreichend gefüllte Sandsäcke vorhanden. Die Helme fließt von Thüringen in die Talsperre Kelbra, anschließend weiter durch Mansfeld-Südharz und bei Mönchpfiffel-Nikolausrieth dann wieder nach Thüringen.

Meiste Sandsäcke von Freiwilligen verbaut

Nach Angaben von Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) wurden bislang insgesamt etwa 1,2 Millionen Sandsäcke verbaut - dem Landkreis zufolge rund eine Millionen Sandsäcke von koordinierten und zivilen Helferinnen und Helfern. 9,2 Kilometer Deich seien dadurch erfolgreich geschützt worden.

Der Landkreis hatte bereits am 30. Dezember den Katastrophenfall ausgerufen und wenige Tage später auch die Bundeswehr um Hilfe gebeten. Rund 200 Zeit- und Berufssoldaten hatten am vergangenen Freitag mit dem Einsatz vor Ort begonnen. Nach Angaben des Innenministeriums soll der Katastrophenfall noch bis zum 14. Januar fortbestehen. Bis dahin ist derzeit auch der Einsatz der Bundeswehr geplant. Der Fortgang hänge jedoch von den Wetterprognosen ab, hieß es.

Am Dienstagmorgen wurden die Soldatinnen und Soldaten noch von insgesamt zehn freiwilligen Helfern unterstützt, gab die Sprecherin des Landkreises an. Vor dem Eintreffen der Soldaten waren den Angaben zufolge noch Hunderte Freiwillige im Einsatz. In der Spitze wurden nach Angaben des Innenministeriums täglich 150 ehrenamtliche Helfer gezählt.

Am Wochenende waren die Temperaturen in der Region entlang der Helme deutlich unter den Gefrierpunkt gefallen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes wurden in der Nacht zu Dienstag Temperaturen unter minus zehn Grad gemessen. Auch in den kommenden Tagen halte der Dauerfrost weiter an, hieß es. Am Freitag oder am Wochenende sollen die Temperaturen dann wieder über dem Gefrierpunkt liegen.

Umweltminister entgegnet Kritik

Sachsen-Anhalts Umweltminister Armin Willingmann trat am Dienstag außerdem Spekulationen entgegengetreten, das Hochwasser an der Helme könnte Resultat eines falschen Umgangs mit der Talsperre Kelbra sein. «Die Talsperre Kelbra, das darf man ohne Übertreibung sagen, hat verhindert, dass sich dort an der Helme und im Landkreis Mansfeld-Südharz noch mal eine Jahrhundertflutkatastrophe ereignet, wie sie der Landkreis 1946 sehr eindrucksvoll, dramatisch und in den Jahren danach auch wieder erlebt hat», sagte der SPD-Politiker. Die Katastrophe habe damals dazu geführt, dass eine Staumauer errichtet worden sei.

In der zweiten Dezember-Woche seien 1,8 Millionen Kubikmeter Wasser in der Talsperre gewesen. Damit war sie zu 95 Prozent leer, wie Willingmann betonte. Die extremen Niederschläge in den folgenden Wochen hätten die Talsperre an die Belastungsgrenze gebracht. Zwischen Weihnachten und Neujahr seien 50 Millionen Kubikmeter Wasser in die Talsperre Kelbra gelaufen, 40 Millionen Kubikmeter seien zurückgehalten worden.

Der Landrat von Mansfeld-Südharz, André Schröder, erklärte, abgesenkte Pegelstände durch eine Verringerung der Abgabemenge der Talsperre könnten an der Helme gut gebraucht werden. «Auch das Grundwasser geht so leicht zurück», so der CDU-Politiker.

Willingmann betonte, dass der Hochwasserschutz in Sachsen-Anhalt mit den vielerorts hohen Wasserständen einen Härtetest bestanden habe. Die Investitionen nach den letzten Hochwasserereignissen insbesondere 2013 und 2017 hätten sich gelohnt. Viele Anlagen wurden neu gebaut oder saniert. Ursache für die hohen Wasserstände waren die enormen Regenmengen, die im Dezember fielen. Laut dem Deutschen Wetterdienst fielen im letzten Monat des Jahres 114 Liter Regen je Quadratmeter - 63 Prozent mehr als im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990.

Linke sehen Mängel bei Hochwasserschutz

Auf Grundlage einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Linken sieht die Partei auch im Hinblick auf den Hochwasserschutz hingegen eklatante Mängel. Unter anderem geht aus der Antwort hervor, dass die Landesregierung bislang keine Anpassungen der Richtlinie zur Umsetzung des Kommunalen Hochwasserschutzes vorgenommen hat. Diese wurden jedoch im Koalitionsvertrag versprochen. «Es ist unverantwortlich, dass die Landesregierung dringend notwendige Investitionen und Gesetzesreformen des Katastrophenschutzes weiter verzögert. Die Landesregierung geht viel zu leichtfertig mit der Sicherheit der Menschen im Land um», erklärte Andreas Henke, Sprecher für Katastrophenschutz der Fraktion.

© dpa
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