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An Sachsen-Anhalts Autobahnen fehlen weiter Lkw-Stellplätze

Manchmal bleibt Lkw-Fahrern aus Not nur noch ein Platz an Auf- und Ausfahrten von Autobahnen oder auf dem Seitenstreifen. Die regulären Stellplätze wachsen mit dem Verkehr nicht mit. Die Suche nach Lösungen läuft.
Autohof Uhrsleben
Lastwagen stehen während der blauen Stunde auf einem Stellplatz des Autohofes Uhrsleben. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Es bleibt eng auf und an Sachsen-Anhalts Autobahnen. Täglich rollen Lkw-Kolonnen durch das Bundesland im Herzen der Republik. Besonders an den Transitstrecken A2, A9 und A14 sind Rastmöglichkeiten begehrt. Ein Problem, das nicht nur die 52 unbewirtschafteten Parkplätze und 11 bewirtschafteten Rastanlagen an den rund 600 Autobahnkilometern im Land betrifft. Zusammen mit 18 privaten Autohöfen stehen hier circa 3600 Lkw-Stellplätze zur Verfügung.

«Ab 22 Uhr geht nichts mehr. Auf den meisten Rastanlagen sind in den Abendstunden alle Lkw-Stellplätze belegt. Der Parkdruck steigt und Ruhezeiten müssen eingehalten werden, sodass schließlich alle verfügbaren Flächen belegt werden - egal ob Parkplatz oder nicht», sagte Alexandra Kruse, Pressesprecherin des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Das Problem sei seit Jahrzehnten bekannt und verschärfe sich zunehmend. «Es gibt schon jetzt nicht genug Lkw-Stellplätze und der Güterverkehr wächst weiter. Bis 2025 wird ein Anstieg von rund zehn Prozent gegenüber 2019 prognostiziert», so Kruse.

Ende 2022 hatte der ADAC 96 Rastanlagen entlang der Bundesautobahnen getestet. In Sachsen-Anhalt wurden sechs Anlagen an den Autobahnen 2, 9 und 14 unter die Lupe genommen und dabei teils schwerwiegende Parkverstöße mit auf Ein- und Ausfahrten oder Seitenstreifen abstellten Lkw festgestellt. Auf allen Anlagen fanden die Tester Fahrzeuge auf nicht für sie zugelassenen Parkflächen oder im absoluten Halteverbot und weitere Verstöße. Aus «purer Verzweiflung» würden Brummi-Piloten ihre Fahrzeuge unerlaubt in hochriskanten Bereichen abstellen, um die vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten einzuhalten. Das führe immer wieder zu gefährlichen Situationen und schlimmen Unfällen, sagte Kruse.

Für die zuständige Autobahn GmbH bleibt die angespannte Lage eine Herausforderung. «Die Verkehrskurve steigt stärker als die rein baulich zu schaffenden Parkplatzkapazitäten. Die Verbesserung der Lkw-Stellplatzkapazitäten an den Bundesautobahnen ist eine vordringliche Aufgabe», erklärte Tino Möhring, Sprecher der Niederlassung Ost. Seine Gesellschaft setze dabei einen 5-Punkte-Plan des Bundesverkehrsministeriums um. Der Plan umfasse die Schaffung neuer Lkw-Parkmöglichkeiten ebenso wie einen verstärkten Einsatz telematischer Parkverfahren. Außerhalb Sachsen-Anhalts liefen dazu Versuche. Zudem würde bereits vorhandener Parkraum optimiert.

In den vergangenen fünf Jahren seien im Land circa 240 neue Stellflächen für Lkw entstanden. In den kommenden Jahren würden knapp 170 weitere dazukommen. Die neue Tank- und Rastanlage «Colbitz-Letzlinger Heide» an der A14-Nordverlängerung, die Ende 2025 ans Netz gehen solle, werde dabei mit gut 125 Stellflächen den Großteil einnehmen. Allein dafür seien Kosten in Höhe von ungefähr 6,5 Millionen Euro veranschlagt. Im Zuge des A14-Lückenschlusses würden sechs neue Parkplätze mit knapp 200 weiteren Stellflächen für Lkw gebaut, berichtete Möhring. Weitere Rastmöglichkeiten würden durch Sanierung und Optimierung an bestehenden Parkplätzen geschaffen.

«Die Erweiterung der Lkw-Stellflächen auf Sachsen-Anhalts Autobahnen ist für uns ein sehr wichtiges Thema. In jedem Jahr erweitern wir das Angebot durch Neu- oder Umbauten», sagte Steffen Kauert, Leiter der für das Bundesland zuständigen Außenstelle Magdeburg der Autobahn GmbH. Der Bedarf könne jedoch nicht allein baulich gedeckt werden. Telematische Pilotprojekte sowie die Förderung privatwirtschaftlicher Initiativen durch den Bund begrüße er daher ausdrücklich.

Der ADAC unterstützt das, macht aber Druck: «Aus unserer Sicht müssten längst mehr Rastplätze mit intelligenten, digitalen Parksystemen ausgestattet werden. Auch private Firmengelände in Autobahnnähe, zum Beispiel von Speditionen, sollten stärker für die Nutzung als Lkw-Stellplätze in Betracht gezogen werden», sagte die Pressesprecherin. Weitere Lösungsansätze sieht sie im Ausbau von Lkw-Parkleitsystemen, die in Echtzeit Informationen über freie Parkplätze liefern, sowie grundsätzlich in einer stärkeren Verlagerung des Güterverkehrs auf die Bahn und Binnenschifffahrt.

© dpa
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