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Abrisspläne für Wohnblöcke in Hoyerswerda umstritten

Hoyerswerda ist zu DDR-Zeiten rasant gewachsen. Wohnungen in der sozialistischen Musterstadt waren begehrt. Viele davon wurden nach 1990 nicht mehr gebraucht. Und noch ist der Umbau nicht beendet.
Abrisspläne im WK I in Hoyerswerda
Blick aus einen Wohnblock an der Brigitte-Reimann-Straße im Wohnkomplex I. © Robert Michael/dpa

Gegen den geplanten Abriss von zwei Plattenbauten in Hoyerswerda regt sich Widerstand. Die Bürgerinitiative «Mitmachstadt» fordert den Erhalt der beiden Gebäude im Wohnkomplex (WK) I, dem zuerst entstandenen Quartier in der Neustadt. Die städtische Wohnungsgesellschaft will die weitgehend leer gezogenen Blöcke indes vom Markt nehmen. Geschäftsführer Steffen Markgraf nennt das vierte Quartal 2024 als dafür avisierten Zeitpunkt. Mit dem Vorhaben beschäftigt sich inzwischen auch das Landesamt für Denkmalpflege in Dresden. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger hatten sich in einem Schreiben an die Behörde gewandt - mit der Bitte, «die Schutzwürdigkeit von Wohnkomplex I als bauhistorisches Ensemble» zu prüfen.

Der Aufbau der Neustadt von Hoyerswerda hatte 1957 begonnen. Gerade im WK I seien die ersten Experimental- und Versuchsbauten der industriellen Plattenbauweise entstanden, führten die Unterzeichner des Briefes an. «Das Quartier ist eine räumliche Komposition und die Urzelle der Neustadt, die fasst man nicht an», sagt Olaf Winkler von der Initiative «Mitmachstadt Hoyerswerda». Obwohl der Stadtrat 2018 sogar ein «Abriss-Tabu für WK I» beschlossen habe, sei dort inzwischen ein Wohnblock verschwunden.

Laut Landesamt für Denkmalpflege fand Ende Januar eine Ortsbesichtigung mit dem Sächsischen Landeskonservator Alf Furkert statt. Die Behörde wolle die Denkmalprüfung nun bis Ende März 2024 intern abstimmen. Als Einzeldenkmale im Wohnkomplex sind bereits eine Schule sowie zwei Wohnblöcke erfasst, darunter das erste im Quartier errichtete Gebäude. Zudem stehen weitere Objekte in Hoyerswerda unter Denkmalschutz, darunter mehrere Hochhäuser, die 1961 und 1962 an der Bautzener Allee entstanden.

Die Wohnungsgesellschaft führt derweil wirtschaftliche Gründe für ihre Abrisspläne an. «Angesichts der explodierten Baupreise ist Sanierung nicht rentabel», sagt Geschäftsführer Markgraf. Mit sieben bis zehn Millionen Euro beziffert er die Kosten für einen Wohnblock, wie er jetzt zum Abriss vorgesehen sei. Hinzu komme, dass sich die Ansprüche der Menschen verändert hätten, was Zuschnitt und Größe von Wohnraum betreffe. Für Drei-Raum-Wohnungen mit 55 Quadratmetern gebe es wenig Nachfrage, und die Zusammenlegung von Wohnungen sei kostenintensiv.

Nach Angaben von Markgraf hat das kommunale Unternehmen 2023 rund zwölf Millionen Euro in seinen Bestand investiert, der mehr als 7000 Wohnungen umfasse. Gut elf Prozent davon stehen leer. Ein Objekt vom Markt zu nehmen, helfe, Ausgaben zu reduzieren, argumentiert der Geschäftsführer. Die Bürgerinitiative hält es dagegen für angebracht, nicht nur die Zahlen zu betrachten, sondern nach Alternativen zu suchen und Perspektiven zu diskutieren. «Man muss sich ein bisschen anstrengen», findet Olaf Winkler. «Abreißen ja, aber Hände weg von WK I!»

Tatsächlich hat die städtische Gesellschaft ihren Bestand von einst 16.000 Wohnungen mehr als halbiert, nachdem die Bevölkerungszahl von Hoyerswerda drastisch geschrumpft war. Während zu DDR-Zeiten rund 70.000 Menschen in der Stadt lebten, zählt sie heute mit Eingemeindungen noch rund 32.000 Einwohner. Der zuletzt entstandene zehnte Wohnkomplex wurde nahezu komplett wieder abgerissen.

Unterdessen investiert die Wohnungsgesellschaft auch gezielt in Neubauprojekte. Nach Angaben des Geschäftsführers sind rund sieben Millionen Euro vorgesehen, um bis 2027 vier zentral gelegene Stadthäuser zu errichten. Das erste davon soll Ende dieses Jahres bezugsfertig sein. Obwohl die Kaltmiete mit 10 Euro pro Quadratmeter verhältnismäßig hoch sei, gebe es bereits jetzt rund 100 Interessenten für die insgesamt 32 Wohnungen.

© dpa ⁄ Anett Böttger, dpa
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