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Forscher: Lehrkräftemangel an Grundschulen bald überwunden

Angesichts sinkender Geburtenzahlen wird es einer aktuellen Berechnung zufolge schon bald deutschlandweit mehr Absolventen im Grundschullehramt als Stellen geben. Für NRW solle man sich jedoch nicht zu früh freuen, mahnt die Landesschulministerin.
Unterricht in einer Grundschule
Unterricht in einer Grundschule. © Julian Stratenschulte/dpa

Aus Mangel wird Überschuss: Einer Schätzung von Bildungsexperten zufolge wird es bald mehr Grundschullehrer geben als Stellen. Eine am Donnerstag vorgelegte Prognose der Bertelsmann-Stiftung geht davon aus, dass deutschlandweit bis 2035 rund 45.800 Lehrkräfte im Primarbereich mehr fertig ausgebildet sind als benötigt werden, um den Unterricht abzudecken. Hintergrund sei eine Trendwende bei der demografischen Entwicklung. So sind zuletzt weniger Kinder geboren worden als noch bis 2021. In Nordrhein-Westfalen ist aus Sicht der Schulministerin jedoch keine Überwindung des Mangels in nächster Zeit zu erwarten.

Der bundesweiten Berechnung der Bertelsmann-Stiftung zufolge dürfte vielerorts bereits ab dem kommenden Schuljahr der lange herrschende Mangel an Grundschullehrerinnen und -lehrern überwunden sein, weil anders als noch 2023 mehr neue Lehrkräfte bereitstehen, als aus dem Beruf ausscheiden.

Ein rechnerisches Überangebot an Absolventen bedeute jedoch nicht notwendigerweise Arbeitslosigkeit für die Pädagogen, betonen die Studienautoren Klaus Klemm und Dirk Zorn. Vielmehr bekomme die Politik den Spielraum für Qualitätsverbesserungen, der heute fehle. So könnten die Lehrkräfte für den Ausbau der Ganztagsangebote genutzt werden oder um mehr Personal an Schulen in sozial schwierigen Lagen einzustellen. Zudem schlagen die Experten vor, Grundschullehrer auch für den Einsatz in den fünften und sechsten Klassen weiterzubilden.

Nordrhein-Westfalens Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) wies in einer Reaktion auf die Studie darauf hin, dass sie für NRW keinen baldigen Überschuss erwartet: «Über die heute vorgelegten Zahlen sollten wir uns nicht zu früh freuen.» Selbst wenn sich der Geburtenrückgang fortsetze und sich die Zahl zugewanderter Schüler deutlich rückläufig entwickle, werde es in NRW «noch Jahre dauern, bis der Lehrkräftemangel im Grundschulbereich überwunden ist. Es gibt keinen Grund, die Hände in den Schoß zu legen.»

Den Lehrkräftemangel bezeichnete Feller als die größte Herausforderung für die Schulen. Nun trage das Handlungskonzept der Landesregierung zur Versorgung der Schulen mit Lehrkräften erste Früchte. Im Dezember 2023 waren laut Schulministerium in NRW noch 3052 Stellen an Grundschulen unbesetzt. Ein Jahr zuvor klaffte noch eine Lücke von 3437 Stellen.

Auch der nordrhein-westfälische Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW) reagierte zurückhaltend auf die vorgelegten Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung. Sollte es in NRW «wider Erwarten zu einem Überschuss an Grundschullehrkräften kommen» wäre dies «nur ein Tropfen auf den heißen Stein», teilte der Landesverband mit. «Der Personalmangel bleibt eklatant.» So würden über alle Schulen hinweg in den nächsten zehn Jahren mindestens 4500 Lehrkräfte fehlen.

Mit ihrer Schätzung weicht die Bertelsmann-Stiftung deutlich von der Ende 2023 vorgelegten Prognose der Kulturministerkonferenz (KMK) ab, die für das Jahr 2035 einen Überschuss von nur 6300 Absolventen im Primarbereich ermittelt hatte. Hintergrund sei vor allem eine Trendwende bei der demografischen Entwicklung, die sich in den KMK-Berechnungen noch nicht niederschlage: So sei der Rückgang der Geburten 2022 und 2023 um mehr als 100.000 deutlicher ausgefallen als in den statistischen Angaben der Länder vorausberechnet. Auch für die Folgejahre schreiben die Studienautoren der Bertelsmann-Stiftung die nach unten korrigierten Schülerzahlen entsprechend fort.

Grundsätzlich unterliegen Prognosen wie diese einer Reihe von Unschärfen. So sind nach Angaben des Bildungsexperten Zorn erwartbare Wanderungsbewegungen einbezogen, nicht jedoch «exogene Schocks, die große Fluchtbewegungen auslösen, wie ein neuer Krieg und Katastrophen». «Ein Grund mehr, zusätzliches Personal für ein resilientes Schulsystem zu nutzen», sagte Studienautor Zorn. Außerdem beziehe sich die Betrachtung auf ganz Deutschland, so dass es für passgenaue Planung nach Bundesländern und Regionen differenziertere Berechnungen brauche: «Eine Überversorgung in der Großstadt schließt nicht aus, dass im ländlichen Raum händeringend nach Grundschullehrerinnen oder -lehrern gesucht wird», so Zorn.

© dpa
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