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Der Fokus auf dem Text: Theatertage vergeben Dramatikpreis

Der Mülheimer Dramatikpreis zählt zu den renommiertesten in Deutschland. Zwölf Stücke sind diesmal nominiert - obwohl oder gerade weil die Jury die Inszenierungen teilweise «desaströs» fand.
Mülheimer Dramatikerpreis
Das Foto zeigt das Theater an der Ruhr. © Roland Weihrauch/dpa

Wie manch ein Theaterstück auf der Bühne inszeniert worden ist, das hat selbst Fachleute ratlos zurückgelassen. Aber um die Inszenierung geht es bei den Mülheimer Theatertagen ganz ausdrücklich nicht. Im Mittelpunkt des renommierten Dramatikpreises in der Ruhrgebietsstadt steht der Text: Zwölf Autoren haben mit ihren Stücktexten für Erwachsene und Kinder die Auswahlgremien so sehr überzeugt, dass sie bei dem Festival im Mai um die mit jeweils 15.000 Euro dotierten Preise konkurrieren. Das haben die Jurys am Dienstag bekannt gegeben.

Zum Auftakt des Festivals wird am 4. Mai das neue Drama des Büchner-Preisträgers Rainald Goetz «Baracke» gezeigt. Das am Deutschen Theater in Berlin uraufgeführte Stück präsentiert eine Familie als Keimzelle der Gewalt mit dem Duktus des NSU-Terrors. Einen beklemmenden Blick auf Gewalterfahrungen wirft auch das nominierte Stück «Antrag auf größtmögliche Entfernung von Gewalt» von Felicia Zeller, das in einem Frauenhaus spielt. Die Protagonistin Anna wird darin politisch verfolgt und ist gleichzeitig auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann.

Thema «Bruchstellen» zieht sich durch viele Stücke

Auffällig häufig gehe es derzeit in den Stücken der Gegenwartsdramatik um ganz unterschiedliche Bruchstellen, sagte der Sprecher des Auswahlgremiums für Erwachsenenstücke, der Theaterwissenschaftler Franz Wille. Mal seien es Bruchstellen zwischen Generationen, mal zwischen sozialen Gruppen oder zwischen Geschlechtern. «Die zeitgenössischen Konfliktszenarien, die Bruchstellen, werden härter, schwieriger, kontroverser, direkter», sagte Wille. «Streitstoffe spitzen sich zu.»

Auch im Wettbewerb für den Kinderstückpreis gehe es in vielen Texten um den gesellschaftlichen Zusammenhalt über soziale und kulturelle Grenzen hinweg, sagte der Sprecher des Auswahlgremiums, Björn Hayer. «Während uns die kriegs- und krisengebeutelte Welt da draußen bisweilen bis an die Grenze der Hoffnungslosigkeit treibt, zeugen die dieses Jahr für den Mülheimer Kinderstückpreis nominierten Texte von einer unbeirrbaren Suche nach dem Trost spendenden Anderen.»

Im Fokus für den Preis steht allein der Text

Das Besondere an den Mülheimer Theatertagen ist der Fokus auf den reinen Text der Stücke: Die Inszenierung auf der Bühne wird dabei erst einmal ausgeblendet. Sonst wären einige Auswahlentscheidungen wohl anders ausgefallen, ließen die Sprecher der Gremien durchblicken.

Ein Beispiel: «Dunkelschwarz» von Iona Daniel im Kinderstücke-Wettbewerb. «Das Auswahlgremium war sich insgesamt darüber einig, dass die Uraufführung als ein Fiasko zu bezeichnen ist, das dem Text völlig entgegenläuft», sagte Gremium-Sprecher Hayer. Dass das Stück trotzdem ausgewählt worden sei, «spricht natürlich umso stärker für den Text».

Ganz ohne gute Inszenierung funktioniere es aber auch in Mülheim nicht - denn alle nominierten Stücke werden während des Festivals dort aufgeführt. «Man will nach Mülheim auch nicht unbedingt ein Stück einladen, wo man links und rechts vom Ausgang dann ein Auswahlgremiums-Mitglied positionieren muss, das den Leuten erklärt, wieso man das Stück trotzdem eingeladen hat», betonte Wille.

Zugleich warb er um Verständnis für als misslungen empfundene Inszenierungen. «Wenn Sie "Kabale und Liebe" inszenieren, dann wissen Sie garantiert, wie es gehen kann», sagte der Theaterwissenschaftler. «Wenn Sie ein neues Stück urinszenieren, dann wissen Sie erst mal nicht, wie es geht. Es kann tatsächlich schiefgehen – und ich finde, es muss auch schiefgehen können dürfen. Das ist Theater.»

Entscheidung fällt in öffentlicher Jury-Sitzung

Der Start der Mülheimer Theatertage ist am 4. Mai. Die weiteren nominierten Stücke für den Dramatikpreis sind «Juices» (Ewe Benbenek, Nationaltheater Mannheim), «Nora oder wie man das Herrenhaus kompostiert» (Sivan Ben Yishai, Schauspiel Hannover), «forecast:ödipus» (Thomas Köck, Schauspiel Stuttgart), «The Silence» (Falk Richter, Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin) und «Laios» (Roland Schimmelpfennig, Anthropolis II, Deutsches Schauspielhaus Hamburg).

Die weiteren Kinderstücke sind «Winterkind und Herr Jemineh» (Marion Brasch), «Geschichten vom Aufstehen» (Thomas Freyer, beide Theater junge Generation, Dresden), «Troja! Blinde Passagiere im trojanischen Pferd» (Henner Kallmeyer, Theaterkohlenpott, Herne) und «südpol.windstill» (Amela Madreiter, Junges Theater Heidelberg).

Die öffentlichen Jurysitzungen zur Vergabe der Preise finden am 17. Mai (Kinder) und am 25. Mai (Erwachsene) jeweils im Anschluss an eine Vorstellung statt. Verliehen werden die Preise traditionell bei der Festivaleröffnung im Folgejahr.

© dpa ⁄ Marc Herwig und Rolf Schraa, dpa
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