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13-Jähriger soll Obdachlosen in Dortmund erstochen haben

Wieder ist das Gewaltopfer ein Obdachloser. Und wieder ist ein Kind mutmaßlicher Täter. Der Fall im Dortmunder Hafen schockiert. Es gibt ein Handyvideo.
Polizeiwagen
Auf der Motorhaube eines Streifenwagens steht der Schriftzug «Polizei». © David Inderlied/dpa/Illustration

Wieder eine tödliche Gewalttat gegen einen obdachlosen Menschen, wieder gehen die Ermittler von einem Minderjährigen als mutmaßlichen Täter aus und wieder war die Tatwaffe wohl ein Messer. Ein 13-jähriger Junge soll einen 31 Jahre alten Obdachlosen am Donnerstagabend am Dortmunder Hafen getötet haben. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Ein Handyvideo zeige, wie das Kind mit einem Messer auf den Mann eingestochen habe, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

«Nach den durchgeführten Ermittlungen und insbesondere der Auswertung eines Videos steht fest, dass ihm die tödlichen Stiche von einem der strafunmündigen Kinder beigebracht wurden», hieß es von Ermittlerseite. Die Obduktion ergab demnach, dass das 31-jährige Opfer durch mehrere Messerstiche getötet wurde.

Nach der Tat hatte die Polizei am Donnerstagabend vier Tatverdächtige vorläufig festgenommen. Es handelte sich um den 13-Jährigen, ein weiteres gleichaltriges Kind und um zwei Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren. Das Opfer war einige Stunden nach der Tat als ein 31 Jahre alter Mann identifiziert worden, der zuletzt keinen bekannten Wohnsitz hatte. Zeugen hatten eine Auseinandersetzung beobachtet und die Polizei gerufen.

Die vier Minderjährigen waren vom Tatort geflohen, Minuten später aber vorläufig festgenommen worden. Nach bisherigem Ermittlungsstand sei nun davon auszugehen, dass sie «zufällig am Hafen auf das Opfer trafen». Im Vorfeld der Gewalttat habe es eine verbale Auseinandersetzung zwischen dem Opfer und dem 13-jährigen Kind gegeben. Der Junge habe dann zugestochen, wie das Video zeige, schilderte Staatsanwalt Henner Kruse der Deutschen Presse-Agentur.

Das Opfer sei im Zuge der Auseinandersetzung ins Hafenbecken gefallen, habe noch an einer Leiter aus dem Kanal klettern und um Hilfe rufen können. Der 31-Jährige sei trotz Reanimationsmaßnahmen eines Notarztes noch am Tatort gestorben. Der Junge kann wegen seines Kindesalters strafrechtlich nicht belangt werden. Die beiden 13-Jährige waren bereits nach ihrer Anhörung aus dem Polizeigewahrsam entlassen und ihren Eltern übergeben worden. «Das Jugendamt ist informiert», sagte Kruse.

Wieder war es ein Messer

Ein Polizeihund spürte die mutmaßliche Tatwaffe in der Nähe des Tatorts auf. Eine Mordkommission nahm die Ermittlungen auf. Die Jugendlichen hatten sich den Angaben zufolge anwaltlich vertreten lassen. Sie wurden am Freitag vernommen. Im Anschluss wurden auch sie aus dem Polizeigewahrsam entlassen. «Eine Beteiligung an der Straftat des Kindes ist aktuell nicht anzunehmen.» Das Video, das die Tat zeige, stamme vom Handy des 14-Jährigen, sagte Staatsanwalt Kruse.

Schlimme Erinnerungen

Erst im vergangenen Herbst war in Horn-Bad Meinberg in Nordrhein-Westfalen ein Obdachloser mutmaßlich von drei Jugendlichen durch Messerstiche getötet worden. Der brutale Vorfall im Kreis Lippe Ende Oktober hatte für Entsetzten gesorgt. Die mutmaßliche Tatwaffe war auch damals ein Messer. Drei Jugendliche sollen den Mann unweit von Bielefeld getötet und die Tat gefilmt haben. Ein 14-Jähriger und zwei 15-Jährige waren in Untersuchungshaft genommen worden.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte erst vor wenigen Tagen die Kriminalstatistik für 2023 vorgestellt. Demnach nahm Kinder- und Jugendkriminalität in dem Bundesland um 10,8 Prozent auf 95 300 Fälle zu. «Das muss uns Sorgen machen», hatte Reul betont. 15 Prozent mehr Kinder wurden als Verdächtige für Gewalttaten erfasst.

Fassungslos hat bis heute auch der Fall der Schülerin Luise zurückgelassen. Sie war im März 2023 in Freudenberg im Siegerland mit Messerstichen ermordet worden. Zwei Mädchen im Alter von damals 12 und 13 Jahren gestanden die Bluttat. Auch in diesem Fall konnten die beiden Kinder strafrechtlich nicht belangt werden. Die Ermittlungen waren im Herbst 2023 eingestellt worden.

© dpa ⁄ Yuriko Wahl-Immel, dpa
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