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Wurfsaison bei Kegelrobben endet - Rekord-Geburtenjahr

Die Wurfsaison bei Deutschlands größten Raubtieren, den Kegelrobben, geht zu Ende - für die beiden Aufzuchtstationen an den Küsten bedeutet das teils viel Arbeit. Auf Helgoland vermehren sich die Tiere so prächtig, dass dort nun ein Rekord festgestellt wurde.
Kegelrobben-Jungtiere in der Norddeicher Seehundstation
Ein Kegelrobben-Jungtier in der Seehundstation Norddeich. © Sina Schuldt/dpa

Kurz vor dem Ende der Wurfsaison bei den Kegelrobben haben die beiden Seehundstationen in Niedersachsen und Schleswig-Hostein bislang rund 50 Jungtiere in ihre Obhut genommen. In der Seehundstation in Friedrichskoog waren es in dieser Geburtensaison bereits rund 30 kleine Kegelrobben, in der Station im ostfriesischen Norddeich werden zurzeit 17 Jungen aufgepäppelt, wie die Einrichtungen auf Anfrage mitteilten. Auf Helgoland wurde unterdessen ein Geburtenrekord beim Nachwuchs der Kegelrobben festgestellt, wie der Verein Jordsand meldete - Zahlen zu Kegelrobben-Geburten an der Wattenmeerküste liegen noch nicht vor.

Die Norddeicher Station teilte mit, ihre Aufnahmezahlen lägen in etwa im langjährigen Mittel. Allerdings seien der Sturm «Zoltan» vor Weihnachten, der wohl teils Sandbänke überspülte, und der Tourismus zum Jahreswechsel für die Jungtiere eine «unglückliche Kombination» gewesen, sagte der Leiter Tierpflege, Tim Fetting. Denn in ihren ersten Lebenswochen sind die kleinen Robben besonders anfällig für Störungen. Anders als Seehundbabys können sie mit ihrem weißen, langhaarigen Babyfell zunächst nicht schwimmen, erst nach dem Fellwechsel gehen sie ins Wasser.

Der Nachwuchs der größten Raubtiere Deutschlands kommt von November bis Januar zur Welt. Die streng geschützten Tiere können ausgewachsen bis zu 2,5 Meter lang und 300 Kilogramm schwer werden.

Höchststand bei Kegelrobben-Geburten auf Helgoland

Auf Helgoland sorgten gute Ausgangsbedingungen für einen neuen Geburtenrekord: In der Wurfsaison 2023/24 wurden an einem Tag 793 Jungtiere an den Stränden der Hochseeinsel erfasst, wie Damaris Buschhaus vom Verein Jordsand der Deutschen Presse-Agentur sagte. «Bisher wurde in keinem Winter eine höhere Geburtenzahl auf der Helgoländer Düne gezählt.» Die Kegelrobben nutzen alle drei Strände auf der Düne - der kleinen Nachbarinsel der Hauptinsel - aus. Auch auf der Hauptinsel wurden wieder einige wenige Jungtiere geboren.

Nach Angaben von Buschhaus eignet sich die Düne besonders gut für Kegelrobben, da sie hochwassergeschützte Strände hat. «Im Gegensatz zu Sandbänken im Wattenmeer, die täglich überflutet werden, lässt das normale Hochwasser noch Strand frei.»

Lanugofell saugt sich beim Schwimmen voll wie ein Wollpulli

Kegelrobben werden mit dem weißen Lanugofell geboren. Dieses ist relativ lang und nicht wasserabweisend. «Man kann sich das ähnlich einem Wollpullover vorstellen, der sich beim Schwimmen im Wasser vollsaugt und das Tier durch das Gewicht zusätzlich auf Dauer nach unten zieht. Die junge Kegelrobbe kann damit schwimmen, aber nicht zu lang», sagte Buschhaus. Es zehre sehr stark an den Kräften, die sich das Jungtier erst anfressen müsse.

«Daher suchen Kegelrobbenkühe hochwassergeschützte Strände auf. Dort können sie das Jungtier zur Welt bringen und säugen, ohne durch die tägliche Tide zu stark beeinflusst zu sein», sagte Buschhaus. Bei starken Stürmen robben die Kegelrobben die Strände und Dünen hoch und liegen geschützt vor dem Hochwasser. Eine Sandbank bietet dies nicht.

Miro und Toni sind die ersten Jungtiere in den Stationen

In der Seehundstation in Norddeich war Miro am 23. Dezember die erste kleine Kegelrobbe der Saison, die aufgenommen wurde. Das Jungtier wurde an einem Deich bei Norddeich entdeckt - ohne den Kontakt zu seiner Mutter. Mit nur rund 20 Kilogramm hatte er noch kein ausreichendes Gewicht, um allein zu überleben, wie Tierpfleger Fetting sagte. In den nächsten zwei bis drei Monaten wird er sich nun wie die anderen Jungtiere das Gewicht von rund 40 Kilogramm anfressen, dass sie in der Nordsee am Ende der Säugezeit hätten.

In der schleswig-holsteinischen Station in Friedrichskoog wurde die erste junge Kegelrobbe bereits am 25. November im Alter von rund zwei Wochen aufgenommen. Das 18,9 kg schwere Weibchen Toni von der Helgoländer Düne trug noch das komplette helle Embryonalfell, war nach Angaben der Seehundstation jedoch kein klassischer Heuler, denn Mutter und Jungtier wurden bis dahin zusammen beobachtet und Toni gesäugt. Allerdings hatte Toni zum Ende der Säugezeit nicht ausreichend Gewicht zulegen können und wurde daher zur weiteren Aufzucht nach Friedrichskoog gebracht.

Kegelrobben vermehren sich im Wattenmeer prächtig

Als angeblicher Konkurrent der Fischer waren Kegelrobben über die Jahrhunderte in der Nordsee nahezu ausgerottet worden. Seit den 1980er Jahren entstanden wieder Kolonien wie etwa auf der Helgoländer Düne. Die meisten Kegelrobben im niedersächsischen Wattenmeer leben an der Kachelotplate, einer Sandbank zwischen den Inseln Juist und Borkum.

In den vergangenen Jahren vermehrten sich die Kegelrobben im Wattenmeer und auf Helgoland prächtig. Nach letzten Angaben des trilateralen Wattenmeersekretariats in Wilhelmshaven vom Juli 2023 stieg die Zahl der Jungtiere in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt um 13 Prozent. Bei der vergangenen Zählung der ausgewachsenen Kegelrobben im Frühjahr 2023 wurden auf Helgoland rund 1400 und im Wattenmeer von Niedersachsen und Hamburg knapp 1200 Tiere gezählt. Hinzu kamen rund 170 Kegelrobben im schleswig-holsteinischen Teil. Die Gesamtpopulation lag zuletzt bei rund 10 500 ausgewachsenen Kegelrobben - der Großteil lebt vor der niederländischen Küste.

© dpa
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