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Lüneburger Millionenprojekt Barockorgel

Schon Bach spielte als Schüler auf dem Instrument. Nun soll die Orgel in der Lüneburger St.-Johannis-Kirche restauriert werden. Das Projekt wird teuer - und muss extrem gut geplant werden.
Lüneburger Millionenprojekt Barockorgel
Ulf Wellner, Kirchenmusikdirektor, spielt in der St. Johannis Kirche an einer Orgel von 1553. © Philipp Schulze/dpa

Es klingt nach einer Mammutaufgabe: 3856 Orgelpfeifen - einige bis zu zehn Meter hoch - müssen auf Vordermann gebracht werden. Sie gehören zur Orgel in der Lüneburger St.-Johannis-Kirche. Sie sei die letzte der großen hanseatischen Orgeln des norddeutschen Barock, die noch nicht restauriert sei, sagt Kirchenmusikdirektor Ulf Wellner, der seit Dezember in der Hauptkirche der Hansestadt wirkt.

Die Orgel hatte ihn nach Lüneburg gelockt. «Für mich ist das eine Traumstelle», erzählt er. «Keine Gemeinde der Welt kann sich mal eben eine 500 Jahre alte Orgel bauen.» Aufgrund der Restaurierung wird sich der Neu-Lüneburger aber von dem 1553 in den Niederlanden fertiggestellten Instrument für zwei Jahre trennen müssen. Mitte 2025 sollen die Pfeifen - manche aus Metall, andere aus Holz - ausgebaut werden. Allein dieser Prozess soll etwa einen Monat dauern.

Der Transport zur Spezialfirma nach Leer-Loga in Ostfriesland muss gut geplant sein, Erschütterungen darf es während der Fahrt nicht geben. Das Gehäuse bleibt in Lüneburg. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf etwa 2,2 Millionen Euro, bestätigt Pastor Diederik Noordveld. Ein Großteil der Finanzierung kommt aus Bundesmitteln, auch Stiftungen und das Land Niedersachsen leisten einen Beitrag.

Sogar Johann Sebastian Bach hat zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als der Waise in Lüneburg zur Schule ging, auf der Orgel gespielt. Das eigentliche Renaissance-Konzept wurde erweitert, heute gehört die Orgel laut Wellner zu den bedeutendsten Barock-Orgeln in Nordeuropa.

«Das Spannende ist, dass wir die Möglichkeit haben, an alte Klänge heranzukommen», erzählt er bei einer musikalischen Kostprobe. Er bevorzugt traditionelle Notenblätter, der modernen Technik misstraut er ein wenig: «Ich hätte Sorge, dass ein Tablet mitten im Konzert seinen Geist aufgibt.» Seinen Rücken wärmt im Winter eine hinter ihm aufgestellte, längliche Heizplatte. Vor allem die Finger dürfen beim Spielen in der zugigen Empore nicht kalt werden. Zwei Tage Heizen der bis zu 30 Meter hohen Kirche koste die Gemeinde tausend Euro, rechnet er vor.

Wie besonders die Pfeifen sind, bewies zuletzt auch ein Kirchgänger, der sich mit einem anonymen Schreiben als Dieb outete. «Die Pfeife lag dann bei uns im Briefkasten. Er hat sie vor Jahrzehnten als Schüler geklaut, und jetzt ein schlechtes Gewissen bekommen», berichtet Pastor Noordveld mit einem Schmunzeln. Ob die bleistiftgroße Pfeife noch erhaltenswert ist, wird sich bei der Restaurierung zeigen. Möglicherweise gehörte das kleine Diebesgut aber auch zu einem Demonstrationsobjekt für Besucher.

Wellner wird geduldig auf die Rückkehr seines Trauminstruments warten und derweil mit der zweiten Orgel vorliebnehmen - er hat nicht vor, Lüneburg so schnell wieder zu verlassen. «Meine Vorgänger waren rund 20 Jahre hier», sagt er und zeigt auf die Foto-Galerie, in der er auch eines Tages abgebildet sein wird.

© dpa
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