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Lehrermangel: MV will Lehrerbildungsgesetz ändern

Etwa 1000 Lehrer muss Mecklenburg-Vorpommern jährlich einstellen, um den Bedarf an den Schulen zu decken. Möglichst jeder Lehramtsabsolvent soll gehalten werden. Doch auch das würde nicht reichen.
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Eine Lehrerin schreibt in englischer Sprache an die Tafel. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Mecklenburg-Vorpommern kann nach Angaben von Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) seinen Lehrerbedarf in den kommenden Jahren nur etwa zur Hälfte mit Absolventen der Universitäten in Rostock und Greifswald decken. «Wir brauchen also 2600 Lehrkräfte zusätzlich zu denen, die bei uns ihr grundständiges Lehramtsstudium absolvieren», sagte die Ministerin am Dienstag in Schwerin. Da ganz Deutschland unter Lehrermangel leide, versuche Mecklenburg-Vorpommern, im Vorgriff auf eine große Reform des Lehrerbildungsgesetzes im Land den Beruf attraktiver zu machen. So sollen schon mit Beginn des neuen Schuljahres Verbesserungen im Referendariat und bei der Qualifizierung von sogenannten Seiteneinsteigern in Kraft treten. «Wir hoffen auf eine schnelle Wirkung. Denn wir brauchen die Lehrer jetzt», betonte die Ministerin.

Dem Gesetzentwurf zufolge, der am Dienstag im Kabinett behandelt und zur Beratung und Beschlussfassung an den Landtag weitergereicht wurde, soll der Praxisbezug in der Lehrerausbildung gestärkt werden. Praxiseinsätze während des Lehramtsstudiums können auf das 18-monatige Referendariat angerechnet werden, das sich dann auf zwölf Monate verkürzen kann. Zudem sollen die Betreuung durch erfahrene Pädagogen verbessert und der Prüfungsaufwand reduziert werden. «Wir machen den Vorbereitungsdienst für zukünftige Lehrkräfte attraktiver», erklärte die Ministerin. Schon im laufenden Schuljahr seien 30 Prozent der Referendare aus anderen Bundesländern nach MV gekommen. Aktiv werben dürfe das Land aber nicht.

Früheren Angaben zufolge scheiden in Mecklenburg-Vorpommern bis 2030 etwa 7000 der rund 12.600 Lehrerinnen und Lehrer an öffentlichen Schulen altersbedingt aus dem Dienst aus. Somit sind jährlich etwa 1000 Neueinstellungen erforderlich, um das Ausscheiden zu kompensieren und Zusatzbedarfe zu decken. Weil dies allein mit Lehramtsabsolventen nicht zu schaffen sei, sollen vermehrt auch Seiteneinsteiger in den Schuldienst übernommen und berufsbegleitend qualifiziert werden. Auch dazu werde das Lehrerbildungsgesetz geändert. Nach Angaben Oldenburgs wurden in den Jahren 2022 und 2023 in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 1900 Lehrerinnen und Lehrer eingestellt, 700 davon als Lehrkräfte im Seiteneinstieg.

Die für den universitären Teil der Lehrerausbildung zuständige Wissenschaftsministerin Bettina Martin (SPD) plant darüber hinaus grundlegende Reformen im Studium. Um die hohen Abbrecherquoten zu verringern, soll der fachliche Anteil zugunsten von Pädagogik und Didaktik reduziert werden. Bis zu 80 Prozent der Lehramtsstudenten hatten in der Vergangenheit das Handtuch geworfen, weil sie nach den ambitionierten Lehrplänen ihrer Kommilitonen unterrichtet wurden, die eine Karriere als Mathematiker oder Physiker anstreben.

«Die Klagen der jungen Leute, die sich für den Lehrerberuf entschieden hatten und sich dann überfordert fühlten, sind nachvollziehbar und nicht neu. Wir sind mit den Hochschulen im Gespräch und ich bin zuversichtlich, dass wir bis zum Sommer einen Gesetzentwurf zu den Änderungen im Kabinett vorlegen werden», sagte Martin auf Anfrage. Vergleiche hätten gezeigt, dass die fachlichen Anforderungen an angehende Pädagogen in Mecklenburg-Vorpommern deutlich über dem Durchschnitt der Bundesländer lägen.

Die Reduzierung bei der Fachausbildung sei allerdings nicht die einzige angestrebte Änderung. Ziel sei zudem, Regionalschul- und Gymnasiallehrer künftig bis zum ersten Staatsexamen gemeinsam auszubilden. Dabei solle die Prüfungslast gesenkt und der Praxisbezug gestärkt werden. «Viele junge Lehrer sprechen von einem Praxisschock, wenn sie zum Referendariat an die Schule kommen. Wir wollen sie von Anfang an den Schulalltag heranführen», kündigte Martin an. Dies habe sich in der Ausbildung der Grundschullehrer mit regelmäßigen Schuleinsätzen bewährt.

Nach Angaben der Bildungsgewerkschaft GEW wurden bei den zunächst geplanten Änderungen einige ihrer Vorschläge bereits berücksichtigt, etwa bei der Verkürzung des Referendariats. Zufrieden äußerte sich GEW-Landeschef Nico Leschinski auch zur künftig möglichen Anerkennung weiterer Lehrämter und Fächer für Lehrkräfte, die bereits im Schuldienst sind. «Es ist gut, dass das Ministerium den Erwerb der Lehrbefähigung für ein neues zusätzliches Fach an eine entsprechende Weiterbildung knüpft. Dies kommt der Bildungsqualität im Land zugute», sagt er. Größere strukturelle Veränderungen erwarte die GEW allerdings bei der geplanten Novelle für das Lehramtsstudium. «Die Veränderungen hier sind komplex und tiefgreifender.»

Der AfD-Landtagsabgeordnete Enrico Schult äußerte sich hingegen kritisch zu den Änderungsplänen der Regierung: «Seiten- und Quereinstiege, verkürztes Referendariat und Einstellungsverfahren in Eiltempo - mit diesen Improvisationen begegnet das Bildungsministerium dem chronischen Lehrermangel. Dieses Mangelmilieu ist zuerst von der mangelnden Attraktivität des Berufes verursacht», konstatierte der Oppositionspolitiker. Überfüllte Klassenräume, unterrichtsfremde Aufgaben, lästige Dokumentationspflichten und eine «aus dem Ruder laufende Inklusionskampagne» schreckten junge Leute immer mehr ab, den Lehrerberuf zu ergreifen. Schult erneuerte die Forderung nach Gründung einer pädagogischen Hochschule, die Lehrer aus dem Land für das Land ausbilde.

© dpa
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