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Der Tanz an der Stange: Vom Rotlicht zum Leistungssport

Bei Poledance denken viele an nackte Haut und verruchte Stripclubs. Doch längst ist der Stangentanz als Trendsport im Fitnessbereich angekommen - und möchte sogar olympisch werden.
Poledance-Training an der TG Bornheim in Frankfurt
Die Poledance-Trainerin Anna-Janine Bertuleit führt ihren Schülerinnen eine Tanzfigur vor. © Lando Hass/dpa

Ein kurzer Schwung, schon schwebt Anna-Janine Bertuleit in der Luft. Die Schwerkraft scheint sich aufzulösen, während die Poledance-Trainerin der TG Bornheim in Frankfurt um eine Stange kreist. Konzentriert schauen die Kursteilnehmer ihr dabei zu, wie sie eine extravagante Figur nach der anderen vorführt. Was so leicht aussieht, erfordert jedoch hartes Training und viel Disziplin. «Es ist die perfekte Mischung aus Akrobatik und Krafttraining», erzählt die 28-Jährige im Gespräch der Deutschen Presse-Agentur. Eine international anerkannte Sportart ist Poledance aber (noch) nicht.

Das Training an der vier Meter hohen, vertikalen «Pole» kombiniert Kraft, Koordination und Beweglichkeit. Die Stange hat gerade einmal einen Durchmesser von 45 Millimetern und lässt sich sowohl statisch als auch drehend einstellen. «Poledance ist ein Sport, bei dem man viel Flexibilität, Körperspannung und Körperbewusstsein braucht», sagt Bertuleit. Der Stangentanz hat sich mittlerweile zum Trendsport etabliert und verfolgt große Ziele. «Wir sind auf einem guten Weg zur sportlichen Anerkennung und olympischen Aufnahme», berichtet Bertuleit.

Poledance - Ein olympischer Sport?

Für den Traum von Olympia wurde bereits eine wichtige Hürde genommen: Seit 2017 ist die International Pole Sports Federation (IPSF) Beobachtermitglied im Dachverband der Welt-Sportverbände (GAISF). Um vollständig anerkannt zu werden, müssen jedoch noch bestimmte Kriterien erfüllt werden. Dazu zählen das Einhalten von Regeln bei Wettkämpfen sowie eine globale Vertretung in Pole-Vereinen. Auch fehlt es dem Trendsport an männlichen Athleten.

Es sind überwiegend Frauen, die an den Poledance-Kursen teilnehmen, heißt es von der TSG Blau-Gold Gießen. Mit rund 600 Poledance-Mitgliedern gehört der Verein zu den größten Pole-Abteilungen in Deutschland. Ähnlich sieht es in Frankfurt aus. Von den 220 Kurs-Teilnehmern seien gerade einmal eine Handvoll männlich, sagt Stefanie Zellekens vom Sportteam der Turngemeinde. Dabei sei Poledance auch für Männer geeignet. «Jeder ist in den Pole-Kursen willkommen, der Interesse an dieser Sportart, Lust am Tanzen und Spaß am Ausprobieren neuer Bewegungen hat», heißt es aus Gießen.

Mit dem Ziel, die Pole-Athleten in Deutschland zu vereinen und dem Poledance mehr sportliche Aufmerksamkeit zu geben, wurde 2015 die Organisation des Deutschen Pole Sports e.V. (ODPS) gegründet. Jährlich veranstaltet sie die deutschen Pole-Meisterschaften. Die Wettkampfregeln werden vom Weltverband vorgegeben und beinhalten strenge Bewertungsrichtlinien für Kostüme, Figuren, Musik und Abläufe. Auch Vorgaben für Doping-Tests der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) werden nach Angaben der Organisation beachtet.

Aktuell seien bundesweit 69 Vereine und Studios bei der ODPS registriert. Die genaue Anzahl sei jedoch weitaus größer, da Poledance nicht nur in Vereinen, sondern auch in privaten Studios oder Fitnessstudios angeboten werde. Der Weg in den Deutschen Olympischen Sportbund führt aber nur über offizielle Vereine.

Der Kampf gegen Erotik-Klischees

Trotz vieler sportlicher Bemühungen haftet dem freizügigen Trendsport immer noch das Rotlichtimage an. «Poledance ist immer noch sehr sexuell behaftet», sagt Bertuleit. Meist sei es die ältere Generation, die die Sportart belächele. «Die kennen Poledance einfach nicht, oder nur in dem Zusammenhang mit verrauchten Bars und Clubs.» Der Hauptgrund sei die leichte Bekleidung, die man beim Üben an der Stange trägt. Um bestimmte Figuren halten zu können, brauche es jedoch den direkten Kontakt der Haut mit dem Gerät. «Es ist nichts anderes als Turnen, nur dass man weniger anhat», erklärt Bertuleit.

Ihrer Ansicht nach führen die Vorurteile und Klischees dazu, dass sich bisher nur wenige Männer für Poledance begeistern. Max Merlau, einer der beiden männlichen Trainer der TG Bornheim, sagt: «Viele verbinden Poledance immer noch mit Stripclubs und Frauen, die sich an der Stange rekeln.» Dabei habe Poledance Leistungssport-Niveau: «Man rutscht nicht einfach an der Stange herum. Es tut weh, es ist anstrengend, es ist ein Sport.»

Durch die steigende Präsenz in TV-Formaten wie «Das Supertalent» oder bei Zirkus- und Akrobatik-Shows, erlebe der Stangentanz derzeit einen Imagewechsel. «Bekam man vor wenigen Jahren noch befremdliche Blicke, so ist es heute häufig Anerkennung und Interesse», berichten Adina Brill und Valerie Ruddat von der Gießener Poledance-Abteilung.

Zu einem besseren Ruf trage auch die Austragung offizieller Meisterschaften bei, sagt die Frankfurterin Bertuleit. Eine strikte Kleiderordnung wirkt den Vorurteilen entgegen. «Es gibt strenge Vorgaben, wie die Kostüme geschneidert sein müssen», teilte der TGS aus Gießen mit. Tiefe Ausschnitte, Gesäßfalte oder Hüftknochen dürfen demnach zu keiner Zeit zu sehen sein. Auch laszive Bewegungen seien verboten. Bei Verstoß drohen hohe Punktabzüge oder sogar eine Disqualifikation.

Der Weg zu den Olympischen Spielen ist trotzdem noch weit. Denn den Beobachter-Status der GAISF besitzen auch andere Sportarten wie Poker, Tisch-Fußball oder Seilspringen. «Leider gibt es keine aktuellen Meldungen seitens des Weltverbandes IPSF bezüglich der Anerkennung» teilte die ODPS mit.

© dpa ⁄ Evelyn Denich, dpa
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