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Der Streit um die Stadttaube

Tauben gelten in vielen hessischen Städten als Problem. Die Beschwerden über diese Vögel nehmen zu - und es wird nach Lösungen gesucht. Doch was ist der richtige Umgang mit den Tieren?
Balgende Tauben
Tauben balgen sich auf der Frankenallee in Frankfurt um Brot, welches den Tieren von einem Passanten hingeworfen wurde. © Boris Roessler/dpa

Manche finden sie lästig, andere halten sie für intelligent: Stadttauben sind seit Jahren auch in Hessen ein viel diskutiertes Thema. Die Stadt Frankfurt will nun künftig in Eigenregie den Umgang mit den Vögeln regeln. Am Mittwoch stellten Ordnungsdezernentin Annette Rinn (FDP) und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) das neue städtische Taubenmanagement vor. «Tauben gehören zu unserem Stadtbild. Problematisch wird die Situation jedoch, wenn die Zahl der Tauben zu groß wird und es zu starken Verunreinigungen und Belästigungen der Bevölkerung kommt», sagte Heilig.

Ziel des städtischen Taubenmanagements sei unter anderem, die auftretenden Probleme und Beschwerden im Zusammenhang mit Stadttauben zu minimieren. Als erste Maßnahme soll ein ausgebauter Seecontainer als Taubenhaus zum Einsatz kommen. Die Kosten in Höhe von 15 000 Euro für den Container übernimmt die Stadt. Doch welche weiteren Methoden gibt es und welche zeigen Erfolge?

Geburtenkontrolle, Genickbruch oder Gipseier?

In Limburg sollen Bürger bei einem Entscheid am 8. Juni darüber abstimmen, ob Tauben in ihrer Stadt gezielt getötet werden sollen oder nicht. Dazu sollen die Vögel eingefangen, betäubt und durch einen Genickbruch sterben. Im November hatten die Stadtverordneten mehrheitlich beschlossen, dass die Zahl der Tauben mit deren Tötung begrenzt werden soll. Begründet sei der Beschluss unter anderem mit dem Ziel, möglichst zügig den Taubenbestand zu reduzieren. Rund 700 Tauben waren zuvor in der Limburger Innenstadt gezählt worden.

Entscheidet sich die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger gegen eine Tötung, soll mit anderen Maßnahmen das Taubenproblem bekämpft werden. Nach Angaben der Stadt sei das Töten der Tauben nach derzeitigem Stand aber die günstigere Alternative. Neben einer Geburtenkontrolle über den Austausch von Eiern könnte eine «Pille» die Fortpflanzung der Tiere verhindern. Dabei handelt es sich um einen Futtermais, der bei dauerhaftem Verzehr die Fruchtbarkeit der Tiere einschränkt.

Auch Wiesbaden sieht mit der «Pille» eine mögliche Alternative zur Geburtenkontrolle. Allerdings sei sie nur eine temporäre Lösung, da der gewünschte Effekt nur bei kontinuierlicher Einnahme erzielt wird. Außerdem ist diese Methode besonders kostspielig, sagte die Stadttaubenbeauftragte Alexandra Weyrather. Derzeit werden in Wiesbaden an drei Taubenschlägen und einigen wilden Brutplätzen Taubeneier durch Gipseier ersetzt. Es gebe jedoch viele wilde Brutplätze, die nicht kontrolliert werden könnten, wie zum Beispiel in denkmalgeschützten Leerständen, erklärte die Taubenbeauftragte.

Im Frühjahr soll daher eine Sterilisation der Tauben als ergänzendes Konzept die Geburtenrate der Tiere in der Landeshauptstadt senken. Männliche Tauben sollen eingefangen und bei einer Operation sterilisiert werden. Eine Tötung der Vögel kommt nach Angaben der Stadt nicht infrage, da diese Methode weder tierschutzrechtlich vertretbar sei, noch einen dauerhaften Erfolg verspreche. Nach einer letzten Zählung im Jahr 2023 gab es an den Wiesbadener «Hot Spots» hochgerechnet etwa 6000 Tauben.

Tierfreundlicher Umgang im Fokus

Auch Kassel und Darmstadt setzen seit Jahren auf Taubenschläge als tierfreundliche Methode zur Populationskontrolle der Vögel. Eine wie in Limburg geplante Tötung der Tauben sei keine Alternative, erklärt ein Sprecher aus Darmstadt. Fachgerecht betreut würden die Taubenschläge eine tiergerechte Unterkunft und einen Platz zum Brüten bieten. Die letzte Taubenzählung in Darmstadt erfolgte im Jahr 2011. Damals wurden rund 5000 Stadttauben gezählt. Nach eigenen Schätzungen hätte sich die Anzahl der Tauben seitdem nicht stark verändert.

Nahrungsverfügbarkeit entscheidend

Trotz der Bemühungen der Städte kann keine der Maßnahmen die Taubenpopulation nachhaltig verringern, sagte Bernd Petri, stellvertretender Landesvorsitzender des Naturschutzbunds Hessen der Deutschen Presse-Agentur. «Entscheidend ist die Nahrungsverfügbarkeit.» Die Städte sollten vielmehr eine unkontrollierte Fütterung vermeiden, etwa durch aufklärende Vorträge oder der Herrichtung von öffentlichen Mülleimern.

Der Umweltexperte warnte außerdem vor einer Tötung von Tauben. Demnach kann die Anzahl der Tiere auf diesem Weg nur kurzfristig reduziert werden. Für eine vollständige Reproduktion sei bereits eine Handvoll überlebender Vögel ausreichend. Zudem würde die gezielte Tötung der Stadttauben den Konflikt zwischen Tierschützern und Taubengegnern nur verstärken, erklärte Petri.

© dpa ⁄ Evelyn Denich (Text) und Boris Roessler (Foto), dpa
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