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Prozess wegen Drogenhandels und Freiheitsberaubung

Sie handelten mit Drogen und wollten einen Mann mit einer Maschinenpistole aus einer Bar entführen - so lautet die Anklage. Im Landgericht Hamburg schwiegen die Männer zu den Vorwürfen.
Hamburger Strafjustizgebäude
Der Haupteingang des Hamburger Strafjustizgebäudes am Sievekingplatz. © Christian Charisius/dpa/Archivbild

Sie wollten laut Anklage mit einer geladenen Maschinenpistole einen Mann an einer Sportsbar entführen: Vor dem Landgericht Hamburg müssen sich seit Freitag drei Männer wegen versuchter Freiheitsberaubung verantworten. Sie sollen zudem in unterschiedlichen Konstellationen mit größeren Mengen Kokain und Marihuana Geschäfte gemacht haben. Die 23, 30 und 33 Jahre alten Angeklagten schwiegen am ersten Prozesstag zu den Vorwürfen.

Der 30-Jährige, der von den Bahamas stammt, war laut Anklage Mitglied einer international agierenden Rauschgifthändler-Organisation und kam für die Drogengeschäfte im Juli 2023 nach Deutschland. In mehreren Wohnungen sollen nach Hamburg gebrachte Drogen deponiert worden sein. Im Auftrag der Organisation verkaufte der 30-Jährige sie nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft gewinnbringend an unterschiedliche Abnehmer.

Zu der Organisation gehörte nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft auch der Cousin des 30-Jährigen. Dieser Mann werde wie zwei weitere mutmaßliche Mittäter gesondert verfolgt, hieß es. Die Ermittlungen ergaben, dass die Organisation bei ihren Übergaben Kennwörter benutzte, oft waren es Namen von europäischen Großstädten. Die Liste der Staatsanwaltschaft solcher Paket-Übergaben war lang. Zwei Beispiele: So habe der 30-Jährige Ende Juli vergangenen Jahres einem Abnehmer Pakete mit insgesamt 25 Kilogramm Kokain gegeben - nach Nennung des Kennwortes «Paris». Zwei Wochen später folgten laut Staatsanwaltschaft sechs Kilogramm Drogen, nachdem das Kennwort «Brüssel» gefallen war.

Dem 33 Jahre alten Angeklagten soll die Organisation mindestens 10.000 Euro versprochen haben, damit er im September 2023 aus seinem Heimatland Bahamas nach Deutschland reiste, um dort für sie als Drogenkurier und Geldzähler zu arbeiten. Er bezog nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine Wohnung in Pinneberg und sollte unter anderem von dem 30-Jährigen angelernt werden. Die Ermittler sind überzeugt, dass er im Oktober 2023 auf Anweisung der Organisation mindestens ein Kilogramm Drogen übergab - aber erst sollte wieder der Name der französischen Hauptstadt genannt werden. Der dritte Angeklagte ist Deutscher, er erhielt laut Anklage im Herbst vergangenen Jahres aus einem Depot eine größere Menge Kokain abgepackt in Plastikgefäße zum Weiterverkauf.

Am 1. November 2023 soll sich der 30-Jährige seinem Cousin gegenüber bereit erklärt haben, einen Mann aus einer Sportbar im Stadtteil Eidelstedt mit Waffengewalt zu entführen und mit dem Tode zu bedrohen. Die anderen beiden Angeklagten sollten ihn dabei unterstützen. Das Opfer hatte laut Anklage eine Auseinandersetzung mit den Hinterleuten, wie ein Gerichtssprecher sagte. Doch der Mann erkannte die maskierten und mit einer Maschinenpistole bewaffneten Angeklagten und flüchtete. «Er fürchtete um sein Leben», sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft bei Anklageverlesung.

Die Ermittler hatten nach Angaben eines Gerichtssprechers Chatnachrichten und Videomaterial ausgewertet. Der 30-Jährige und der 33-Jährige sitzen in Untersuchungshaft. Das Landgericht hat insgesamt 16 Verhandlungstage bis zum 13. Juni angesetzt. Der nächste Termin ist am Dienstag.

Redaktionshinweis: In einer vorherigen Version der Meldung hieß es, dass der Angeklagte die Wohnungen angemietet haben soll, um dort nach Hamburg gebrachte Drogen zu deponieren. Richtig muss es heißen, dass Hinterleute die Wohnungen angemietet haben sollen. (Stand: 19.04.2024, 14.50 Uhr)

© dpa
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