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Angeblicher Heilpraktiker wegen Mordes verurteilt

Ein angeblicher Heilpraktiker wird wegen Mordes an seiner Ehefrau verurteilt. Das Landgericht Flensburg sieht gleich zwei Mordmerkmale erfüllt.
Prozess gegen angeblichen Heilpraktiker
Der angeklagte angebliche Heilpraktiker wird zu Beginn der Verhandlung in den Gerichtssaal geführt. © Axel Heimken/dpa

Weil er Angst hatte, dass sein Doppelleben auffliegt und seine vermögende Frau sich von ihm trennt, hat ein 55 Jahre alter Mann seine schwer kranke Ehefrau umgebracht. Der angebliche Heilpraktiker wurde am Mittwoch vom Landgericht Flensburg wegen Mordes an seiner Ehefrau zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Zudem stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren rechtlich zwar möglich, in der Praxis aber so gut wie ausgeschlossen. Er habe seine schwer kranke Ehefrau aus Habgier getötet, auch das Mordmerkmal der Heimtücke liege vor, sagte der Vorsitzende Richter der Ersten Großen Strafkammer.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er ihr Mitte August 2022 in einem kleinen Ort im Kreis Schleswig-Flensburg zunächst eine Überdosis aus verschiedenen Medikamenten verabreicht hatte. Als sie anders als von ihm erwartet, nicht sofort verstorben sei, habe er mit einem Küchenmesser mit einer Klingenlänge von etwa 20 Zentimetern zweimal in den Bauch der geschwächten Frau eingestochen. Gestorben ist sie den Angaben zufolge aber letztlich an einer Tablettenintoxikation. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden.

Motiv: Sorge, dass Frau sich von ihm trennt und er Wohlstand verliert

Gut eine Woche vor der Tat wurde das gemeinsam bewohnte Haus der Frau nach Anzeigen wegen Sexualdelikten durchsucht. In dem Haus befand sich auch die Praxis des Mannes. Der zur Tatzeit 53 Jahre alte Deutsche hatte demnach im Anschluss Sorge, dass sein langjähriges Doppelleben - er hatte zahlreiche sexuelle Kontakte außerhalb der Ehe und keine Zulassung als Heilpraktiker - aufflog. Als angeblicher Heilpraktiker hatte er auch sexualisierte Handlungen an Patientinnen zu angeblich medizinischen Zwecken vorgenommen. Es waren Ermittlungen gegen den Angeklagten wegen Sexualdelikten vor allem zulasten seiner Patientinnen aufgenommen worden.

Der Angeklagte sei «massiv besorgt», dass nach der Hausdurchsuchung sein Doppelleben inklusive seiner sexuellen Eskapaden ans Licht käme, sagte der Vorsitzende Richter. Die vermögende Frau hätte sich in dem Fall nach Überzeugung des Gerichts trotz ihrer schweren Krankheit, sofort von dem Mann getrennt. Der heute 55-Jährige habe gewusst, dass er im Falle einer Trennung erneut wohnungs- und mittellos sein würde und auch nicht mehr testamentarisch bedacht würde. Es sei ihm darum gegangen, sein Leben mit den Mitteln der Frau und in Erwartung eines Erbes weiterleben zu können.

Gericht glaubt Aussagen des Mannes nicht

Um den Mord als gemeinschaftlich geplanten Suizid darzustellen, soll er ebenfalls eine geringe Menge der Medikamente geschluckt und sich selbst mit dem Messer verletzt haben. Dies nahm das Gericht dem Angeklagten nicht ab. Die Einlassungen des Angeklagten hätten sich alle als unwahr herausgestellt, sagte der Vorsitzende Richter. Nahezu nichts stimme. Als er die Aussagen auseinandernimmt, fällt immer wieder das Wort «absurd».

Das Gericht folgte mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hat beantragt, den Angeklagten wegen Tötung auf Verlangen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren zu verurteilen und die Vollstreckung zur Bewährung auszusetzen.

Langer Prozess mit Wendungen

Dem Urteil ging eine mehr als ein Jahr dauernde Hauptverhandlung mit vielen Wendungen voraus. Ursprünglich war der Mann neben dem Mordvorwurf auch wegen Vergewaltigungen, sexueller Übergriffe und gefährlichen Körperverletzungen angeklagt. Nach der Beweisaufnahme zu letzteren Anklagevorwürfen kamen Zweifel auf, ob dem Angeklagten die Sexualdelikte «in einem die Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft rechtfertigenden Umfang nachzuweisen sein würden». Er wurde im Sommer 2023 aus der Untersuchungshaft entlassen. Der Haftbefehl war aufgrund der vorgeworfenen Sexualdelikte erlassen worden, wegen des Mordvorwurfs konnte der Angeklagte nicht in Untersuchungshaft genommen werden.

Dies änderte sich wenige Monate später im weiteren Verlauf des Prozesses. Im Februar 2024 wurde er erneut in U-Haft genommen, da er nach vorläufiger Beweiswürdigung zu dem Zeitpunkt dann dringend verdächtig war, seine Ehefrau getötet zu haben. Weitere gut zwei Monate später wurden das Verfahren, was die vorgeworfenen Sexualdelikte anging eingestellt. Dies allerdings nicht, weil die Vorwürfe ausgeräumt seien, sondern weil die für diese Tatvorwürfe zu erwartenden Strafen neben der Strafe für den Mordvorwurf nicht beträchtlich ins Gewicht fallen würden, wie der Vorsitzende Richter am Mittwoch betonte.

© dpa
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