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Loriot-Festwochen: Ausstellung ein Fall für die Stasi

Selbst die Stasi interessierte sich für Loriot. Seine Geburtsstadt Brandenburg an der Havel lässt zum 100. Geburtstag des Humoristen alte Erinnerungen wieder aufleben - auch an die DDR-Zeit.
Vicco von Bülow: Loriot
Der Humorist Vicco von Bülow alias Loriot sitzt vor Eröffnung der Ausstellung "Loriot - Die Hommage"" im Filmmuseum. © Soeren Stache/dpa/Archivbild

Ausgerechnet kurz vor dem 100. Geburtstag von Loriot fehlt das Knollennasenmännchen? Die Stadt Brandenburg an der Havel hatte das Markenzeichen des großen Humoristen zum Schutz vor Kälte und Schnee schon mal im Bauhof eingemottet. Aber das darf nicht sein, wie Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) jetzt entschied. Und so komme die berühmte Figur mit der großen Knollennase samt Bank doch wieder an ihren Platz am Altstädtischen Markt - rechtzeitig zur Loriot-Festwoche.

Brandenburg an der Havel, wo Vicco von Bülow am 12. November geboren wurde, will seinen Ehrenbürger an diesem Sonntag und in den folgenden Monaten feiern. Nicht nur die bekannten und grotesk-komischen Dialoge in Sketchen und Filmen wie «Herren im Bad» oder «Die Nudel» gehören selbstverständlich zur Hommage. Es gibt auch neue Theaterinszenierungen, Lesungen, Cartoons. Auch Erinnerungen an Begegnungen mit dem bekannten Karikaturisten und Schauspieler sollen in einer Ausstellung wieder aufleben.

«Bei vielen Brandenburgerinnen und Brandenburgern gibt es vor allem eine emotionale Verbundenheit zu Loriot, weil sein Humor respektvoll, er nahbar und authentisch und auch sein Bekenntnis zu seiner Heimatstadt echt war», sagte Oberbürgermeister Scheller. Auch Susanne von Bülow, eine Tochter von Loriot, sei der Stadt sehr verbunden. Sie wolle den Geburtstag bei ihrer Mutter am Starnberger See verbringen, aber Ende November nach Brandenburg/Havel kommen, so Scheller.

Auf den Spuren Loriots

Vicco von Bülow war in der St. Gotthardtkirche getauft worden und hatte seine ersten drei Lebensjahre in der heute 73 000 Einwohner großen Havelstadt verbracht. Als Loriot hinterließ er dort einige Spuren. Seine Kunstfigur des gehörnten Waldmopses aus einem schrägen Sketch steht mehr als 25-fach als Bronzeskulptur am Wasser und vor Kirchen - wenn sie nicht gestohlen wird, wie zuletzt im vergangenen Jahr.

Es sei das «einzige Waldmops-Biotop der Welt», schwärmte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Er hatte als früherer Bundestagsabgeordneter seinen Wahlkreis in Brandenburg/Havel und sich im Kulturverein für die Ehrung Loriots eingesetzt.

Besucher werden bei Stadtführungen gerne auch zu einem leeren Denkmal-Sockel zu Ehren Loriots gelotst. Darauf zu sehen sind nur dessen Schuhabdrücke. Ein konventionelles Denkmal - Loriot auf einem Podest - sei nicht infrage gekommen, schrieb Steinmeier in seiner Würdigung zum runden Geburtstag. Die Abdrücke sollen Größe 41/42 haben, wie etwa eine Stadtführerin einer Touristengruppe vor Wochen erzählte.

Erste Loriot-Ausstellung in der DDR - auch ein Fall für die Stasi

Als er nach Jahrzehnten erstmals seine Geburtsstadt besuchte, interessierte sich auch die Stasi für Loriot. 1985 hatte er im Dommuseum seine erste Ausstellung in der DDR eröffnet, die laut Stadt «unter dem Radar» der Staatsmacht vorbereitet wurde. Die Stasi sei bei der Ausstellungseröffnung «an allen Ecken und Enden» da gewesen, sagte die Vorsitzende des Domstifts in Brandenburg/Havel, Marianne Schröter.

Die Ausstellung ist jetzt mit 80 Originalzeugnissen, die von der Familie von Bülow stammen, rekonstruiert worden und ab 12. November bis Ende Mai 2024 unter dem Titel «Heile Welt» zu sehen. Nach der Wende engagierte sich Loriot, der 2011 am Starnberger See starb, auch mit einer Stiftung für Kulturdenkmale und soziale Zwecke in der Stadt. Im Berliner Stadtteil Charlottenburg hatte er einen Zweitwohnsitz.

«Ich beschreibe nur das, was wir täglich erleben und wie grotesk es ist», hatte Loriot einst gesagt. Noch heute hat sein Werk für viele Menschen Kultcharakter. Seine Komik sei zeitlos - so beschreibt es Otto Waalkes in dem neuen Karikaturen-Buch «Er lebe hoch!» anlässlich des Hundertsten.

© dpa ⁄ Monika Wendel, dpa
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