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Bundespresseball: Keine Einladung für AfD

Traditionell laden die Hauptstadtjournalisten einmal im Jahr führende Politiker zum Bundespresseball ein. Feiern statt Politik, ist dann das Motto. Doch nun soll ein anderes Zeichen gesetzt werden.
Bundespresseball
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender tanzen beim Bundespresseball. © Annette Riedl/dpa/Archivbild

Früher ging es nur ums Feiern, nun wird der Bundespresseball in Berlin zusehends politischer. Vor zwei Jahren war der ukrainische Botschafter Stargast beim großen Fest der Hauptstadtjournalisten und der Politik, voriges Jahr ging es im Hotel Adlon um Iran. Beim 71. Ball an diesem Freitag lautet das Motto: «Für die Pressefreiheit. Demokratie schützen.» Bewusst wolle man damit den Blick in diesem Jahr auch nach Innen, also auf Deutschland richten, sagte der Vorsitzende des Vereins Bundespressekonferenz, Mathis Feldhoff, der Deutschen Presse-Agentur. Als Konsequenz gilt die AfD bei dem traditionellen Ball nicht mehr als erwünscht.

Erstmals seit dem Einzug der Partei in den Bundestag 2017 seien AfD-Politiker und ihre Pressesprecher nicht eingeladen worden, sagte Feldhoff. Er begründete die Entscheidung mit dem Verhalten der AfD gegenüber Journalisten und Medien, die gezielt von Veranstaltungen ausgeschlossen oder dort unter Druck gesetzt würden. Pressefreiheit und Demokratie seien aber untrennbar miteinander verbunden. «Die Partei passt nicht zu uns. Mit denen kann man kaum die Demokratie verteidigen.»

Der Ball und das Motto richteten sich gegen jede Form von Extremismus und Unterdrückung von Pressefreiheit, sagte Feldhoff. «Das ist auch unser großes Thema: Wie schützen wir die Demokratie?» In einigen anderen europäischen Ländern könne man leider das Gegenteil sehen, die Unterdrückung der Medien gehe einher mit einer Abkehr von der Demokratie. Keine Einladungen gab es in diesem Jahr für die Botschafter Russlands und Saudi-Arabiens.

Ein Sprecher der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel teilte mit: «Der Bundespresseball und die AfD haben in der Kürze der gemeinsamen Zeit eine besondere Beziehung zueinander aufgebaut, die nie ganz unkompliziert war.» Die AfD nehme es gelassen zur Kenntnis, «dass die Hauptstadtpresse lieber mit der etablierten Politik ungestört unter sich bleiben möchte». Dennoch wünsche man allen Teilnehmern «von Herzen eine rauschende Ballnacht».

Der Bundespresseball wird traditionell von der Bundespressekonferenz, dem Zusammenschluss der Hauptstadtjournalisten, veranstaltet. Eingeladen werden Journalisten, Verleger und Lobbyisten sowie die Bundesregierung und die großen Parteien mit ihren Abgeordneten. 2014 und 2015 erhielt die AfD-Parteispitze Einladungen, die AfD-Vorsitzende Frauke Petry kam ein Mal und feierte. 2016 wurde die AfD nicht dazu gebeten. Ab Herbst 2017, als sie in den Bundestag gewählt wurde, gab es Einladungen für die Parteispitze und die Fraktion. 2017 nahm kein AfD-Politiker teil, ab 2018 sagten einzelne AfD-Politiker zu.

Prominentester Gast bei dem Ball mit 2300 Gästen ist wie üblich der Bundespräsident. Frank-Walter Steinmeier kommt mit seiner Frau und eröffnet den Abend offiziell mit einem Walzer. Zugesagt haben außerdem bislang mehrere Minister, darunter Gesundheitsminister Karl Lauterbach mit seiner neuen Freundin, Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt (beide SPD), Landwirtschaftsminister Cem Özdemir und Familienministerin Lisa Paus (beide Grüne). Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner will mit seiner erst kürzlich öffentlich vorgestellten Lebensgefährtin, Schulsenatorin Katharina Günther-Wünsch (beide CDU) dabei sein.

Party-Muffel sind wie früher Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), die absagten. Finanzminister Christian Lindner (FDP) ist verhindert, Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) kann ebenfalls nicht, wird aber beim Tanzen von ihrem Mann vertreten, der schon in den vergangenen Jahren ein ausdauernder Feierprofi war.

Wichtige Rollen bei dem Ball übernehmen drei andere Frauen. Die Deutschlandfunk-Journalistin Nadine Lindner wird mit dem Preis der Bundespressekonferenz ausgezeichnet. Sie habe höchst sachlich und analytisch über die Transformationsprozesse in Ostdeutschland und das Erstarken der AfD berichtet, teilten die Veranstalter mit. Die türkischstämmige Fernsehmoderatorin Pinar Atalay führt im Dinnersaal durch den Abend und die Schauspielerin Collien Ulmen-Fernandes moderiert im Ballsaal.

Angekündigt sind außerdem mehrere Auftritte des Zauberweltmeisters Marc Weide. Für die 400 Gäste beim Dinner stehen Jakobsmuscheln und Kalbsbacken mit grünem Spargel an, die Flaniergäste müssen wahlweise mit Lamm oder Fisch, Maultaschen oder Raclette und Currywurst oder Austern leben. Verschiedene Bands sorgen für Musik. Ein DJ trägt einen bekannten Sportler-Nachnamen. Noah Becker, Sohn von Ex-Tennisstar Boris Becker, legt vor und nach Mitternacht zweimal auf.

© dpa ⁄ Andreas Rabenstein, dpa
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