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«Schwere Schuld»: Haft für 26-Jährigen nach tödlichem Unfall

Welche dramatischen Folgen Alkohol am Steuer haben kann, zeigt ein Prozess in Straubing: Bei einem Unfall sterben zwei junge Menschen, zwei werden schwer verletzt. Nun gibt es ein Urteil.
Autofahrer wegen zweifacher fahrlässiger Tötung angeklagt
Der Schriftzug «Amtsgericht» steht an der Fassade des Gerichtsgebäudes. © Armin Weigel/dpa

Knapp ein Jahr nach einem Unfall mit zwei Toten bei Mitterfels in Niederbayern ist der 26 Jahre alte Unfallverursacher vor dem Amtsgericht Straubing zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Der Richter sprach den 26-Jährigen am Mittwoch der zweifachen fahrlässigen Tötung, der zweifachen fahrlässigen Körperverletzung sowie der fahrlässigen Gefährdung des Straßenverkehrs schuldig. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Durch den Unfall seien zwei junge Menschen aus dem Leben gerissen und die Leben dreier Familien auf den Kopf gestellt worden, sagte der Richter. «Für was eigentlich?» Weil jemand meine, sich einen schönen Abend mit ein paar Bier zu machen und dann meine, sich ans Steuer setzen zu müssen. Es gebe Unfälle, die jedem passieren könnten, doch ein solches Augenblicksversagen liege hier nicht vor. «Sie haben bewusst mit dem Feuer gespielt, und in diesem Feuer sind zwei Menschen zu Tode gekommen», wandte sich der Richter an den Angeklagten. Dieser habe «schwere Schuld» auf sich geladen.

Eine Bewährungsstrafe wäre nicht geeignet, ein gerechter Schuldausgleich zu sein. Eine Haftstrafe reiße den Angeklagten aus seinem Leben und sei sicherlich eine Belastung für dessen Lebensgefährtin und Tochter. Aber: «Das haben Sie über ihr Leben gebracht.» Außerdem könnte der Strafvollzug dem Angeklagten helfen, sich die Tat eines Tages vielleicht zu verzeihen. «Wenn Sie sagen können: Ich habe meinen Beitrag geleistet, und ich habe meine Schuld gesühnt.»

Bei dem Unfall in der Nacht zum 3. Juni 2023 im Landkreis Straubing-Bogen war der Angeklagte unter Alkoholeinfluss gegen einen entgegenkommenden Wagen geprallt. Ein 17-Jähriger und eine 16-Jährige kamen ums Leben, der 18-jährige Fahrer und eine weitere 16-Jährige wurden schwer verletzt. Dem 18-Jährigen versicherte der Richter mehrmals, dass er keinerlei Mitschuld an dem Unfall trage.

Die beiden Überlebenden und die Mütter der Getöteten richteten eindringliche Worte an den Angeklagten und kritisierten, dass sich dieser nicht zeitnah nach dem Unfall bei ihnen gemeldet habe. Das habe den Eindruck erweckt, ihr Leid interessiere ihn nicht.

Die heute 17-jährige Überlebende hat bei dem Unfall ihre Zwillingsschwester und ihren Freund verloren. Ihre Schwester wiederum war die Freundin des 18-Jährigen. «Wir waren einfach unzertrennlich», sagte die Jugendliche über ihre Schwester. Ihr fehle ihre zweite Hälfte. Dass sie aufgrund ihrer Verletzungen nicht an der Beerdigung ihres Freundes habe teilnehmen können, breche ihr das Herz. Sie habe Albträume und Angst vor Autofahrten, könne nicht mehr reiten und Ski fahren und habe ihre Ausbildung unterbrochen. «Ich stehe vor einem Scherbenhaufen», sagte sie unter Tränen.

Ihre Mutter erzählte, wie in der Unfallnacht Polizisten und ein Seelsorger klingelten; wie sie und ihr Mann zwischen den zwei Kliniken pendelten, in denen ihre Töchter lagen; wie sie bei einer Tochter die letzte Ölung veranlassten und die lebenserhaltenden Maschinen abstellen ließen; wie die zweite Tochter tagelang schrie vor Schmerzen und aus Verzweiflung.

Die Mutter des toten 17-Jährigen sagte, sie hätte gerne erlebt, wie sich ihr Sohn zu einem jungen Erwachsenen entwickelt und wie sein Leben weitergegangen wäre. Nun könne sie nur noch sein Grab besuchen.

Der Angeklagte folgte den Worten betroffen, wischte sich immer wieder Tränen aus den Augen. Der 26-Jährige ist wegen der Tatfolgen in psychologischer Behandlung. «Nichts, was ich tue, macht das wieder gut», sagte er in seinem Letzten Wort. «Es war ein Riesenfehler.»

© dpa
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