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Grünes Frauen-Duo: Lettenbauer und Sengl Landesvorsitzende

Nach zwei spannenden Kampfabstimmungen haben die bayerischen Grünen ein neues, weibliches Vorsitzenden-Duo. Auch wenn sich viele nun freuen: Für das bisherige Führungsduo ist der Parteitag ein Fiasko.
Grüne Bayern
Fahnen von Bündnis 90/Die Grünen wehen bei einer Landesdelegiertenkonferenz der bayerischen Grünen vor dem Messezentrum. © Stefan Puchner/dpa

Die bayerischen Grünen haben ab sofort eine weibliche Doppelspitze: Die langjährige Landtagsabgeordnete Gisela Sengl (63) wurde auf einem Parteitag am Samstag in Lindau zur neuen Landesvorsitzenden gewählt - neben Eva Lettenbauer (31), die ihr Amt nur mit einem äußerst knappen Ergebnis von 51 Prozent verteidigen konnte. Lettenbauers bisheriger Co-Vorsitzender Thomas von Sarnowski (36) verlor seine Kampfabstimmung gegen Sengl und wurde abgewählt.

Die Grünen hatten bei der Landtagswahl im Oktober deutlich verloren. Das schwache Ergebnis für Lettenbauer und Sarnowskis Abwahl wurde von Delegierten nun als Zeichen einer verbreiteten Unzufriedenheit mit dem bisherigen Führungsduo gewertet. Beiden wurde eine mangelnde Schlagkraft und öffentliche Sichtbarkeit vorgehalten. Dabei hat Lettenbauer, die seit 2018 im Landtag sitzt, ihr Amt schon seit Oktober 2019 inne. Von Sarnowski war im April 2021 gewählt worden. Vor allem hinter den Landtags-Spitzenkandidaten Katharina Schulze und Ludwig Hartmann waren die beiden öffentlich unsichtbar geblieben.

Zudem gab es Rufe, die Grünen müssten sich auch personell wieder breiter aufstellen und einen stärkeren Fokus auf den ländlichen Raum legen - deshalb das Votum für die Chiemgauer Bio-Bäuerin Sengl. Tatsächlich sind die Grünen vor allem in den Städten stark - auf dem Land dagegen gibt es nach wie vor viele Vorbehalte gegen die Partei. Dies zeigt sich ganz aktuell auch in den anhaltenden Bauernprotesten.

«Ich kämpfe für euch, für uns, für unsere Partei», rief Sengl direkt nach ihrer Wahl den Delegierten zu. «Wir werden wieder so stark, wie wir mal waren.» Sengl hatte bei der Landtagswahl vergangenen Oktober nach zehn Jahren den Wiedereinzug ins Parlament knapp verpasst.

Zunächst setzte sich Lettenbauer am Samstag knapp gegen Sengl durch: Bei der ersten Kampfabstimmung erhielt die 31-Jährige 164 von 321 Stimmen - das entspricht 51 Prozent. Auf Sengl entfielen 154 Stimmen oder 48 Prozent. Es gab eine Nein-Stimme und zwei Enthaltungen.

Sengl trat daraufhin bei der Abstimmung über den zweiten Chefposten erneut an - und gewann: Sie erhielt 164 von 322 Stimmen und damit ebenfalls 51 Prozent. Auf von Sarnowski entfielen 152 Stimmen oder 47 Prozent. Ein weiterer Bewerber, Robert Herbst aus dem Ostallgäu, bekam vier Stimmen. Es gab eine Nein-Stimme und eine Enthaltung. Ein Kandidat zog seine Bewerbung vor der Wahl zugunsten Sengls zurück.

«Wir haben die besseren Ideen für die Zukunft», hatte Sengl in ihrer Bewerbungsrede gesagt. Die Grünen müssten aber sichtbarer werden und sich mehr Gehör verschaffen. In den Städten sei die Partei zwar gut verankert, auf dem Land habe man dagegen an Zustimmung verloren - das wolle sie wieder ändern. Sie kündigte deshalb einen engen Kontakt zur Parteibasis und regionale Schwerpunktsetzungen in Wahlkämpfen an - und gab sich gegenüber allen politischen Gegnern kämpferisch: «Wir lassen uns unsere Demokratie und unsere Partei nicht kaputtmachen.»

Mit 14,4 Prozent waren die Grünen bei der Landtagswahl nur noch viertstärkste Kraft hinter CSU und Freien Wählern und ganz knapp hinter der AfD geworden. Andererseits vermeldeten sie kürzlich erstmals in ihrer Geschichte mehr als 20 000 Mitglieder - inzwischen sind es nach Angaben Lettenbauers bereits 20 450 Mitglieder. Die nächsten Herausforderungen sind die Europawahl im Juni, die Bundestagswahl 2025 und die bayerischen Kommunalwahlen 2026.

Lettenbauer hatte in ihrer Rede betont, die Grünen wollten «Brücken bauen, wo zur Zeit Gräben sind», Menschen wieder überzeugen und zusammenführen. Sie wolle alles geben, dass die Zustimmung wieder wachse. «Jetzt kommt die Zeit, in der es ans Gewinnen geht.»

Schulze, die auf dem Parteitag krankheitsbedingt fehlte, beglückwünschte das neue Führungsduo - auch wenn sie sich dem Vernehmen nach vorab für die bisherige Spitze stark gemacht hatte. «Nach einer spannenden Wahl haben wir bayerische Grüne jetzt eine weibliche Doppelspitze», schrieb sie am Sonntag. «Sie tun beide der Partei gut und wir gehen jetzt mit voller Kraft in die Europawahl.» Von Sarnowski danke sie «von Herzen für seine wertvolle Arbeit».

Hartmann, der inzwischen Landtagsvizepräsident ist, sagte: «Gisela Sengl vereint Herz und Verstand, kommt vom Dorf, kennt das Land und liebt die Menschen.» Er freue sich über ihre Wahl zur Vorsitzenden.

© dpa ⁄ Christoph Trost, dpa
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