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Beckenbauer: Verwandlung in «übernatürliche Person»

Mit Franz Beckenbauer hat die Welt eine Fußball-Legende verloren. Zu Lebzeiten wurde er «in einen mythischen Raum katapultiert», wie Sportsoziologie Gunter Gebauer findet.
Trauer um Beckenbauer
Oberbürgermeister Dieter Reiter trägt sich in das Kondolenzbuch für den verstorbenen Franz Beckenbauer ein. © Lennart Preiss/dpa

Franz Beckenbauer hat nach Ansicht des Sportsoziologen Gunter Gebauer Fußball-Fans lange von quasi Unvorstellbarem träumen lassen. «Wir haben bei Franz Beckenbauer die Verwandlung einer normalen Person in eine Art übernatürliche Person erlebt, wie das auch bei Pelé, Diego Maradona oder zuletzt Lionel Messi der Fall war. Es gibt ab und zu Menschen, die scheinbar Übernatürliches vollbringen. Und das Publikum ist gerne bereit, das zu glauben», sagte der emeritierte Professor für Philosophie und Sportsoziologie an der FU Berlin der Deutschen Presse-Agentur. «Der Wunsch nach Figuren, die Übernatürliches zustande bringen, ist gewaltig groß.»

Beckenbauer, der am Sonntag im Alter von 78 Jahren gestorben ist, war als Fußballer eine Ausnahmeerscheinung. Der Libero des FC Bayern München sammelte Titel wie am Fließband und bestach durch seine Leichtigkeit. Beckenbauer wurde sowohl als Spieler als auch als Trainer Weltmeister. Er wurde lange gerne als «Lichtgestalt», die prägendste Persönlichkeit im deutschen Fußball, bezeichnet.

Es gebe «diese Bereitschaft in den Medien in einer profanen Welt, also einer entzauberten Welt, an Zauberei zu glauben», erläuterte Gebauer. «Das hat bei Beckenbauer sehr lange funktioniert, der ganz großartig Fußball spielen konnte und auch großartige Erfolge hinterlassen hat als Spieler und auch als Trainer. Dazu gehört natürlich auch, dass die Zuschauer und Medien daran glauben!»

Nach seiner Spieler- und Trainerkarriere etablierte sich Beckenbauer als Funktionär im Kreis der mächtigen Strippenzieher, er holte die WM 2006 nach Deutschland. In einem Untersuchungsbericht des Weltverbands FIFA wurde der gebürtige Münchner allerdings dahingehend entlarvt, dass er sich an der Aufklärung der Skandal-Vergabe nicht beteiligen wollte.

«Beckenbauer war von seiner Herkunft ein relativ einfacher Mensch, der in einen mythischen Raum katapultiert wurde und da fast lebenslang geblieben ist. Er wurde später zumindest ein Stück weit entzaubert, wenn man an die umstrittene Vergabe der WM 2006 denkt», erinnerte Gebauer.

Nichtsdestotrotz sei Beckenbauer «lange in einer eigenen Liga, in einer eigenen Sphäre» gewesen. «Er ist lange Zeit in einem Raum gewesen, in dem er unantastbar war, weil er nicht als gewöhnlicher Mensch behandelt wurde», erklärte der Sportsoziologe. «Prominente werden ganz gerne mal runtergezogen, aber ihm passierte das aufgrund seiner großen sichtbaren Leistungen lange nicht. Bei Beckenbauer konnte man in jedem Spiel sehen, warum er prominent war, er hat immer wieder von Neuem entzückt und für Staunen gesorgt. Das hat man sonst vielleicht nur noch bei Schauspielern, die auf der Bühne stehen und jeden Abend eine großartige Rolle spielen.»

© dpa
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