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Studie sieht ein Ende des Lehrermangels an Grundschulen

Nach Lehrermangel bald Lehrerüberschuss? Eine neue Studie prognostiziert für die Grundschulen eine Entspannung der Lage. Das Kultusministerium warnt dagegen vor zu viel Euphorie.
Grundschule
Schüler einer Grundschule arbeiten in einem Klassenzimmer in ihren Heften. © Bernd Weißbrod/dpa

Bald Überschuss statt Mangel: An den Grundschulen in Baden-Württemberg könnte der Lehrermangel wegen des Rückgangs der Geburtenzahlen in wenigen Jahren überwunden sein. Das geht aus einer Studie des Bildungsforschers Klaus Klemm hervor, die am Freitag in Stuttgart vorgestellt wurde. Klemm hatte im Auftrag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg den Lehrkräftebedarf bis 2035 berechnet. Bis Mitte der Zwanzigerjahre sei mit einem schwachen Überangebot an Lehrkräften zu rechnen, das dann weiter wachsen werde, heißt es in der Studie. 2035 rechnet der Bildungsforscher sogar mit einem Überangebot von rund 7000 Lehrerinnen und Lehrern im Grundschulbereich.

Das Kultusministerium plädierte für einen vorsichtigen Umgang mit den Prognosen Klemms. Bedingungen könnten sich schlagartig ändern, wie etwa der 24. Februar 2022, also der Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine, gezeigt habe, teilte ein Sprecher mit. «Außerdem ist zu beachten, dass - so wie der Mangel an Lehrkräften aktuell regional unterschiedlich ausgeprägt ist -, auch nicht davon auszugehen ist, mit den zusätzlichen Lehrkräften im Grundschulbereich überall im Land dann auch alle Stellen besetzen zu können», sagte der Sprecher. Es werde weiter schwierig bleiben, Stellen in unbeliebteren Regionen zu besetzen.

GEW: Prognose macht Hoffnung auf Verbesserungen

Auch die GEW betonte, es sei klar, dass die Situation an den Schulen nie zu hundert Prozent planbar sei. So sei die Zahl der geflüchteten Menschen schwer kalkulierbar, sagte die GEW-Landeschefin Monika Stein am Freitag in Stuttgart. Die Bildungsgewerkschaft sieht in den Prognosen aber dennoch eine Chance: «Die neue Prognose macht Hoffnung, dass wir in Verbesserungen für die Grundschulen eintreten können», sagte Stein. Durch die zusätzlichen Lehrerinnen und Lehrer eröffneten sich Spielräume für die Grundschulentwicklung, die eine Chance für die Bildungspolitik in Baden-Württemberg seien.

Darauf sollte Grün-Schwarz aus Sicht der GEW-Chefin auch bei den Haushaltsberatungen achten. «Ich habe natürlich die Sorge, dass sinnvolle Dinge eingespart werden, weil Sparen tatsächlich für die Haushaltsberatung eines der obersten Primate ist», sagte Stein.

Konkret fordert die GEW, die zusätzlichen Lehrkräfte für Verbesserungen wie weniger Schülerinnen und Schüler pro Lehrkraft, Investitionen in die Sprachförderung, den Einstieg in den Ethikunterricht an Grundschulen, mehr Lehrkräfte für Schulen mit einem besonders hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler sowie den Ausbau der Ganztagsbetreuung an Grundschulen einzusetzen. Etwa 400.000 der knapp 1,5 Millionen Schüler und Schülerinnen im Südwesten besuchen die gut 2 400 Grundschulen.

Ministerium: Spielräume werden dringend benötigt

Das sieht das Kultusministerium nicht sehr viel anders. «Die nun entstehenden Spielräume werden dringend für die erforderlichen Mehrbedarfe bei der Sprachförderung und für den anstehenden Rechtsanspruch im Ganztag benötigt», teilte der Sprecher mit. Zudem könnten die Lehrkräfte beim Startchancen-Programm zum Einsatz kommen oder nach einer Weiterqualifizierung an weiterführenden Schulen arbeiten.

Die Opposition im Landtag warnte davor, wegen der Prognosen zu früh Entwarnung zu geben. «Mit der Nachricht eines eventuell drohenden Überangebots an Lehrkräften geht man auch das Risiko ein, Interessentinnen und Interessenten von der Aufnahme eines Grundschullehramtsstudiums abzuschrecken», sagte die FDP-Abgeordnete Alena Fink-Trauschel. Stattdessen müsse der Grundschulbereich so ausgestattet werden, dass gewisse Schwankungen der Schülerzahlen gut bewältigt werden können. Die SPD betonte, die Prognose dürfe nicht dazu führen, dass die Landesregierung die Hände in den Schoß lege. «Wir brauchen im Land endlich eine Lehrkräfteversorgung, die nicht immer nur auf Kante genäht ist», sagte die schulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Katrin Steinhülb-Joos.

Den prognostizierten Überschuss an Lehrkräften führt Bildungsforscher Klemm vor allem auf einen Rückgang der Geburtenzahlen zurück. Das Statistische Landesamt teilte am Freitag mit, die Geburtenzahlen in Baden-Württemberg seien im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit 2014 gesunken. Etwa 97.500 Kinder seien im Land zur Welt gekommen. Das seien rund 7000 weniger Geburten als im Jahr 2022. Die relativ niedrige Geburtenzahl sei vor allem auf eine gesunkene Geburtenrate zurückzuführen. So habe sich die durchschnittliche Kinderzahl je Frau von 1,63 im Jahr 2021 auf 1,4 im Jahr 2023 verringert. Gründe für den Rückgang sieht das Statistische Landesamt unter anderem in der schlechteren Vereinbarkeit von Familie und Beruf aufgrund des Erzieher-Mangels und bei den gestiegenen Wohnungskosten. Auch gesellschaftliche Krisensituationen könnten demnach dazu beigetragen haben.

© dpa
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