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Hermann zu Stuttgart 21: «Infrastruktur, kein Wahrzeichen»

Kann Stuttgart 21 trotz hoher Kosten ein Wahrzeichen werden, ähnlich wie die Elbphilharmonie in Hamburg? Nein, glaubt Verkehrsminister Winfried Hermann - und zwar aus einem bestimmten Grund.
Verkehrsminister Hermann
Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen), Verkehrsminister von Baden-Württemberg. © Bernd Weißbrod/dpa

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann glaubt nicht daran, dass Stuttgart 21 nach der Inbetriebnahme eine ähnliche Entwicklung nimmt wie die Hamburger Elbphilharmonie und als neues Wahrzeichen für die Landeshauptstadt gesehen wird. «Das ist Infrastruktur, kein Wahrzeichen», sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart.

Es stimme, dass die Elbphilharmonie trotz hoher Kostensteigerung inzwischen ein Wahrzeichen Hamburgs sei. «Es gibt aber einen Unterschied zu Stuttgart 21: Man sieht sie und sie hat nur ein Zehntel so viel gekostet wie Stuttgart 21», sagte Hermann. «Von den elf bis zwölf Milliarden, die das Bauprojekt Stuttgart 21 kostet, sieht man aber maximal drei Milliarden. Den Rest sieht man nicht, weil es 60 Kilometer Tunnel sind.»

Zudem werde die Bewertung des Projektes auch von seiner Funktionsfähigkeit abhängen, glaubt der Verkehrsminister, der vor seiner Amtszeit jahrelang gegen das Projekt gekämpft hatte. «Wenn der Bahnhof nett aussieht, aber schlecht funktioniert, werden nicht alle hellauf begeistert sein», sagte Hermann.

Das Projekt Stuttgart 21 steht für die komplette Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart, nicht nur für den Umbau des Hauptbahnhofs der Landeshauptstadt. Gebaut werden neue Bahnhöfe, Dutzende Kilometer Schienenwege und Tunnelröhren, Durchlässe sowie Brücken. Das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm schließt neben Stuttgart 21 auch den Neubau der bereits eröffneten Strecke Wendlingen-Ulm ein. Die Kosten für das Projekt taxiert die Bahn derzeit auf rund elf Milliarden Euro. In den vergangenen Jahren hatte es mehrfach deutliche Kostensteigerungen gegeben. Der neue Tiefbahnhof soll nach der bisherigen Planung im Dezember 2025 in Betrieb gehen.

Ob die Zeit für die restlichen Arbeiten bis dahin aber ausreicht, daran hat Hermann inzwischen Zweifel. «Ich glaube zunehmend, dass der Termin für die Inbetriebnahme wackelt», sagte er. Die Bahn hatte vor einigen Wochen Probleme bei der Digitalisierung des Bahnknotens zugegeben. Hermann hatte bereits damals vor einem «Holperstart» gewarnt. Diese Sorge bekräftigte er erneut: «Wenn wir nicht sicherstellen können, dass der Bahnhof von Beginn an richtig gut funktioniert, dann ist es nicht klug, ihn in Betrieb zu nehmen. Nach so vielen Störungen kann man sich nicht auch noch einen schlechten Start leisten.»

© dpa
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