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Absturz für die Finken: Zahl ist deutlich zurückgegangen

Wie verändert sich die Vogelwelt aufgrund der Klimakrise? Und wie wirkt der Mensch auf die Arten im Garten ein? Eine Antwort versucht seit Jahren die Zählaktion «Stunde der Gartenvögel» zu geben.
Bergfinken suchen Schlafplatz
Tausende Bergfinken fliegen zu ihrem Schlafplatz im Wald auf der Schwäbischen Alb. © Felix Kästle/dpa/Archivbild

Der Einfluss des Menschen auf die Natur und auf die Lebensräume von Vögeln in Baden-Württemberg ist bei der Zählaktion «Stunde der Gartenvögel» wieder deutlich geworden. Während viele Vogelarten wie die Ringeltaube, der Buntspecht und der Kleiber zunehmend vom Wald in die Siedlungen wechseln, gehen die Zahlen der Insektenfresser weiter stark zurück.

Erhebliche Einbrüche haben nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) in Baden-Württemberg fast alle Finkenarten erlitten. Die Rückgänge liegen nach Angaben von Donnerstag im Südwesten bei Buchfinken bei 19 Prozent, bei Grünfinken um 26 Prozent. «Hier gilt es abzuwarten, ob wir es mit einer Momentaufnahme oder einem Trend zu tun haben», sagte Stefan Bosch, der Nabu-Fachbeauftragte für Ornithologie und Vogelschutz. Einen Sprung nach oben machte dagegen die Nachtigall.

Vorne liegen in baden-württembergischen Gärten auch weiterhin Haussperling, Kohlmeise und Amsel. Allerdings geht auch die Zahl der Haussperlinge oder Spatzen zurück. Der Spatz brüte in Nischen und Mauerspalten, die er an glatten Neubaufassaden nicht finde, sagte Bosch. «Die sind hermetisch abgeschirmt, da kommt kein Vogel rein.»

Dank der langen Laufzeit von zwei Jahrzehnten sei der Nabu in der Lage, Langzeittrends aus den Zählungen abzuleiten. So zeige sich, dass viele Waldarten zunehmend im Siedlungsbereich gesichtet würden. Das gelte unter anderem für die Ringeltaube, den Buntspecht und den Kleiber. «Diese Verstädterung ist ein Zeichen dafür, dass die Vögel hier ein besseres Angebot an Brutplätzen und Nahrung finden als in ihrem angestammten Lebensraum», ergänzte der Experte.

Massive Rückgänge haben laut Nabu-Zählung die Insektenfresser und Gebäudebrüter wie Schwalben, Seglern und Hausrotschwanz erlitten. «Da werden die Folgen des Insektensterbens und des Verlusts an Nistplätzen deutlich sichtbar», erklärte Bosch.

Bundesweit haben sich nach Angaben des Nabu und des bayerischen Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV) mehr als 58.000 Menschen am zweiten Mai-Wochenende an der Zählung beteiligt, davon etwa 6000 aus Baden-Württemberg. Dem Nabu wurden mehr als 116.000 Sichtungen in Gärten, Parks und auf den Balkonen im Südwesten genannt, bundesweit waren es über 1,2 Millionen.

© dpa
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