Abgezockte Niederländer bringen Kritiker zum Schweigen

Die Kritik in der Heimat war trotz einer souveränen Gruppenphase groß. Im Achtelfinale gegen die USA zeigt sich die Niederlande nicht nur verbessert, sondern über weite Strecken schon titelreif.

Selbst die prominenten Nörgler waren milde gestimmt. «Wir stehen im Viertelfinale. Wenn du gewinnst, hast du Freunde», sagte die niederländische Stürmer-Legende Marco van Basten im niederländischen TV-Sender NOS.

Und der frühere HSV-Profi Rafael van der Vaart meinte nach dem souveränen 3:1 (2:0) der Elftal gegen die USA im WM-Achtelfinale: «Es ist eine Mannschaft, die da auf dem Platz steht. Lasst uns alle mal reden - wir stehen im Viertelfinale.» Dort könnte es am kommenden Freitag zum Duell mit Argentinien und damit WM-historisch zu einem Fußball-Klassiker kommen.

Die Kritik aus der Heimat hatte im Oranje-Camp in Doha für heiße Tage gesorgt. Obwohl ungeschlagener Gruppensieger nach drei Spielen war man mit dem Spielstil unter Bondscoach Louis van Gaal nicht zufrieden. Im ersten K.o.-Spiel wirkte es zwar nicht spektakulär, dafür über weite Strecken enorm reif. Wie man eben spielt, wenn man Weltmeister werden will. «Für uns ist das schwer zu akzeptieren. Wir waren in der ersten Halbzeit klar besser, aber Holland hatte zwei Momente», klagte US-Coach Gregg Berghalter.

Dumfries: «Man hat den Kern des Systems gesehen»

Am Ende dieser Momente trafen Memphis Depay (10. Minute) und Daley Blind (45.+1). Besonders das erste Tor war Van-Gaal-Fußball in Perfektion. «Man hat alle Facetten unseres Spiels gesehen. Wie wir die Lücken attackieren und die Seiten wechseln. Das machen wir im Training. Man hat den Kern des Systems gesehen», sagte Denzel Dumfries. Der Außenverteidiger bereitete beide Treffer vor, erzielte den Endstand in der 81. Minute selbst und wurde folglich zum Spieler des Spiels ernannt. Vor 44.846 Fans waren die US-Boys im Chalifa International Stadium durch Haji Wright (76.) zwar zum Anschluss gekommen, doch wirklich nervös wurde die Oranje-Defensive dadurch nicht.

«Natürlich sind wir sehr zufrieden, dass wir im Viertelfinale stehen. Aber wir bleiben auch selbstkritisch», sagte Innenverteidiger Virgil van Dijk und ergänzte: «Daheim sind viele kritisch, weil sie wissen, dass wir besser spielen können. Es sind noch viele Dinge, die wir besser machen können. Vor allem, wenn wir in Ballbesitz sind.» Zur Aussicht, dass drei weitere Siege den WM-Titel bedeuten würden, meinte der 31-Jährige: «Das klingt sehr einfach. Wir werden sehen. Wir werden auf jeden Fall alles dafür tun.» Abwehrkollege Dumfries resümierte: «Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Wir glauben an uns, wir haben eine starke Mannschaft, große Spieler, starke Spieler.»

Erstes Turniertor für Depay

Im Gegensatz zu seinem US-Trainerkollegen Berhalter, der lautstark und gestenreich immerzu von der Seitenlinie aus antrieb, hockte Routinier van Gaal fast über die gesamte Spielzeit auf seiner Bank. Der 71-Jährige freute sich als WM-Oldie unter den 32 Trainern, dass Depay nach einer Passfolge über 20 Stationen mit seinem ersten Turniertor das Spiel zwischen zwei in der Gruppenphase ungeschlagenen Teams in die von ihm gewünschte Richtung lenkte.

Ausgerechnet Depay, für den Prinzipien-Trainer van Gaal eine nach eigenen Worten einzigartige Ausnahme machte. Der Stürmer des FC Barcelona, der zwei Monate wegen Oberschenkelproblemen ausgefallen war, durfte trotzdem in den Kader.

Perfekt in die Strategie von van Gaal passte, dass sein erfahrenster Mann auf 2:0 erhöhte und damit das Spiel früh entschied. Blind, der seit Ende 2019 mit einem Herzschrittmacher spielt, feierte sein erst drittes Tor im 98. Länderspiel in den Armem von Wout Weghorst. Nach der anschließenden Jubeltraube gleich vor van Gaal gab es noch eine besonders herzliche Umarmung mit Vater und Trainer Danny. Ein besonderer Dank der Torschützen galt Dumfries, der die beiden Treffer vorbereitet hatte.

US-Team fehlt die Kaltschnäuzigkeit

Pulisic, der beim gefeierten 1:0-Siegtor gegen den Iran eine Beckenprellung erlitten hatte, vergab in der Anfangsphase eine große Chance (3.). Auch seine Kollegen Tim Ream (52.), Weston McKennie (54.) oder Wright (75.) tauchten gefährlich vorne auf - doch am Ende fehlte zu oft die Kaltschnäuzigkeit.

Berhalter, in den 1990er Jahren einst Profi in den Niederlanden, versuchte durch Wechsel - unter anderem kam der Dortmunder Giovanni Reyna - noch einmal die Wende zu schaffen und wie zuletzt 2002 das Viertelfinale zu erreichen. Auf der Gegenseite hielt Matt Turner sein Team noch im Spiel, allerdings spielten die Holländer auch ihre Angriffe schlampig zu Ende.

© dpa
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