«Er ist unsterblich»: Modric als zeitloser Künstler

Auch mit 37 Jahren ist Luka Modric immer noch Weltklasse. Bei Vize-Weltmeister Kroatien ist er wie bei Real Madrid unverzichtbar.
Kroatischer Starspieler: Luka Modric. © Petr David Josek/AP/dpa

Eigentlich misst Luka Modric nur eine Größe von gerade einmal 172 Zentimetern. Aber in West Bay, dem Geschäftsviertel von Doha, prangt das Konterfei des genialen Fußballers in überdimensionaler Größe von einem Wolkenkratzer.

Fußballerisch gehört der kroatische Kapitän ohnehin zu den Allergrößten seines Metiers - auch mit 37 Jahren. Der beste Spieler der WM 2018 ist immer noch Weltklasse und präsentiert sich als zeitloser Künstler. So ruhen die Hoffnungen von Vize-Weltmeister Kroatien vor dem Auftakt am Mittwoch gegen Marokko (13.00 Uhr/ARD und MagentaTV) auf den schmächtigen Schultern des Mannes aus Zadar.

«Unbeschreibliche Art von Liebe»

Ein letztes Finale furioso also? Im Falle eines WM-Titels wäre das denkbar. «Wenn das passieren würde, wäre das großartig. Wenn wir gewinnen, könnte ich aufhören, ja», sagte Modric auf einer Pressekonferenz am Dienstag in Doha. Generell habe er noch keine Entscheidung getroffen. «Ich möchte ein gutes Turnier spielen und an nichts anderes denken.»

Ohnehin ist Modric im Kreise der Nationalelf glücklich. Für Kroatien zu spielen, sei «heilig», eine «unbeschreibliche Art von Liebe». Er wolle so lange weiterspielen, wie er gebraucht werde, hat er mal gesagt. Gebraucht wird er immer noch. 155 Länderspiele hat Modric bereits bestritten und ist damit längst Rekordspieler seines Landes.

Ein Spiel ist ihm dabei in Erinnerung geblieben und es tut immer noch weh: Das verlorene WM-Finale gegen Frankreich 2018. «Die Traurigkeit bleibt bis zum heutigen Tag. Ich denke immer noch an das Finale zurück, es lässt mich nicht los», sagte der Kapitän. Nach dem 2:4 im Luschniki-Stadion von Moskau erhielt er den Goldenen Ball für den besten Spieler des Turniers, später wurde er auch zum Weltfußballer gekürt - ein schwacher Trost.

Nun also ein neuer Anlauf in Doha. Nach dem bitteren Achtelfinal-Aus bei der EM 2021 gegen Spanien (3:5 nach Verlängerung) schien sich das Ende einer Ära bereits anzukündigen. Doch Modric machte weiter und leitete mit Nationaltrainer Zlatko Dalic den Umbruch ein. Ein Jahr später gehört Kroatien wieder zu den Top-Nationen. In der Nations League setzte sich das kleine Land mit nur vier Millionen Einwohnern in der Gruppenphase vor Dänemark und Weltmeister Frankreich durch.

Modric reißt mit

«Luka reißt das ganze Team mit. Was immer ich über ihn sage, es wäre nicht ausreichend. Ich bin sehr stolz auf ihn», schwärmt Dalic über seinen Genius. Ähnliche Worte werden aus Madrid vernommen, wo Modric seit 2012 eine der erfolgreichsten Epochen der Clubgeschichte entscheidend mitgeprägt hat. Fünfmal gewann er mit den Königlichen die Champions League, zuletzt im Sommer beim 1:0 gegen den FC Liverpool. «Er ist unsterblich. Er ist sehr intelligent, immer bereit und spielt immer sehr gut», sagt Maestro Carlo Ancelotti über seinen Taktgeber.

Die 35 Millionen Euro, die Real damals für Modric an Tottenham Hotspur überwiesen hatte, waren gut angelegtes Geld. Zuvor hatte der feine Techniker vier Jahre lang bewiesen, dass er sich auch in der robusten Premier League behaupten kann. Dabei hatten Scouts ihn ursprünglich als zu schmächtig für den Profifußball beurteilt. Ein Fehlurteil.

Doch Modric wusste schon immer, gegen Widerstände anzukämpfen. Das hatte ihn seine Kindheit gelehrt. Während der Kroatien-Kriege musste er mit seiner Familie flüchten. Sein Großvater wurde damals ermordet. Eine Zeit, die ihn geprägt hat.

Im Sommer läuft sein Vertrag bei den Königlichen aus, Real will mit dem Spielmacher verlängern. Das Ende ist noch lange nicht in Sicht. Und vielleicht gelingt auch noch ein Happy End mit Kroatien.

Die möglichen Aufstellungen:

Marokko: 1 Bono - 2 Hakimi, 6 Saiss, 5 Aguerd, 3 Mazraoui - 4 Amrabat - 8 Ounahi, 15 Amallah - 7 Ziyech, 17 Boufal - 19 En-Nesyri

Kroatien: 1 Livakovic - 22 Juranovic, 24 Sutalo, 6 Lovren, 19 Sosa - 10 Modric, 11 Brozovic, 8 Kovacic - 15 Pasalic, 9 Kramaric, 4 Perisic

Schiedsrichter: Fernando Andrés Rapallini (Argentinien)

© dpa
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