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Tuchels neue Freiheit durch Klarheit

Thomas Tuchel sieht im Trennungsbeschluss beim FC Bayern auch eine Chance. Vor Leipzig macht er klar: Alleine schuld ist er nicht - und die Langzeitwirkung seiner Entscheidungen kann ihm egal sein.
Tuchel und Rose
Bayern-Trainer Thomas Tuchel (l) und RB-Coach Marco Rose treffen am Samstag mit ihren Mannschaften aufeinander. © Hendrik Schmidt/dpa

Als Thomas Tuchel den rappelvollen Medienraum betritt, lächelt er.

Und als er 25 Minuten später das Kreuzverhör der Reporter vor acht TV-Kameras vor dem Bundesliga-Topspiel FC Bayern am Samstag (18.30 Uhr/Sky) gegen Angstgegner RB Leipzig bewältigt hat, ist eines klar: Die Münchner Fußball-Profis, die Bayern-Bosse sowie Fans und Öffentlichkeit werden in den kommenden Monaten einen anderen Thomas Tuchel als Trainer beim mächtig wankenden Serienmeister erleben. Sofern der von Club und Coach vereinbarte Zeitpunkt zur Trennung am Saisonende erreicht wird.

Tuchels Schlüssel-Botschaft in der Pressekonferenz kam früh. «Es herrscht Klarheit. Und Klarheit bringt Freiheit», sagte der 50-Jährige. Und zwar auch eine neue Freiheit für ihn. «Die Entscheidungen - auch für den Trainer - sind natürlich jetzt von einer größeren Freiheit geprägt. Du brauchst bei einer Entscheidung nicht mehr abzuwägen, was das für eine Langzeitwirkung hat.»

Mehr Entscheidungsspielraum

Jetzt könne er jede Partie wie ein Pokalspiel coachen. Er brauche bei der Startelf, bei einer Auswechslung nicht mehr zu bedenken, «wie wirkt sich das auf die Chemie, auf den Spieler, auf den Sommer aus. Das fällt alles weg!» Tuchel kann sich frei fühlen und frei handeln.

«Jetzt gibt dir das als Trainer auf jeden Fall ein paar Prozente an Entscheidungsspielraum, wo du ein bisschen rücksichtsloser sein kannst», sagte er deutlich. Vielleicht ist das schon im «superschweren Spiel» (Tuchel) gegen die zuletzt in Liga (3:1) und Supercup (3:0) zweimal nacheinander in der Allianz Arena erfolgreichen Leipziger zu sehen.

Bosse hoffen auf Befreiungseffekt

Auf einen Befreiungseffekt hoffen ja auch die Münchner Bosse um Vorstandschef Jan-Christian Dreesen und den stets involvierten Ehrenpräsidenten Uli Hoeneß. Vom «maximal Mögliche» sprach Dreesen in der Trennungs-Mitteilung zu Tuchel. Der Trainer formulierte das am Freitag exakt aus: «Wir spielen noch um zwei Titel.» Es gehe trotz des davongezogenen Liga-Spitzenreiters Bayer Leverkusen weiter um die Meisterschaft und um die Champions League. «Und der maximale Erfolg gegen Leipzig sind drei Punkte», sagte Tuchel.

Maximal 18 Spiele als Bayern-Trainer liegen noch vor ihm. Das letzte wäre dann am 1. Juni das Königsklassen-Finale in Wembley. Aber Langzeit-Denken ist gerade nicht angesagt am Krisenherd Säbener Straße. Tuchel mochte darum auch nicht groß darüber reden, zu welchem Topclub und in welches Land es ihn als Nächstes ziehen könnte. Bis Sommer werde nichts passieren, sagte er: «Ich habe eine Idee, aber die muss in der Schublade bleiben.»

Über das «kurze Gespräch» mit Bayern-Chef Dreesen, in dem die laut Verein einvernehmliche vorzeitige Trennung vor Vertragsende 2025 vereinbart wurde, verriet Tuchel auch keine Details. Er ließ aber durchblicken, dass ihm wohl «keine andere Option» blieb. Tuchel betonte, dass es aus seiner Sicht kein Zerwürfnis zwischen ihm und dem Team gab und er sich auch nicht als allein Schuldigen am nicht standesgemäßen Ist-Zustand der Bayern sieht.

Mehr als ein Trainerproblem

«Ich denke nicht, dass ich das einzige Problem bin, aber ich bin natürlich in der Verantwortung», sagte Tuchel: «Es ist kein eindeutiges Bild. Wenn es einen eindeutig Schuldigen gäbe - den Trainer -, dann säße heute jemand anderes hier.» Fakt sei aber auch: Die Entwicklungsschritte in seiner Amtszeit seien nicht konstant gewesen.

«Ich liebe den Fußball, ich liebe den Job», betonte Tuchel. Darum will er das Bayern-Ding durchziehen bis Saisonende. «Ich werde den Job selbstverständlich wie zuvor mit der gleichen Energie machen», versicherte der 50-Jährige.

Und die Mannschaft? Die nahm Dreesen «auch explizit in die Pflicht», wieder wie ein Spitzenteam aufzutreten und abzuliefern. «Eine sportliche Neuausrichtung mit einem neuen Trainer», kündigte der Bayern-Chef zudem an.

Eberl als Kader-Renovierer

Nach dem Leipzig-Spiel soll umgehend Max Eberl die Schlüsselrolle im nötigen Veränderungsprozess einnehmen. Der 50-Jährige mit Bayern-Gen, der im September 2023 in Leipzig als Sport-Geschäftsführer gehen musste, soll am Montag vom Aufsichtsrat des FC Bayern zum Sportvorstand bestellt werden. Wichtigste Aufgaben: Ein neuer Trainer muss her (Xabi Alonso?) und der Kader renoviert werden. Eberls Ex-Club wird die Stimmungslage beim Eberl-Start mitbestimmen.

© dpa ⁄ Klaus Bergmann und Christian Kunz, dpa
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