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Suchttherapie und Telemedizin: Vollzug beschreitet neue Wege

Mehr als 200 Frauen aus Sachsen und Thüringen verbüßen aktuell eine Strafe hinter Chemnitzer Gefängnismauern. Seit einem Jahr wird dort auch Suchttherapie angeboten. Das soll ihnen helfen, in der Zeit nach der Haft ein Leben ohne Drogen wie Crystal Meth zu führen.
Videosprechstunde
Eine Webcam und ein Stethoskop sind in einer Arztpraxis neben einem Computer bei der Videosprechstunde zu sehen. © Monika Skolimowska/dpa

Für viele Kriminelle, die im Gefängnis eine Strafe verbüßen, ist Drogensucht ein Problem. Doch längst nicht in jeder Haftanstalt gibt es Therapieangebote. «Die Suchtproblematik ist immens hoch», erläuterte Eike König-Bender, Leiterin der Chemnitzer Justizvollzugsanstalt (JVA), am Donnerstag. Dort sitzen aktuell mehr als 200 Frauen aus Sachsen und Thüringen ein. Seit einem Jahr gibt es nun auch hier hinter Gefängnismauern eine Suchttherapiestation - als erstes Frauengefängnis bundesweit, wie König-Bender sagte. Bis zu 10 Plätze stehen zur Verfügung, vier sind aktuell belegt.

Vor allem Crystal sei ein weit verbreitetes Problem, aber auch Alkoholsucht, sagte der Leiter der Station, Jakob Brinkmann. Häufig führe das zu Beschaffungskriminalität. Auch mit Blick auf ein straffreies Leben nach der Haftzeit seien Therapieangebote wichtig. Die Therapie dauere in der Regel 12 bis 18 Monate. Daher kommt sie nur für Frauen infrage, die längere Haftstrafen verbüßen.

Für sie wurde dazu eine eigene Wohngruppe mit Küche, Fernseh- und Entspannungsraum eingerichtet. Sie machen früher Feierabend von ihrer Arbeit, um nachmittags die Therapie zu absolvieren. Dazu gehören psychotherapeutische Einzelgespräche, Entspannungstraining und Ergotherapie ebenso wie Sport, begleitete Ausgänge und Achtsamkeitstherapie. Regelmäßig gibt es Urin- und Atemalkoholkontrollen, auch der Umgang mit Rückfällen ist Thema.

Laut Brinkmann ist die Resonanz der Teilnehmerinnen weitgehend positiv. In der Haft gebe es weniger Ablenkungen als in Freiheit und sie könnten so die Zeit hinter Gittern sinnvoll nutzen, hätten sie berichtet. «Draußen würde ich keine Therapie machen», habe eine Teilnehmerin eingeräumt.

Es sei ihr ein Herzensanliegen gewesen, dass im Strafvollzug solche Therapieangebote auch für Frauen geschaffen werden, erklärte Sachsens Justizministerin Katja Meier (Bündnis 90/Grüne). Im Freistaat gibt es für Männer eine solche Station seit 2014 in Zeithain, für die sich auch Häftlinge anderer Anstalten bewerben können, sowie im Jugendgefängnis Regis-Breitingen. Für die JVA Bautzen und die neue JVA Zwickau werde die Einrichtung von Suchttherapie geprüft, hieß es. Insgesamt gibt es derzeit in Sachsen mehr als 2100 Strafgefangene.

Wenn der Arzt per Video kommt

Neue Wege geht das Chemnitzer Frauengefängnis auch in einem weiteren Bereich: Seit Frühjahr setzt es bei der medizinischen Versorgung auf Telemedizin. Laut Justizministerium hat es in dem Pilotprojekt seither rund 300 Behandlungen per Videosprechstunde gegeben. Angeboten werden sie in Allgemeinmedizin, Dermatologie und Psychiatrie - rund um die Uhr und bei Bedarf auch am Wochenende.

Das bringt nach Darstellung des medizinischen Dienstes eine große Erleichterung. Denn dadurch entfielen aufwendige Fahrten in externe Praxen und Krankenhäuser. Auch könnten Dolmetscher zugeschaltet werden. Den eigenen Anstaltsarzt soll das Angebot nicht ersetzen, wohl aber ergänzen. Bei Untersuchungen steht den Häftlingen das Team des medizinischen Dienstes zur Seite und bedient spezielle Geräte wie ein digitales Stethoskop.

Grundsätzlich stehen Gefangenen laut Justizministerium dieselben medizinischen Leistungen zu wie Menschen draußen. Allerdings spüren den Angaben zufolge auch die Haftanstalten den Fachkräftemangel. Neben dem Frauengefängnis in Chemnitz wird die Telemedizin derzeit in der JVA Torgau erprobt. Die Kosten wurden für zwei Jahre auf rund 654 000 Euro beziffert. Am Ende ist eine Evaluation geplant. Falle die positiv aus, sehe sie gute Chancen, Telemedizin auch auf andere Vollzugsanstalten auszuweiten, sagte Meier.

© dpa
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