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Jüdische Verbände: Lehrer-Training gegen Antisemitismus

Was bedeutet das jährliche Gedenken der Holocaust-Opfer für die Zukunft? Die jüdischen Verbände sehen konkreten Handlungsbedarf bei Lehrerinnen und Lehrern.
Landtag NRW
Der nordrhein-westfälische Landtag in Düsseldorf. © Oliver Berg/dpa/Archivbild

Die jüdischen Verbände fordern, Lehrer besser darauf vorzubereiten, wie mit Antisemitismus an Schulen umzugehen ist. «Darin müssen die Lehrer trainiert werden», sagte der Vorstand der Synagogengemeinde Köln, Michael Rado, bei einer Gedenkstunde des Düsseldorfer Landtags für die Opfer des Nationalsozialismus. Dort sprach er am Freitag für die jüdischen Landesverbände.

Er stelle immer wieder fest, dass Lehrer nicht gut auf antisemitische Bemerkungen in den Klassen und auf Schulhöfen vorbereitet seien. «Wer als Lehrer da nicht unmittelbar eingreift, hat seine Chance vertan», mahnte er. Lehrer müssten in Seminaren darauf vorbereitet werden, dass es Antisemitismus, Respektlosigkeit und Rassismus in ihren Klassen geben werde. «Die unmittelbare, richtige Stellungnahme des Lehrers ist ein Teil des Schutzes der Demokratie.» Der Gesetzgeber könne damit auf Antisemitismus und andere Diskriminierungen reagieren. «Ich verlasse mich auf Sie», sagte Rado den Abgeordneten.

Der 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 ein Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Er ist der Jahrestag der Befreiung der Überlebenden des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau 1945 durch Soldaten der Roten Armee. Erstmals standen in diesem Jahr die Verbrechen an Sinti und Roma im Mittelpunkt der Gedenkstunde im nordrhein-westfälischen Landtag.

Der Vorsitzende des Landesverbands deutscher Sinti und Roma, Roman Franz, bezeichnete das als «historischen Punkt». Er hoffe, dass die über Jahrzehnte verschleppte Aufbereitung der Leidensgeschichte der Sinti und Roma damit ein Stück weiterkomme.

Franz schilderte dem Landtag exemplarisch das Schicksal seines Vaters, der die Vernichtungslager der Nazis überlebt hatte - im Gegensatz zu 36 Familienmitgliedern, die in Konzentrationslagern starben. Außerdem wurde im Plenarsaal ein Video-Interview der Sinta und Holocaust-Überlebenden Theresia Neger gezeigt, die erschütternde Einblicke in ihre Verfolgungsbiografie gab.

«Ich habe nur Frieden, wenn ich tot bin»

Die 91-Jährige schilderte Ermordungen, die sie als Kind im Ghetto habe mitansehen müssen. «Richtig Frieden findet man nicht. Da muss ich mit leben. Ich habe nur Frieden, wenn ich tot bin.» Im Ghetto Siedlce, wohin Negers Familie 1940 deportiert worden war, waren bis zu 17 000 Juden sowie Sinti und Roma unter grausamen Bedingungen eingesperrt.

Ebenso wie die Verbrechen der Nationalsozialisten an den Juden seien auch die an Sinti und Roma ein Völkermord und schrecklicher Höhepunkt einer langen Verfolgungsgeschichte gewesen, sagte Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). «Auch heute sind Sinti und Roma in vielen Fällen von teils offener, teils subtiler Diskriminierung betroffen», stellte er fest. Deshalb baue die Landesregierung eine «Meldestelle Antiziganismus» als Anlaufstelle für Betroffene auf, um ihren Schutz und das gleichberechtigte Zusammenleben zu verbessern.

Die Landesregierung arbeite darüber hinaus mit vielen Tausend Lehrern und Initiativen daran, dass jeder Schüler in NRW mindestens einmal während der Schulzeit ein ehemaliges Konzentrationslager oder eine NS-Gedenkstätte besuchen könne. Er sei überzeugt: «Wer als Jugendlicher einmal ein Konzentrationslager besucht hat, wer die Baracken und Krematorien, die Zehntausende Schuhe, die vielen Koffer, Brillen und Haare der Ermordeten gesehen hat, der sieht die Welt danach mit anderen Augen.»

«Allein das Nachdenken über Deportationen ist eine Schande!»

Ebenso wie Landtagspräsident André Kuper appellierte Wüst an die Bürger, weiterhin Tag für Tag mit Zivilcourage für Demokratie und Menschenwürde einzustehen. Allein das Nachdenken über Deportationen sei «eine Schande, eine Ungeheuerlichkeit», sagte Kuper. Er bezog sich damit auf ein Treffen radikaler Rechter im vergangenen November in Potsdam, das das Medienhaus Correctiv öffentlich gemacht hatte. Dabei sollen im Beisein von AfD-Politikern sowie einzelner Mitglieder der CDU und der sehr konservativen Werteunion entsprechende Pläne geschmiedet worden sein.

Kuper erinnerte an die «staatlich organisierte Tötungsmaschinerie» der Nationalsozialisten, der sechs Millionen europäische Juden zum Opfer fielen. Auch Sinti und Roma seien im NS-Staat «systematisch diskriminiert und entrechtet, drangsaliert, in Lager deportiert, ausgebeutet und ermordet» worden. Rund eine halbe Million Menschen dieser Gruppe seien getötet worden und damit mehr als zwei Drittel aller deutschen Sinti und Roma.

© dpa
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