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Gewerkschaft besorgt wegen Fall junger Terrorverdächtiger

Vier Jugendliche aus NRW und Baden-Württemberg sollen einen islamistischen Terroranschlag geplant haben. Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft ist sehr besorgt.
Blaulicht Polizei
Ein Blaulicht leuchtet auf einem Polizeifahrzeug. © Robert Michael/dpa

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hat den Fall der vier jugendlichen Terrorverdächtigen aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg als besonders besorgniserregend bezeichnet. Vier Minderjährige sollen einen islamistischen Terroranschlag «gemäß den Zielen und der Ideologie des Islamischen Staats (IS)» vorbereitet zu haben, sie sitzen seit Ostern in Untersuchungshaft, wie die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf am Freitag mitgeteilt hatte.

Die Tatverdächtigen entsprechen nicht dem vorherrschenden Bild von mutmaßlichen Extremisten mit islamistischem Hintergrund, also um die 30 Jahre alt, männlich und möglicherweise kampferprobt, sagte der DPolG-Bundesvorsitzende Rainer Wendt am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Sondern es handele sich um «Jugendliche, die normal unter uns leben und zu uns gehören».

Bei den Festgenommenen handelt es sich laut NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) um eine 15-Jährige aus Düsseldorf, einen 15-Jährigen aus Lippstadt, eine 16-Jährige aus Iserlohn und einen 16-Jährigen aus Ostfildern (Baden-Württemberg). Sie sollen sich den Ermittlern zufolge zu einem Verbrechen - Mord und Totschlag - «in Tateinheit mit der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat» bereit erklärt haben. Es ist dem Minister zufolge davon auszugehen, dass das Internet bei ihrer Radikalisierung eine Rolle gespielt habe. Islamistische Influencer richteten sich inzwischen besonders an Jugendliche, hieß es am Freitag seitens der Ermittler. Ihnen sei das grausame Treiben des IS in Syrien und dem Irak bis 2015 wegen ihres Alters vermutlich überhaupt nicht präsent.

Wendt betonte, alle in der Gesellschaft sollten sich der Bedrohung bewusst sein, dass Islamisten gezielt im Netz versuchten, junge Leute für ihre Terrorziele zu gewinnen. Und alle sollten entsprechende aufmerksam sein - Eltern, Lehrkräfte, Freunde, Bekannte. «Alles deutet sich irgendwie an.» So könnten neue merkwürdige Freunde, ein ungewohntes, übertriebenes Vokabular, Verschlossenheit und Rückzug Hinweise sein oder auch Schule-Schwänzen womöglich ein Indiz für eine Wesensveränderung bedeuten. Der DPolG-Vorsitzende sagte, grundsätzlich sei die Polizei in puncto Kompetenz auch in solchen Fällen gut gerüstet. «Aber Polizei und Justiz können es nicht alleine schaffen.»

Die in jungen Verdächtigen hatten den Sicherheitskreisen zufolge keinen konkreten Anschlagsplan mit Zeit und Ort, als Anschlagsstädte seien aber Dortmund, Düsseldorf und Köln diskutiert worden und man habe über Angriffe mit Messern und Molotow-Cocktails auf Menschen in Kirchen oder auf Polizisten in Polizeiwachen nachgedacht. Der Hinweis auf Angriffe auf Polizeiwachen «schockt uns nicht», stellte Wendt klar.

«Mit dieser Gefahr leben Kollegen und Kolleginnen seit Jahren.» Es habe auch bauliche Veränderungen wie Schleusen in Eingangsbereichen gegeben, Polizeibeamte seien gut geschützt und schützen sich auch selbst gut. Allerdings könne man niemals vollständig gegen Überraschungsangriffe draußen im täglichen Dienst geschützt sein. Die Polizei werde auch das «erforderliche Maß an Bürgernähe» nicht aufgeben.

Erst im November waren zwei 15 und 16 Jahre alte Jugendliche unter Terrorverdacht festgenommen worden, die mit dem sogenannten Islamischen Staat sympathisiert und einen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt geplant haben sollen. Sie wurden in NRW und Brandenburg in Untersuchungshaft genommen.

© dpa
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