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Der Tabubruch: Craggs Kunst zum Anfassen

Tony Cragg schafft seit 50 Jahren Skulpturen, die zu den sehr wertvollen in der Kunstwelt zählen. Nun gibt er 30 von ihnen zum Anfassen frei.
Tony Cragg
Der Künstler Tony Cragg zeigt eine Gesichtsmaske aus Hanfmaterialien. © Oliver Berg/dpa

Aus «Anfassen streng verboten!» wird «Bitte berühren!» (Please touch!). Bildhauer Tony Cragg (74) und der Düsseldorfer Kunstpalast brechen mit einem ehernen Museumsgesetz. Bei der an diesem Donnerstag öffnenden neue Ausstellung «Please touch!» ist der Name Programm und Anfassen erlaubt.

30 Skulpturen aus dem Privatbesitz des international erfolgreichen Künstlers dürfen tatsächlich gestreichelt, berührt, angefasst werden, ohne dass ein Alarmsignal ertönt und Sicherheitspersonal gerannt kommt. Museen und Sammler habe man erst gar nicht gefragt, ob sie ihre wertvollen Exponate dafür zur Verfügung stellen.

Das kostet die Besucher der Vorab-Präsentation Überwindung. Immer wieder wird das Museumspersonal gefragt: «Darf ich die jetzt wirklich anfassen?» Sie dürfen. Der Museumsbesuch wird zur sinnlichen Erfahrung: Gusseisen, Fiberglas, Stein, Bronze, Glas haben ihre eigene Temperatur und Haptik.

«Ich will kein Ergebnis im Sinne von Veränderungen an den Arbeiten», sagt Cragg am Mittwoch in Düsseldorf. «Andererseits sagen die Menschen so häufig: «Ach, es wäre so schön, wenn man das anfassen könnte.» Bitte schön, diese Gelegenheit ist jetzt da. Wir hoffen auf eine sanfte Berührung.»

Dennoch: «Ich gehe davon aus, dass nachher einiges zu tun sein wird. Im Skulpturenpark in Wuppertal erleben wir, dass sie manchmal sogar darauf klettern. Das ist natürlich destruktiv.»

Er selbst fasse seine Werke nicht mehr an, sobald diese einen bestimmten Punkt erreicht haben, nämlich aus seiner Sicht perfekt und fertig sind. Dennoch habe es ihn keine Überwindung gekostet, die 30 Arbeiten zum Anfassen frei zu geben: «Es gibt nichts, was ich nicht in Ordnung bringen kann.»

«Ich mache den Job seit 25 Jahren und war selten so gespannt auf die Reaktionen des Publikums», sagt Felix Krämer, Generaldirektor des Kunstpalasts. «Uns ist klar, dass das Ganze ein Experiment ist. Es gibt gute Gründe dafür, dass man die Skulpturen normalerweise nicht berühren darf. Ohne Tony Cragg wäre das nicht vorstellbar gewesen.»

Im Begriff des Begreifens stecke aber auch das Verstehen drin, sagt Krämer. Das Gleiche gelte für den Begriff des Erfassens. Die Ausstellung sei natürlich auch ein seltenes Angebot für Blinde.

Auf Materialien wie Schokolade und Wasser habe er diesmal verzichtet, sagt Cragg. «In dieser Ausstellung ist eine gewisse Festigkeit gefragt.» Am Ende der Schau gilt dann aber wieder: Anfassen verboten. Nämlich dort, wo empfindliche Utensilien aus dem Atelier Craggs mit 30 weiteren Werken ausgestellt werden. Das Sammelsurium gewährt einen Blick hinter die Kulissen, über die Schulter des Künstlers, wie Krämer sagt.

Der in Liverpool geborene Tony Cragg (74) lebt seit 1977 in Wuppertal. Er war einige Jahre Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie. Seinen britischen Akzent und Humor hat er sich dabei bewahrt. Ob seine sanft fließenden Formen auf eine Kindheitserfahrung zurückzuführen seien, wie bei Henry Moore, der seiner Mutter immer den Rücken einmassieren musste, will ein Journalist am Mittwoch wissen. «Meine Mutter hätte mir eine gedonnert», sagt Cragg.

Seine Werke seien eine Verlängerung des eigenen Körpers. «Ich verstehe alles als eine Verlängerung von mir selbst. Ich mache seit 50 Jahren Skulpturen. Das ist kein Konzept, das ist ein Leben.» Die Ausstellung ist bis 26. Mai zu sehen.

© dpa ⁄ Frank Christiansen, dpa
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