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Hohe Kosten machen Schweinehaltern Sorgen

Immer mehr Schweinehalter geben auf - und das, obwohl inzwischen wieder bessere Marktbedingungen herrschen. Zu den Ursachen gehören aus Bauernsicht auch unausgegorene Vorhaben der Politik.
Schweinemastbetrieb
Eine Gruppe von Schweinen im Mastbetrieb in einem Stall mit Vollspaltenböden. © Lars Penning/dpa

Trotz einer guten wirtschaftlichen Ausgangslage blicken die Schweinehalter in Deutschland mehrheitlich nicht positiv in die Zukunft. Steigende bürokratische Auflagen, fehlende Planungssicherheit, stetig wechselnde und neue Anforderungen würden die Investitionsbereitschaft in der Schweinehaltung drücken, hieß es am Dienstag bei der Mitgliederversammlung der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) in Osnabrück. 

Hintergrund der schlechten Stimmung sei die Kostenschraube, die durch politische Vorgaben immer weiter angezogen werde, sagte ISN-Geschäftsführer Torsten Staack. Er verwies auf steigende Kosten durch Tierhaltungs- und Emissionsauflagen und durch den Umbau auf höhere Haltungsstufen: «Die Kosten fressen die Gewinne auf.»

Auf jeden Schweinehalter kämen in Deutschland durch neue Auflagen zusätzliche Kosten von mindestens einer Million Euro zu, hieß es. Um diese Kosten abzudecken, müssten die Erzeugerpreise um mindestens ein Viertel ansteigen: «Dass eine derartige Preissteigerung dauerhaft kommen wird, daran zweifeln die meisten von uns», erklärte ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes in einer Pressemitteilung.

Laut ISN haben in den vergangenen zehn Jahren 42 Prozent der Schweinehalter in Deutschland aufgegeben: Die Zahl der Betriebe sei in dem Zeitraum auf rund 16 000 im November 2023 zurückgegangen. Die Zahl der Tiere sank in dem Zeitraum um etwa 25 Prozent auf etwas mehr als 21 Millionen Schweine. Vor allem Sauenhalter gaben auf: Ihre Zahl sank von 10 900 Betrieben im November 2013 auf 5210 Betriebe im November 2023, teilte die ISN unter Bezug auf Daten des Statistischen Bundesamtes mit. 

Verschiedene parallel erstellte Rechtsvorgaben widersprächen sich bei überschneidenden Zuständigkeiten, wenn etwa aus Tierwohlsicht Ställe geöffnet werden sollten, aber Umweltauflagen eine Filterung der Abluft vorsähen, kritisierte Dierkes. «Immer wieder sehen wir politisches Stückwerk statt einem Gesamtkonzept.»

Auf Kritik stieß der von Özdemir geforderten Tierwohlcent. Damit sollen Fleisch- und Fleischprodukte teurer werden, um Geld für Stallumbauten zugunsten mehr Tierwohls zu bekommen. Die Mittel würden nicht reichen, sagte Staack. Statt des vom Minister vorgeschlagenen Aufschlags von 10 Cent sei angesichts der hohen Kosten vielmehr ein Aufschlag von 35 Cent notwendig. «Wir müssen darüber streiten zusammen mit der Politik, wie man das Ganze eigentlich umbauen will.»

Die Haltungskennzeichnung für Fleisch stelle die gesamte Lieferkette vor große Herausforderungen, sagte Staack. Bislang wüssten weder die Bundesländer noch die Wirtschaft, wohin die Tierhalter ihre Haltungsstufen melden müssen und wie die Kontrollen erfolgen werden. Die Meldung der Schweinemäster müsse aber schon spätestens zum 1. August 2024 erfolgen. 

Bundesagrarminister Özdemir hatte zwei neue Kennzeichnungen auf den Weg gebracht: Seit dem 1. Februar gelten in den Kühltheken erweiterte Pflichtangaben zum Herkunftsland. Zur Tierhaltung soll ein staatliches Logo eingeführt werden und zunächst mit Schweinefleisch starten. Verpflichtend werden soll die Kennzeichnung von Produkten ab September 2025.    

Er glaube nicht, dass in den kommenden Jahren Fleisch aus höheren Tierwohlstufen mit mehr Platz und artgerechterer Haltung in der Breite von den Verbrauchern angenommen werde, sagte Dierkes. «Es wird nicht die Breite werden, die die Politik verspricht», sagte er. Schon vor vielen Jahren sei von Experten ein Marktanteil von 20 Prozent für Fleisch aus höheren Haltungsstufen versprochen worden, und diese Prognosen seien nicht eingetreten.

Der geschäftsführende Gesellschafter des größten deutschen Schlachtkonzerns Tönnies, Clemens Tönnies, wies hingegen auf die Bestrebungen des Einzelhandels hin, künftig mehr Fleisch aus höheren Haltungsstufen zu verkaufen. «Wenn der Handel ausschließlich Haltungsstufe Drei anbietet, dann wird es einen Schub geben für die Haltungsstufe Drei», sagte er. Der Verbraucher habe inzwischen auch gelernt, mit Preisen umzugehen, die früher utopisch gewesen seien. 

© dpa
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