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Blaualgen bringen Ernährung des Ostdorsches durcheinander

Dem Dorsch in der Ostsee geht es schlecht. Selbst Hobbyangler dürfen ihn nicht mehr anlanden. Für einen Bestand haben Forscher jetzt einen Mechanismus erkannt, der zur Misere beitragen soll.
Dorsch
Ein frisch gefangener Dorsch liegt in der Fischereigenossenschaft Wismar auf Eis. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Einer neuen Studie zufolge verlängern Überdüngung und Klimawandel in der Ostsee die Nahrungskette des östlichen Dorschbestandes und setzen so den Raubfischen zu. Die durch Erwärmung und Überdüngung verstärkten großflächigen Blaualgen-Blüten veränderten das Nahrungsnetz so, dass am Ende zu wenig Energie bei den Dorschen ankomme und diese abmagerten, lautet das Ergebnis der am Mittwoch vorgestellten Untersuchung des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) und des Thünen-Instituts für Ostseefischerei.

Am Anfang dieser Nahrungsnetze stehen demnach im Meerwasser schwebende Pflanzen, die mittels Fotosynthese Sonnenenergie in Form von Biomasse binden. Dieses Phytoplankton werde etwa von Kleinkrebsen gefressen und diese wiederum von kleineren Fischen wie Sprotten und Heringen, die dann von Dorschen gefressen würden. Auf jeder dieser Stufen gehe bereits 90 Prozent der Energie verloren. Die mittlerweile verstärkt auftretenden Blaualgen könnten wegen ihrer Größe aber nicht von den kleinen Krebsen gefressen werden. Stattdessen würden sie Ausscheidungen und Abbauprodukte der Algen fressen. Durch diesen zusätzlichen Zwischenschritt gehe weitere Energie in der Nahrungskette verloren.

«Der Ostdorschbestand ist seit Jahren in der Krise. Trotz historisch niedrigem Fischereidruck erholt sich der Bestand nicht. Bislang gab es hierfür keine schlüssige Erklärung», hieß es in einer Mitteilung der Institute. Möglich wurden die Ergebnisse demnach nun durch eine spezielle Isotopenanalyse. Anhand des Muskelfleisches der Fische lasse sich ihre Position im Nahrungsnetz bestimmen. Dieses sei bei Ostdorschen in der Blaualgen-belasteten zentralen Ostsee deutlich länger als bei Dorschen der westlichen Ostsee etwa in der Lübecker Bucht. Hier ernähren sich Dorsche den Angaben zufolge vor allem von der Gemeinen Strandkrabbe, die am Boden lebt.

Auch der Westdorsch steht aber stark unter Druck. Hier vermuten Wissenschaftler, dass zu warmes Wasser an der Oberfläche und zu wenig Sauerstoff in der Tiefe dem Dorsch bei seiner Entwicklung zusetzen. Nach Aussage des Leiters des Thünen-Instituts für Ostseefischerei, Christopher Zimmermann, kann der durch Blaualgen verursachte Energiemangel in Zukunft auch den Westdorsch ereilen. «Wenn sich das erst einmal etabliert hat, dann ist die einzige Möglichkeit da rauszukommen, völlig unabhängig vom Klimawandel, die Nährstoffe müssen reduziert werden.» Selbst wenn es möglich wäre, sofort «den Hahn zuzudrehen», würde es zehn Jahre dauern, bis man gegebenenfalls einen Effekt sehe. «Es ist ein dickes Brett, und man muss wirklich einen langen Atem haben.»

© dpa
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