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Uniklinik-Chef Graf: «Ineffizientes Gesundheitswesen»

Das Krankenhaussystem steht vor einigen Herausforderungen. Der Demografiewandel ist eine davon. Der Chef der Uniklinik Frankfurt wünscht sich deshalb einen echten Wandel im System.
Frankfurter Uniklinik
Das Eingangsportal der Uniklinik in Frankfurt am Main. © Boris Roessler/dpa

Der Chef der Universitätsklinik Frankfurt Jürgen Graf sieht eine bevorstehende, notwendige Transformation des deutschen Gesundheitssystems und fordert eine deutliche staatliche Anpassung beim Bedarf der Gesundheitsversorgung. «In der Summe sind wir im europäischen Vergleich ein eher ineffizientes Gesundheitswesen», sagte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Wenn das System weiter laufe wie bisher, dann würde es bald ungeregelte Wartelisten für Leistungen geben, die marktwirtschaftlich unrentabel seien, sagte Graf. «Das Rentable wird an vielen Stellen angeboten und anderes vielleicht an wenigen.» Ähnlich sei es in den vergangenen Jahren mit Versorgungsangeboten in der Psychiatrie und Kinderheilkunde abgelaufen. Deshalb wünschte sich der Uniklinik-Chef eine staatliche Festlegung: «Wir müssen feststellen, was ist der Bedarf, um eine Gesellschaft in einem Industrieland verantwortlich medizinisch zu versorgen?»

Insbesondere der Demografiewandel sei eine große Herausforderung - sowohl für die Versorgung zukünftiger Patientinnen und Patienten als auch für die Kliniken selbst vor dem Hintergrund des zunehmenden Personalmangels. «Mein Eindruck ist, dass wir der demografischen Entwicklung schon jetzt hinterherlaufen und mit der gegenwärtigen Anpassungsgeschwindigkeit nicht auf Ballhöhe kommen.»

«Da fehlt heute schon qualifiziertes Personal über alle Berufsgruppen», sagte Graf. Der Mangel sei für Deutschland insofern gravierend, «dass es kein europäisches Land gibt, was so viele Mitarbeitende der Gesundheitsberufe, Pflegende, Ärztinnen und Ärzte pro Kopf beschäftigt wie wir», führte er aus. «Das heißt, wir haben im Vergleich zu anderen Ländern nicht weniger, sondern wir haben heute schon mehr Beschäftigte im Gesundheitswesen und kommen nicht damit aus.»

Andere Länder hätten bereits früher Maßnahmen aufgrund der demografischen Entwicklung in die Wege geleitet. Graf nannte als Beispiel skandinavische Staaten und die Niederlande. «Und vielleicht nicht ganz von ungefähr haben sie alle vergleichbare oder ähnliche Lösungen gefunden: nämlich eine sehr starke Zentralisierung der Gesundheitsversorgung mit hierarchisierten Netzwerkstrukturen.» In weniger bevölkerungsreichen Regionen werde dort regelhaft beispielsweise Telemedizin zur Aufrechterhaltung der Versorgung eingesetzt. Bei der Telemedizin werden Patient und qualifizierte Mitarbeitende des Gesundheitswesens - Pflegende oder Ärzte - per Onlinekommunikation zusammengeschaltet.

Das komme einer echten Transformation des jeweiligen Gesundheitswesens gleich - «und zwar sowohl methodisch als auch infrastrukturell». Graf ist sich sicher, dass auch in Deutschland diese Transformation bevorsteht und bevorstehen muss. Doch die Zeit, die dafür zur Verfügung stehe, sei eher kurz. 2032 gehe der 1964er Jahrgang zu großen Teilen in Rente, dann «verlieren wir 1,3 Millionen Beschäftigte als Beitragszahler und Mitarbeitende». Damit steige gleichzeitig auch der Versorgungsbedarf, denn jeder vierte über 65-Jährige beanspruche im Durchschnitt einmal im Jahr in Deutschland eine Krankenhausinfrastruktur. «Alleine über Zuzug oder Anwerben ausländischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, speziell bei Pflege- und Gesundheitsfachberufen sehe ich nicht, dass wir die benötigte Anzahl von Mitarbeitenden werden generieren können und gleichzeitig das System finanzierbar bleibt», erklärte Graf.

Insbesondere müsse - auch im europäischen Vergleich - über die Intensität der Inanspruchnahme des Gesundheitssystems nachgedacht werden. Ineffiziente Strukturen, stationäre Aufenthalte statt ambulanter Versorgung, Doppeluntersuchungen und Ähnliches gelte es zukünftig zu vermeiden. Transparenz und Qualitätssicherung sollten dringend durch eine verpflichtende elektronische Patientenakte für alle regelversicherten Patienten erreicht werden, sagte er.

© dpa
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