Games Music Hörbücher Gymondo MyTone Alle Services
vodafone.de

Bestattungskultur wandelt sich

Es gibt eine größere Nachfrage nach individuellen Trauerfeiern. Immer mehr steht der Verstorbene mit seiner Persönlichkeit und Wünschen im Mittelpunkt. Ein Grund: eine neue Definition von Würde.
Friedhof
Ein Kreuz steht auf dem Neuen Ostfriedhof vor Grabsteinen. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archiv

Bemalte Urnen und Särge, eine persönliche Trauerrede, ein Lied, das an den Verstorbenen erinnert: Die Bestatterinnen und Bestatter in Hessen nehmen einen deutlichen Wandel in der Bestattungskultur wahr. «Die Zahl traditioneller Beisetzungen nimmt ab, immer mehr Menschen wünschen sich einen individuellen Abschied», sagt Hermann Hubing, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes der Bestatter und des Deutschen Instituts für Bestattungskultur (DIB) in Bad Wildungen. «Das ist eine positive Entwicklung, denn jeder Mensch hat seine eigene Persönlichkeit, die sich auch in seinem Abschied widerspiegeln sollte.»

Das Bestatterhandwerk müsse sich entsprechend weiterentwickeln und auf die Wünsche der Verstorbenen und Hinterbliebenen eingehen, erklärt er anlässlich des 18. Hessischen Bestattertags am Wochenende. Wichtig seien dabei Empathie, Offenheit, Flexibilität und breite spezialisierte Dienstleistungen. Um die Themen Tod und Sterben weiter zu enttabuisieren und Ängste abzubauen, unterbreite die Branche vermehrt Informationsangebote wie Gesprächsreihen oder Tage der offenen Tür.

«Es ist wichtig, dass sich die Menschen schon zu Lebzeiten mit ihrem Tod beschäftigen», betont Hubing. Dazu gehöre auch, sich frühzeitig über die Möglichkeiten und Vorteile der Bestattungsvorsorge zu informieren. Entsprechende Beratungen gehörten immer öfter zu den Angeboten von Bestattungsunternehmen.

Dem Wunsch nach mehr Individualität stünden häufig Gesetze und Vorschriften im Weg, sagt Alexander Helbach von der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas. «Viele Menschen wünschen sich Umfragen zufolge eine Lockerung der Gesetze im Bestattungsbereich.» Den in Deutschland bestehenden Friedhofszwang etwa gebe es in den meisten anderen europäischen Ländern nicht mehr. Das Pietätsempfinden in der Bevölkerung habe sich in den letzten Jahrzehnten massiv gewandelt. «Es ist eben nicht mehr so, dass die überwiegende Mehrheit ein Problem damit hätte, wenn jemand eine Urne mit nach Hause nimmt.» Die Definition von Würde und Pietät in der deutschen Rechtsprechung sei sehr traditionell und altmodisch. «Die Würde des Verstorbenen hängt aus unserer Sicht aber auch davon ab, was er sich gewünscht hat.»

Von den Bestattern wünschten sich die Kunden vor allem Transparenz bei Preis und Leistung. «Die Menschen können oft nicht nachvollziehen, warum Bestattungen so teuer sind. Sie verstehen nicht, wofür sie eigentlich so viel bezahlen.» Oftmals fehle einfach das Bewusstsein dafür, was Bestattungen kosteten und was Bestatter leisten müssten. «Wenn sie etwa mit zwei Angestellten mit einem Spezialfahrzeug, das teuer in der Anschaffung war, gewisse Strecken fahren müssen zum Krematorium, zum Bestattungsinstitut, das läppert sich natürlich.» Bestatter steckten in dieser Hinsicht häufig in einer Art Zwickmühle. «Sie sind nun mal Unternehmer, die Geld verdienen müssen.» Das stoße allerdings nicht bei allen Menschen auf Achtung und Verständnis.

Was Bestatter sein bedeutet, das wollen Johannes Bauer und sein Sohn Luis in den sozialen Medien vermitteln. Der 46-Jährige ist Inhaber des Unternehmens «Bestattungen Burger» im bayerischen Fürth. Gemeinsam mit seinem 18 Jahre alten Sohn berichtet er auf Instagram, Tiktok, Facebook und YouTube sowie in einem Podcast über die Arbeit als Bestatter. «Wir wollen Aufklärungsarbeit leisten, um die Themen Tod und Trauer zu enttabuisieren», erklärt er. «Uns ist klar, dass wir damit nicht die Schwere nehmen können, aber durch unsere Aufklärung können wir zumindest viel von der Angst nehmen.» Die meisten Menschen wüssten gar nicht, was Bestatter so alles machten. «Dabei ist das Interesse immens.» Seinem Haus folgten auf den verschiedenen Kanälen inzwischen insgesamt rund 1,5 Millionen Menschen.

Im Podcast «Um Leben und Tod - Der Bestatterpodcast» berichten Vater und Sohn unter anderem, wie die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft abläuft und welchen Sinn sie in ihrer Arbeit sehen. Sie erzählen aber auch von skurrilen Geschichten im Arbeitsalltag. «Wir sind ganz normale Menschen. Da läuft auch mal was schief», sagt Bauer. In Videos und Livestreams erklären sie etwa, wie eine Einbalsamierung oder eine Feuerbestattung abläuft, wie Verstorbene abgeholt und versorgt werden und welche Werkzeuge dabei zum Einsatz kommen.

Es gebe viel Raum für Interaktion und Fragen. «Wir sprechen ganz offen und ehrlich. Viele Menschen sind davon begeistert und die Hemmschwellen fallen.» Wichtig sei, dabei klare Grenzen zu ziehen. «Wir sind ein seriöses Unternehmen und haben auch einen Ruf zu verlieren», betont Bauer. «Wir zeigen in den sozialen Medien keine Haut von Verstorbenen. Wir setzen den Verstorbenen eben nicht als Instrument ein, Aufmerksamkeit zu erhaschen. Alle Szenen sind gestellt, die Geschichten, die wir erzählen, sind bewusst abgeändert.» Sein Bestattungsunternehmen gehe neue Wege, vor allem mit junger Trauer umzugehen. «Unser Schwerpunkt ist aber weiterhin, Bestatter zu sein, für Trauernde da zu sein und ihnen zu helfen.»

© dpa
Das könnte Dich auch interessieren
Empfehlungen der Redaktion
Festspielhaus Bayreuth
Kultur
Debatte um Wagners Sonderstellung vor Bayreuther Festspielen
Festspielhaus Bayreuth
Kultur
Blume: «Frau Roth hat den Mythos Bayreuth nicht verstanden»
TV-Ausblick  - RTL
Tv & kino
Tanz mit Rasputin: «The King's Man» mit Ralph Fiennes
Weltweite IT-Ausfälle - Los Angeles International Airport
Internet news & surftipps
Wie ein Fehler weltweite Computerprobleme auslöste
Weltweite IT-Ausfälle - Symbolbild
Internet news & surftipps
Debakel für IT-Sicherheitsfirma Crowdstrike
Netflix
Internet news & surftipps
Netflix gewinnt acht Millionen Kunden hinzu
Deutschland - Japan
Sport news
Basketball-Siege geben Selbstvertrauen für Olympia
Flugverkehr am BER eingestellt
Reise
Technische Probleme an Flughäfen: Das sind ihre Rechte