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Autozulieferer ZF verordnet sich strengen Sparkurs

Das Unternehmen steht durch den Wandel zur E-Mobilität vor Herausforderungen. Erschwert wird die Transformation durch hohe Schulden. Der Konzern will Milliarden sparen - und eine Sparte verkaufen.
Automobilzulieferer ZF
Eine Fahne mit dem Logo des Automobilzulieferers ZF weht vor der Konzernzentrale, dem ZF-Forum. © Felix Kästle/dpa

Der hoch verschuldete Autozulieferer ZF will zur Steigerung seiner Wettbewerbsfähigkeit einen Gang zulegen und den Rotstift ansetzen. In diesem und im kommenden Jahr sollen die Kosten weltweit um etwa sechs Milliarden Euro gesenkt werden, wie ein Sprecher des Konzerns aus Friedrichshafen am Mittwoch auf Anfrage mitteilte. Mit den verringerten Kosten schaffe sich ZF eine bessere Position, um die weitere Transformation zur E-Mobilität ab 2026 anzugehen. Zuvor hatten die «Automobilwoche» und der «Südkurier» darüber berichtet.

Der Zulieferer vom Bodensee hat den Angaben nach fünf Kernbereiche identifiziert, in denen gespart werden soll: Er wolle im Materialeinkauf Preiseffekte erzielen, die Produktivität der Werke steigern, Forschungs- und Entwicklungskosten verbessern, die Kostenstruktur in Zentralbereichen verbessern und Ausgaben für Investitionen genau prüfen. Der Betriebsrat wolle die Sparpläne prüfen und zunächst keinen Kommentar abgeben, teilte ein Sprecher des Gesamtbetriebsrats mit.

«Wir fliegen im Moment alle Economy»

Nach Angaben von ZF-Chef Holger Klein hat das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr begonnen, die Kosten zu senken. «Wir fliegen im Moment alle Economy, inklusive meiner selbst», sagte Klein bei einem Pressegespräch in Stuttgart.

Erste Resultate dieser Anstrengungen zeigen sich Klein zufolge in den Geschäftszahlen für 2023. Der Manager erwartet einen Umsatz von gut 46 Milliarden Euro, und damit etwa neun Prozent mehr als 2022. Auch bei der bereinigten operativen Rendite bewege man sich im oberen Bereich des angepeilten Korridors von 4,7 bis 5,2 Prozent. Dennoch rechnet Klein mit einem sehr harten Jahr 2024. Er erwarte deutlich rückläufige Auftragszahlen, sagte Klein. Die Programme sollen daher auch künftige Ergebnisse absichern. Die kompletten Zahlen für das vergangene Jahr und einen Ausblick stellt der Zulieferer am 21. März vor.

Hauptgrund für die Sparmaßnahmen sind die hohen Schulden des Konzerns. Zum Halbjahr 2023 stand ZF mit gut elf Milliarden Euro in der Kreide. Das liegt vor allem am Erwerb des Autozulieferers TRW und des Bremsenspezialisten Wabco. Der Konzern bezahlt daher aktuell Hunderte Millionen Euro an Zinsen - die zum Beispiel in den Bereichen Forschung und Entwicklung fehlen. Zugleich muss der Zulieferer, der mehrheitlich der Zeppelin-Stiftung der Stadt Friedrichshafen gehört, in den kommenden Jahren Milliarden investieren, um den Wandel zur E-Mobilität meistern zu können.

Verkauf der Sicherheitstechnik-Sparte konkretisiert

Aus denselben Gründen konkretisierte Klein auch den Zeitplan für den Verkauf der Sicherheitstechnik-Sparte des Konzerns. «Mitte des Jahres wären wir so weit für einen Investor oder für einen Börsengang», sagte Klein. Der Zulieferer hatte bereits im Herbst 2022 angekündigt, die Division «Passive Sicherheitstechnik», die vor allem Sicherheitsgurte und Airbags fertigt, aus den Strukturen des Konzerns herauslösen und verkaufen zu wollen.

Einen konkreten Zeitpunkt für den Verkauf ließ Klein offen - und gab sich entspannt: «Auf Biegen und Brechen wollen wir es nicht loswerden», sagte er. Wenn ZF operativ so gut sei, um mit seinen Schulden umzugehen und diese auch zu reduzieren, dann habe man keinen Druck. Es sei aber die präferierte Lösung. Daher sei man in Gesprächen und beobachte den Kapitalmarkt.

Die Sicherheitsdivision machte 2022 rund ein Zehntel des ZF-Umsatzes aus. Rund 20 Prozent der fast 165.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zulieferers waren 2022 in dem Bereich beschäftigt. In Deutschland gibt es vier Standorte - in Alfdorf, Aschaffenburg, Aschau und Laage. Zuletzt hatten Arbeitnehmervertreter vor einem großen Stellenabbau bei dem Zulieferer gewarnt.

© dpa
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