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Wiederaufbau der Synagoge in Poolstraße gefordert

1844 wurde in Hamburg der erste Tempel des damals noch jungen liberalen Judentums in Deutschland erbaut. Von den Nazis enteignet und im Krieg zerstört, steht nur noch die Ruine. Das soll sich ändern.
Sanierungspläne für Jüdische Hamburger Tempelruine
Außenansicht der Ruine des "Zweiten Israelitischen Tempels" in einem Hinterhof in der Hamburger Poolstraße. © Gregor Fischer/dpa/Archivbild

Die liberale jüdische Gemeinde in Hamburg fordert einen Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Neuen Israelitischen Tempels in der Neustadt. Auf dem Gelände mit der Tempel-Ruine in der Poolstraße solle wieder ein Gotteshaus für das Reformjudentum entstehen, das in Hamburg im 19. Jahrhundert seine Wurzeln gehabt habe, sagte die Vorstandsvorsitzende des Israelitischen Tempelverbands (ITV), Galina Jarkova, am Montag in Hamburg. Die Synagoge solle als Zeichen der Versöhnung und «lebendiges Zentrum des liberalen jüdischen Lebens» in der Stadt dienen.

Der Neue Israelitische Tempel war 1844 in der heutigen Poolstraße 12 als der erste Tempel einer eigenständigen jüdischen Gemeinde des damals noch jungen liberalen Judentums in Deutschland errichtet worden. Unter den Nationalsozialisten musste er 1937 unter Wert verkauft werden, im Zweiten Weltkrieg wurde er durch eine Fliegerbombe zerstört.

Die Stadt hatte das Grundstück mit der Tempel-Ruine, von der heute nur noch der rückwärtige Teil mit der Apsis des ehemals dreischiffigen neogotischen Baus steht, 2020 gekauft - auch um den Ort als jüdisches Kulturdenkmal zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Liberale Jüdische Gemeinde forderte vom Senat neben der Rückübereignung des Grundstücks auch die Übernahme der Bau- und Betriebskosten für die neue Synagoge. Laut einer am Montag vorgestellten Machbarkeitsstudie des Berliner Architekten Jost Haberland würde der Wiederaufbau nach aktuellem Kostenstand rund 19,5 Millionen Euro kosten.

Daneben fordert die Gemeinde von der Stadt ihre sofortige Anerkennung als sogenannte alt-korporierte Körperschaft und die Gleichbehandlung mit der vor allem orthodox geprägten Jüdischen Gemeinde Hamburg.

Dem Senat warf der zweite Vorsitzende des ITV, Eike Steinig, vor, ein «Problem» mit der Liberalen jüdischen Gemeinde zu haben und ausschließlich die orthodox geprägte Jüdische Gemeinde Hamburg als Ansprechpartner anzusehen. «Wir werden kontinuierlich ignoriert», sagte er.

Ende vergangenen Jahres hatte die Stadt der Jüdischen Gemeinde Hamburg ein Grundstück am Joseph-Carlebach-Platz im Grindelviertel zum geplanten Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge rückübereignet.

Im Gegensatz zur nach dem Krieg neu gegründeten Jüdischen Gemeinde Hamburg sieht sich der aktuell 342 Mitglieder zählende Israelitische Tempelverband als Nachfolger des in Hamburg gegründeten Neuen Israelitischen Tempelvereins von 1817 - auch rechtlich. Die Anerkennung als sogenannte alt-korporierte Körperschaft durch den Senat steht aber aus.

Steinig äußerte Befürchtungen, dass durch die laufenden Gespräche zur künftigen Gestaltung des Grundstücks mit der Tempel-Ruine in der Poolstraße Fakten geschaffen werden könnten, die den ihm zufolge berechtigten Interessen der Liberalen Jüdischen Gemeinde entgegenstehen.

Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) sagte der dpa am Montag, dass in den Gesprächen, an denen neben der Liberalen Jüdischen Gemeinde unter anderem auch das TempelForum und der Denkmalverein Hamburg sowie interessierte Nachbarinnen und Nachbarn beteiligt seien, «verschiedenste Nutzungsideen diskutiert und weiter konkretisiert werden» sollen.

«Die Findung adäquater, der Würde des Ortes entsprechender Lösungen wird ergebnisoffen gehalten und geschieht unter Beteiligung vielfältiger Akteure, die Teil des jüdischen Lebens in Hamburg sind oder sich besonders engagieren», sagte der Senator. Angestrebt sei ein sehr breiter Konsens mit allen Beteiligten. «Insbesondere bleibt unsere Hand zur Liberalen Jüdischen Gemeinde Hamburg ausgestreckt.»

Die restauratorischen Sicherungsarbeiten an der Tempel-Ruine seien inzwischen abgeschlossen, sagte Dressel. «Putze und Stuck wurden gefestigt. Um das Mauerwerk weiterhin vor Verwitterung zu schützen, wird die Standzeit des Gerüsts samt Abdeckplane verlängert.» Weitere Maßnahmen seien für das Frühjahr geplant. «Die stattfindenden Restaurierungsarbeiten und eine künftig anstehende Bodenuntersuchung werden eine wesentliche Grundlage für die städtebaulichen Möglichkeiten auf der Fläche und den Umgang mit der Tempel-Ruine bieten.»

© dpa
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