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Deutscher Teeverband sorgt sich um Kleinbauern

Der Deutsche Teeverband bangt wegen des neuen Liefergesetzes der EU um die Kleinbauern als Zulieferer. Eine Sorge, die die Entwicklungsorganisation Oxfam nicht nachvollziehen kann.
Tee-Ernte in Bangladesch
Frauen pflücken Teeblätter in einem Teegarten in Sylhet. © Zabed Hasnain Chowdhury/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

Der Deutsche Teeverband fürchtet wegen des neuen Lieferkettengesetzes der Europäischen Union (EU) um die Zusammenarbeit mit auf der ganzen Welt verstreuten Kleinbauern. «Mit dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz drängen wir gerade die Schwächsten aus unseren Lieferketten», sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Deutschen Tee & Kräutertee Verbands, Annemarie Leniger, der Deutschen Presse-Agentur. Zwei Drittel der Rohwarenmenge werden nach Verbandsangaben von Kleinbauern in sogenannten Wildsammlungen eingebracht. Da diese die vom Gesetz geforderten Nachweise aber nicht erbringen könnten, könnten deutsche Unternehmen gezwungen sein, sich aus Sorge vor Haftungsrisiken aus den geschäftlichen Aktivitäten mit kleinbäuerlichen Zusammenschlüssen zurückzuziehen.

Verbandsvize Leniger fordert deshalb, die Anforderungen besonders komplexer und anspruchsvoller Lieferketten bei der Umsetzung des Lieferkettengesetzes zu berücksichtigen. «Nur so wird das Gesetz künftig nicht die eigenen Ziele konterkarieren und Unternehmen in Deutschland tatsächlich dabei unterstützen, die Nachhaltigkeit in den Lieferketten sinnvoll zu verbessern.» In Anlehnung an den von den Vereinten Nationen ins Leben gerufenen International Tea Day hat die deutsche Tee-Branche den 21. Mai zum Tag des Tees ernannt. In diesem Jahr steht er unter dem Motto «Tee vereint die Welt».

Oxfam hält Sorgen für unbegründet

Für die Entwicklungsorganisation Oxfam - ein internationaler Verbund verschiedener Hilfsorganisationen - ist die Sorge des Teeverbands unbegründet. Die vom EU-Lieferkettengesetz geforderte Nachweispflicht obliege ja nicht den Kleinbauern, sondern den Unternehmen, sagte die Teamleiterin Gerechtes Wirtschaften bei Oxfam Deutschland, Franziska Humbert, der Deutschen Presse-Agentur. «Sofern dafür Belege notwendig sind, die die Situation vor Ort betreffen, können die Unternehmen diese selbst mit Hilfe von Nachhaltigkeitsinitiativen wie dem Fairen Handel besorgen.»

Außerdem sehe das Gesetz explizit vor, dass Unternehmen im Rahmen ihrer Sorgfaltspflicht kleinen und mittelständischen Unternehmen angemessene finanzielle Unterstützung und Kapazitätsaufbau leisten müssen. «Demnach ist das betreffende deutsche Teeunternehmen ohnehin verpflichtet, bei der Erstellung möglicherweise erforderlicher Belege und anderen Maßnahmen, seine kleinbäuerlichen Geschäftspartner zu unterstützen», sagte Humbert.

Das EU-Lieferkettengesetz zielt darauf ab, Menschenrechte weltweit zu stärken. Große Unternehmen sollen zur Rechenschaft gezogen werden können, wenn sie von Menschenrechtsverletzungen wie Kinder- oder Zwangsarbeit profitieren. Sie sollen zudem Berichte erstellen, inwiefern ihr Geschäftsmodell mit dem Ziel vereinbar ist, die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

Ostfriesen haben die Nase vorn

Nach dem jüngsten vorliegenden Tee Report des Verbands tranken die Deutschen im Jahr 2022 pro Kopf 69,1 Liter Tee, davon 41,3 Liter Kräuter- und Früchtetee und 27,8 Liter Schwarz- und Grüntee. Der Bio-Anteil bei den Tees lag den Angaben zufolge bei 15,6 Prozent. Die Importmenge aus 82 Ländern - vor allem aus China, Indien und Sri Lanke - bezifferte der Report auf fast 60.000 Tonnen, «das macht pro Tag knapp 132 Millionen Tassen oder pro Stunde fast 5,5 Millionen». Unangefochtene Tee-Weltmeister mit einem Jahresverbrauch von 300 Litern pro Kopf seien die Ostfriesen. Das ist laut Verband fast doppelt so viel wie im klassischen Tee-Land Großbritannien mit 167 Litern.

© dpa
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