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Berlins Lehrkräfte haben laut Studie «digitalen Stress»

Die Digitalisierung ist aus dem Privat- und Berufsleben vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Wird dadurch alles besser? Keineswegs, wie eine Umfrage unter Berliner Lehrkräften nun zeigt.
Müde und gestresste Lehrkräfte
Eine Lehrerin steht vor einer digitalen Schultafel. © Julian Stratenschulte/dpa

Viele Berliner Lehrkräfte leiden einer neuen wissenschaftlichen Studie zufolge an «digitalem Stress». Obwohl etwa der Einsatz mobiler Endgeräte, elektronischer Tafeln und Lernplattformen ihre Arbeit erleichtern soll, empfinden fast drei Viertel (71 Prozent) der mehr als 2000 Befragten die Digitalisierung als zusätzliche Belastung. Die Untersuchung wurde von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Auftrag gegeben.

Nur 6 Prozent sehen dadurch einen Rückgang der Belastung, wie Studienleiter Frank Mußmann von der Universität Göttingen am Freitag mitteilte. Nicht wenige Beschäftigte an den Schulen seien daher von der Digitalisierung enttäuscht.

Gestresst fühlen sich Lehrerinnen und Lehrer demnach unter anderem durch eine Dauerpräsenz digitaler Medien oder durch fehlende Vorbereitungszeit für digitale Arbeit im Unterricht. Als Stressfaktor empfinden sie auch, dass die Technik oder die Internetverbindung an etlichen Schulen nicht zuverlässig funktioniert und sie wenig Unterstützung in IT-Fragen bekommen.

In der Folge, so die Studie, bereiten viele Lehrkräfte Unterricht gleichzeitig digital und analog vor - was mehr statt weniger Belastung zur Folge habe. Stress bereitet ihnen zudem der Vorführeffekt: Sie haben also Angst, dass bei Einsatz digitaler Elemente vor der Klasse etwas nicht klappt und sie dann von den Schülern beispielsweise ausgelacht werden.

Für die Studie wurden 2385 der rund 34.500 Berliner Lehrkräfte befragt. Nach Angaben der Autoren ist die Erhebung «vergleichsweise, aber nicht im engeren Sinne repräsentativ». Sie ist Teil einer großangelegten wissenschaftlichen Untersuchung zur «realen Arbeitszeit» und Arbeitsbelastung Berliner Lehrkräfte. Diese startete im August 2023 und soll ein Jahr laufen.

Laut den nun vorgestellten ersten Ergebnissen ist die Nutzung digitaler Medien an Berlins Schulen mittlerweile die Regel. Zwei von drei Lehrkräften - der genaue Anteil variiert je nach Schulform - nutzen sie jeden Tag. 93 Prozent greifen darauf zumindest jede Woche zurück. Drei Viertel der Befragten gaben an, noch mehr digitale Elemente in den Unterricht einbauen zu wollen - oft fühlen sie sich aber durch die schlechten Rahmenbedingungen ausgebremst.

Als großes Problem benennen die Wissenschaftler die technische Ausstattung. Vielfach verfügten Lehrer zwar über mobile Geräte wie Tablets. Aber: «Nur ein Drittel der Lehrkräfte nutzt das von der Senatsverwaltung herausgegebene persönliche digitale Endgerät regelmäßig mindestens wöchentlich», so Studienleiter Mußmann. «Unter anderem, weil es sich nicht mit der digitalen Tafel in der Schule oder einem Drucker verbinden lässt.» Andere Lehrkräfte verwendeten deshalb private Geräte, obwohl das gar nicht erlaubt sei.

Unterm Strich erleben laut Umfrage 55 Prozent der Befragten «stärkeren» oder «sehr starken digitalen Stress». Bei den übrigen 45 Prozent ist er «gering» oder «sehr gering» ausgeprägt. Folge könnten gesundheitliche Schäden bis hin zu Burn-out sein, warnte Mußmann. Der Wissenschaftler sieht daher Handlungsbedarf bei der Bildungsverwaltung. Seine Vorschläge: Mehr Weiterbildung, bessere IT-Infrastruktur und Abbau der Hürden für die Nutzung dienstlicher Endgeräte.

Alarmiert zeigte sich Anne Albers, Leiterin des Vorstandsbereichs Beamten-, Angestellten- und Tarifpolitik der GEW Berlin. «Die Ergebnisse sollten Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch endgültig wachrütteln, denn bisher wird die Schuldigitalisierung von den politisch Verantwortlichen verschlafen», sagte sie.

«Die Befragung zeigt eindeutig, dass die Lehrkräfte hoch motiviert sind und digital arbeiten wollen. Die Senatsbildungsverwaltung zieht ihnen dabei buchstäblich den Stecker.» Teure Geräte zu beschaffen reiche nicht, wenn die digitale Infrastruktur nicht entwickelt werde und Lehrkräfte keine Zeit für die Arbeitsumstellung bekämen.

«Uns ist bewusst, dass die Digitalisierung neue Herausforderungen, aber auch Chancen für Lehrkräfte mit sich bringt», erklärte ein Sprecher der Bildungsverwaltung auf dpa-Anfrage zu den Studienergebnissen. «Auch deshalb versuchen wir, wo es geht, Lehrkräfte zu entlasten.» Das geschehe etwa durch zusätzliche Verwaltungsleitungen an allen Schulen, zusätzliche externe IT-Betreuung oder weiterentwickelte Lernmanagementsysteme.

Auch die Schuldigitalisierung gehe konsequent weiter: Ziel sei die Ausstattung aller öffentlichen Schulen mit schnellem Internet im Laufe der aktuellen, bis 2026 laufenden Legislaturperiode. Momentan werde durchschnittlich an jedem Tag ein neuer Glasfaseranschluss an einer Berliner Schule in Betrieb genommen. Darüber hinaus stünden den Schulen weiterhin rund 15.000 mobilen LTE-Router zur Verfügung, die per WLAN für schnelles Internet sorgten.

© dpa
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