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Tödlicher Stromschlag: Schlimmes Ende einer Flucht

Endlich in München: Für eine Gruppe von Geflüchteten ist das Ziel zum Greifen nahe gewesen. Doch die Reise, versteckt in einem Güterwaggon, endet mit Trauer und Entsetzen. Beim Aussteigen erleidet ein Mädchen einen Stromschlag - und stirbt. Nun startet der Prozess.
Justitia
Die Justitia ist an einer Scheibe am Eingang zum Oberlandesgericht zu sehen. © Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild

Mitten in der Nacht klettert eine Gruppe von Menschen in Verona auf einen Güterzug. Durch einen Schnitt in einer Lkw-Plane schlüpfen alle in einen Lastwagen-Auflieger auf einem der Waggons. Die kurdischstämmigen Männer, Frauen und Kinder aus der Türkei hoffen auf ein Leben in Frieden und Freiheit, ihr Ziel ist München. Doch nach der Ankunft erleben sie den Horror. Beim Aussteigen aus dem Versteck knapp unterhalb der Bahn-Oberleitungen erleidet eine 15-Jährige einen Stromschlag und stirbt rund zwei Wochen später an Multiorganversagen. Ein 19-Jähriger überlebt knapp, ein 12-Jähriger wird an der Hand verletzt. Seit Donnerstag läuft am Landgericht München I nun ein Prozess. Angeklagt ist ein 45-Jähriger, der die Schleusungen als Teil einer Bande organisiert haben soll.

Der Iraker, der noch einen Wohnsitz im schweizerischen Lugano hat, wollte sich zu Prozessbeginn nicht zu den Vorwürfen äußern. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann unter anderem schwere und gefährliche Körperverletzung vor, in einem Fall mit Todesfolge. Zudem geht es um gewerbsmäßiges Schleusen.

Zwischen 2000 und 10 000 Euro hätten die Geflüchteten pro Person gezahlt, heißt es in der Anklage. Dabei seien sie aber so behandelt worden, dass ihr Leben gefährdet worden sei.

Mit anderen Männern soll der Schleuser gemeinschaftlich und arbeitsteilig vor allem türkische Staatsangehörige nach Deutschland gebracht haben. Er sei dabei für Schleusungen von Italien aus verantwortlich gewesen. Ziel sei es gewesen, sich eine fortlaufende Einnahmequelle in einigem Umfang zu verschaffen, wie es die Staatsanwaltschaft formuliert.

Für den Transport schnitten Helfer auf Güterzügen in Verona die Planen von Lastwagen-Anhängern auf, wie es in der Anklage heißt. Durch diese Öffnungen sollen die Menschen in die Lkw-Trailer rein und auch wieder heraus geklettert sein, gefährlich nahe zu den Oberleitungen.

Auch die Fahrt stuft die Anklagebehörde als problematisch ein. Bei einer starken Bremsung des Zuges hätten Menschen gegen Innenwände geschleudert oder von Gegenständen getroffen werden können. Diese Gefahren habe der 45-jährige Schleuser zumindest billigend in Kauf genommen, so der Staatsanwalt. Auch einen tödlichen Ausgang habe er für denkbar gehalten, sich darüber aber keinen großen Kopf gemacht.

Dass Bahn-Oberleitungen gefährlich sind, ist nicht neu. Immer wieder kommt es zu Todesfällen, etwa weil Jugendliche auf Güterwaggons klettern und von Starkstrom getroffen werden. Doch für die Menschen in dem Güterzug ging es nicht um eine Mutprobe oder einen Kick - es ging um ihr Leben.

Der Anklage zufolge kletterte nach der Ankunft des Zuges in München ein 19-Jähriger aus dem Lkw-Trailer ins Freie. Er kniete sich oben auf das Dach, um anderen beim Ausstieg zu helfen. Was er offenbar nicht bedacht hatte: Die Plane war feucht.

Ob er dabei die Oberleitung berührte oder ihr einfach zu nahe kam, ist unklar. Es sei jedenfalls zu einem Spannungsüberschlag gekommen - durch den Hinterkopf, Oberkörper und Oberschenkel des jungen Mannes auf die 15-Jährige und ihren drei Jahre jüngeren Bruder, der an der Hand verletzt wurde. Der 19-Jährige und das Mädchen fielen bewusstlos vom Waggon.

Mit allen Mitteln versuchten die Ärzte, die Jugendliche zu retten. Doch die Schäden, die der Starkstrom in ihrem Körper angerichtet hatte, waren zu groß. Rund zwei Wochen später starb das Mädchen an Multiorganversagen. Auch die Lage des 19-Jährigen war kritisch, doch er konnte laut Anklage mit mehreren Operationen gerettet werden.

In der Anklage geht es noch um einen weiteren Fall, ebenfalls Ende Mai 2022. Beim Schleusen einer anderen Gruppe sei ein Mann bereits beim Einstieg in Verona durch einen Stromschlag am Bein verletzt worden, heißt es. Für den Prozess sind bis Ende Februar neun weitere Verhandlungstage angesetzt.

© dpa ⁄ Cordula Dieckmann, dpa
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