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Der Bierdurst in Bayern geht zurück

«Fitnesstudio statt Stammtisch» - Auch im Biertrinker-Bundesland Bayern verliert der Gerstensaft seine Zugkraft. Für die Brauer ist alkoholfreies Bier ein Ausweg, der sie hoffen lässt.
Oktoberfest
Besucher stoßen auf dem Münchner Oktoberfest mit Bier an. © Matthias Balk/dpa/Symbolbild

Der Durst auf Gerstensaft im Biertrinker-Bundesland Bayern ist deutlich auf dem Rückzug. Die Brauereien hätten im vergangenen Jahr beim Absatz im Inland im Vorjahresvergleich über 570.000 Hektoliter verloren. «Der Inlandsabsatz schwächelt erheblich. Wir sind von unserem Allzeittief aus der Coronazeit nur noch ein paar Schluck entfernt», sagte Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes am Mittwoch in München. Der Gesamtabsatz sei von 2022 auf 2023 um 2,5 Prozent oder 603.000 Hektoliter auf 23,36 Millionen Hektoliter gesunken.

Die Gründe dafür seien vielfältig. Es gelte derzeit das Motto «Fitnessstudio statt Stammtisch», sagte Brauerpräsident Georg Schneider. Auch die Demografie spiele eine Rolle, eine älter werdende Gesellschaft konsumiere weniger Alkohol. Letztlich habe sich auch die gesellschaftliche Einstellung zum Biertrinken geändert. «Früher haben die Biervertreter um die Baustellen gekämpft», sagte Schneider.

Die Entwicklung gepaart mit Kostensteigerungen führe dazu, dass viele Brauereien wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand stünden, sagte Schneider. Preiserhöhungen seien nur schwer durchzusetzen, im Gegenteil: Teilweise reagierten die Brauereien mit Preissenkungen, um der geringeren Nachfrage zu begegnen. Die Machtposition des Einzelhandels, teilweise gestützt durch politische Entscheidungen, trage zu dem Preiskampf bei. Das Brauereisterben habe längst begonnen. Allerdings habe Bayern noch immer mehr als 600 Braustätten, rund 40 Prozent der Brauereien in Deutschland.

Ein Lichtblick sei der Export ins Ausland. «Ein Viertel des in Bayern hergestellten Bieres wird mittlerweile im Ausland getrunken», sagte Ebbertz. Damit lägen die bayerischen Brauer etwa um zehn Prozentpunkte über dem bundesweiten Durchschnitt. Dies sei ein Zeichen der Wertschätzung für bayerische Braukunst, sagte Brauerpräsident Schneider.

Eine weitere positive Entwicklung beschere den Brauereien das alkoholfreie Bier. Mehr als 2,1 Millionen Hektoliter des alkoholfreien Gerstensaftes seien im vergangenen Jahr aus Bayern verkauft worden - ein Zuwachs um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 60 Prozent davon machten alkoholfreie Weißbiere aus. Das alkoholfreie Bier sei kein Nischenprodukt mehr. «Es ist ein wirklich tolles Sportgetränk», sagte Schneider.

© dpa
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