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Fachleute beobachten seltenere Brutvögel

Der Einfluss der Menschen und die Auswirkungen des Klimas zeichnen sich auch in der Tierwelt ab. Viele Bestände schrumpfen. Doch es gibt auch gute Nachrichten.
Moorfrosch
Ein Moorfrosch, der kurz zuvor ausgewildert worden war, sitzt auf einem Blatt. © Marijan Murat/dpa

Infolge des Rückgangs bei Insekten sinken auch die Vögelvorkommen in Baden-Württemberg. Fast die Hälfte der 199 baden-württembergischen Brutvogelarten gelten nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) als gefährdet. Besonders auffällig sei, dass auch die Bestände einst weit verbreiteter Vögel wie des Kiebitz stark zurückgegangen seien. Unter den häufigen Brutvögeln seien vor allem die insektenfressenden Feldvogelarten stark betroffen, die im Acker oder Grünland brüten. Hier zeigten sich deutlich der Einfluss der Menschen und die Auswirkungen des Klimas, hieß es.

Renaturierung der Donau kommt Uferschwalben zugute

Seit 2021 beobachtet die LUBW mit Sitz in Karlsruhe auch seltenere Brutvögel wie die Uferschwalbe. Im vergangenen Jahr seien im Südwesten noch knapp 5000 Brutröhren der seltenen Koloniebrüter festgestellt worden. Der Lebensraum dieser Tiere sei über die Jahrzehnte mehr und mehr zurückgegangen. Die Vögel graben ihre Brutröhren den Angaben zufolge in festsandige oder lehmige Abbruchkanten und Steilufer. Die Renaturierung der Donau habe den Uferschwalben sehr geholfen, sagte LUBW-Präsident Ulrich Maurer jüngst. Dort fänden die Tiere seit 2009 wieder optimale Lebensbedingungen.

Für das Rebhuhn verzeichneten die Fachleute vergangenes Jahr 227 Rufreviere. Zum Vergleich: In den 1950er Jahren sei der Bestand noch auf 50 000 Reviere geschätzt worden, Grundlage hierfür waren allerdings Jagdstrecken. «Auch wenn diese Zahlen nicht direkt vergleichbar sind, da sie nicht mit den gleichen Methoden ermittelt wurden, zeigen sie jedoch deutlich, wie unsere Umwelt in den letzten Jahrzehnten verarmt ist», sagte Maurer.

Auch andere Tierarten betroffen

Die Kartierung der Fauna und Flora ist eine Daueraufgabe der LUBW. Maurer betonte die Hilfe von Ehrenamtlichen beim Erfassen der Daten, ohne die das nicht möglich wäre. 

«Wir können nur schützen und erhalten, was wir kennen», sagte er. «Wir müssen verstehen, wie sich die Arten im Land entwickeln und welchen Gefährdungen sie ausgesetzt sind.» Sehr bedauernswert sei beispielsweise, dass drei Amphibien- und zwei Reptilienarten im Südwesten akut vom Aussterben bedroht seien: der Moorfrosch, die Geburtshelferkröte, die Knoblauchkröte sowie die Europäische Sumpfschildkröte und die Aspisviper. 

2023 sei zudem das schlechteste Tagfalterjahr seit Beginn des Insektenmonitorings 2018 gewesen. Schon die Ausgangslage sei infolge der langen Dürreperiode im Sommer 2022 ungünstig gewesen, die sich auf die Populationen ausgewirkt habe. In den nassen Monaten März und April seien dann überwinternde Tiere und junge Raupen gestorben. Höhere Temperaturen und geringere Niederschläge führten den Angaben nach ab Juni wieder zu einem gewissen Anstieg der Zahlen, das gelte aber nur für Sommerarten unter Tagfaltern.

© dpa
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