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USA setzen im Nahen Osten auf Vergeltung und Abschreckung

Die USA lassen keinen Zweifel daran, militärisch im Nahen Osten handlungsfähig zu sein. Ziele am Wochenende waren mit dem Iran verbündete Milizen. Die Empörung ist groß - auch bei Russland.
Nahostkonflikt
Nahostkonflikt - Rafah
Nahostkonflikt - Gaza

Die Streitkräfte der USA demonstrieren im Nahen Osten Vergeltung und Abschreckung. In der Nacht zum Samstag flog die US-Luftwaffe Angriffe auf mehr als 85 Ziele in Syrien und dem Irak.

Im Visier waren nach US-Angaben Kommandozentralen, Geheimdienststandorte und Waffenlager, die von iranischen Revolutionsgarden (IRGC) und mit ihnen verbundenen Milizen genutzt wurden. Die USA reagierten auf einen Angriff proiranischer Milizen am 28. Januar in Jordanien, bei dem drei US-Soldaten getötet und zahlreiche weitere verletzt worden waren.

In der Nacht zum Sonntag griffen die Streitkräfte der USA und Großbritanniens dann Ziele der mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen an. Mit Unterstützung weiterer Länder seien 36 Ziele an 13 Orten attackiert worden, teilte das Verteidigungsministerium in Washington mit.

Der Weltsicherheitsrat soll sich am Montag auf Betreiben Russlands mit den Vergeltungsschlägen beschäftigen. Moskau wirft Washington vor, gezielt eine Eskalation des Konflikts im Nahen Osten herbeiführen zu wollen.

Die Milizen agieren aus Solidarität mit der islamistischen Hamas, die im Gazastreifen gegen die Armee des US-Verbündeten Israel kämpft. So attackieren die Huthi seit Beginn des Gaza-Krieges vor fast vier Monaten immer wieder Handelsschiffe mit angeblich israelischer Verbindung im Roten Meer.

Huthi: Werden auf Eskalation antworten

Der Iran verurteilte die Angriffe der USA und ihrer Partner auf Stellungen der Huthi scharf. «Das war erneut eine Verletzung der territorialen Integrität Jemens und somit ein klarer Verstoß gegen international anerkannte Gesetze und Vorschriften», sagte Außenamtssprecher Nasser Kanaani.

Die Huthi wollen ihre Attacken fortsetzen. Die Bombardements «werden unsere Position nicht ändern», sagte Mohammed al-Buchaiti, Mitglied des Politbüros der militanten Huthi-Bewegung. «Wir werden auf Eskalation mit Eskalation antworten».

Angesichts der Gefahren meiden große Reedereien zunehmend die kürzeste Verbindung auf dem Seeweg zwischen Asien und Europa durch das Rote Meer und den Suezkanal, eine wichtige Handelsroute. Das hat Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Die USA und Großbritannien, unterstützt von weiteren Partnern, haben im Januar begonnen, die Huthi-Miliz anzugreifen.

Auch der Irak übte scharfe Kritik. Die US-Angriffe in der Nacht zum Samstag verletzten die Souveränität des Iraks, mit unvorhersehbaren Konsequenzen für die ganze Region, sagte der Sprecher des Oberbefehlshabers der irakischen Streitkräfte.

Hamas will sich bald zu möglicher Feuerpause äußern

Im Gaza-Krieg liegt ein von den Vermittlern USA, Ägypten und Katar ausgehandelter Vorschlag auf dem Tisch. Er sieht die stufenweise Freilassung der aus Israel in den Gazastreifen verschleppten Geiseln im Gegenzug für eine längere Feuerpause sowie für die Freilassung palästinensischer Strafgefangener vor. Israels Verhandlungsführer sollen den Plan akzeptiert haben.

Der Entwurf liegt nun der Hamas zur Annahme vor, die ihre Position «bald» bekannt geben werde, sagte Osama Hamdan, ein Vertreter der im Exil lebenden politischen Hamas-Führung in Beirut der Deutschen Presse-Agentur.

Die Hamas und andere extremistische Gruppen hatten am 7. Oktober den Süden Israels überfallen, 1200 Menschen getötet und rund 250 Menschen entführt. Auf das schlimmste Massaker in seiner Geschichte reagierte Israel mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive im Gazastreifen. 105 Geiseln waren in der bisher einzigen Feuerpause im November gegen 240 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen ausgetauscht worden. Derzeit werden in dem Küstengebiet am Mittelmeer noch 136 Geiseln festgehalten. Israel geht davon aus, dass knapp 30 von ihnen nicht mehr am Leben sind.

Druck auf Israels Regierungschef Netanjahu wächst

In Israel gingen wieder Tausende auf die Straße, um den Druck auf die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zu erhöhen, mehr für die Freilassung der Geiseln zu tun. Netanjahu wird vorgeworfen, die Bemühungen seinem eigenen politischen Überleben unterzuordnen. Netanjahu regiert zusammen mit ultra-rechten religiösen Parteien. Die drohen mit der Sprengung der Regierungskoalition, sollte Netanjahu Zugeständnisse an die Hamas machen.

Die Kundgebung der Geiselfamilien am Samstag in der Küstenmetropole Tel Aviv stand unter dem Motto «120 Tage im Untergrund». «Herr Ministerpräsident Bibi (Benjamin) Netanjahu, bitte holen Sie sie um jeden Preis nach Hause», zitierte das Nachrichtenportal «haaretz.com» eine 15-jährige Rednerin, deren Cousin am 7. Oktober in den Gazastreifen verschleppt worden war. Bei einer anderen Demonstration in Tel Aviv verlangten die Teilnehmer den Rücktritt Netanjahus und vorgezogene Neuwahlen.

Hamas: Erneut viele Tote im Gazastreifen

Bei den Kämpfen im Gazastreifen kamen binnen 24 Stunden nach palästinensischen Angaben vom Sonntag mindestens 127 Menschen ums Leben. Wie die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde mitteilte, hätten 178 weitere Menschen Verletzungen erlitten.

Insgesamt seien in dem abgeriegelten Küstenstreifen seit Kriegsbeginn 27.365 Palästinenser getötet worden. 66.630 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte die Hamas-Behörde mit. Die Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Die UN und andere Beobachter weisen aber darauf hin, dass sich die Angaben der Behörde in der Vergangenheit als insgesamt glaubwürdig herausgestellt hätten.

Das israelische Militär tötete im Gazastreifen nach eigenen Angaben weitere Hamas-Terroristen, so im Raum der südlichen Stadt Chan Junis. Nach Angaben der Armee von Sonntag schalteten ein Kampfflugzeug einen Scharfschützen der Terrorgruppe Islamischer Dschihad aus. Die Angaben des israelischen Militärs ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

© dpa
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