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«Weihnachten ist ins Wasser gefallen»: Fluthilfen

Aufatmen in den Hochwassergebieten: Die Pegelstände sinken langsam, nun geht es ans Aufräumen. Dass die Lage vielerorts noch glimpflich ausging, ist unzähligen Ehrenamtlichen zu verdanken. Bei den Neujahrsempfängen werden einige Helfer geehrt - und erste Konsequenzen gefordert.
Neujahrsempfang von Bundespräsident Steinmeier
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender begrüßen Uwe Fricke. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Die Hauptarbeit, das waren die Sandsäcke, erzählt Uwe Fricke. Rund 60.000 Säcke hat der ehrenamtlicher Kreisbrandmeister gemeinsam mit anderen Helfern in der Region Goslar mit Sand gefüllt. «Weihnachten ist ins Wasser gefallen», sagt der 65-Jährige. «Wir nennen es mittlerweile auch das Weihnachtshochwasser.» Als Autor eines Fachbuches zum Hochwasserschutz und mit dem Aufbau eines Hochwasserschutzzuges hat er geholfen, seine Heimat gegen die Fluten zu schützen - und wurde dafür am Dienstag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geehrt.

Auch Torben Voigt aus Verden war Gast beim Neujahrsempfang im Schloss Bellevue. Seit dem 23. Dezember sei er rund um die Uhr im Einsatz gewesen, berichtet der stellvertretender Ortsbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr. «Ich bin eigentlich nur nach Hause gegangen, um kurz zu schlafen und am nächsten Morgen wieder rauszugehen - und das ging uns allen so», sagt er auch mit Blick auf seine Kameraden, für die er stellvertretend eingeladen worden sei.

Gemeinsam sicherten sie mit Sandsäcken das Altstadtviertel in Verden und die Deiche, die durch den Dauerregen durchgeweicht sind. «Es war zwar abzusehen, dass das Wasser kommt, aber dass es so schnell und in der Intensität kommt, damit haben wir nicht gerechnet», sagt der 47-Jährige, der schon 2021 bei der Flut im Ahrtal mitanpackte. Nun habe sich die Situation entspannt. «Die Pegel sinken, so dass wir wieder zuversichtlich sind, dass wir keine Einsätze mehr fahren müssen.»

Pegelstände sinken - weiter höchste Meldestufe an einigen Flüssen

Auch der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gab am Dienstag vorsichtig Entwarnung. Bei trockener und kalter Wetterlage entspanne sich die Hochwassersituation in Niedersachsen. An allen Pegeln des Einzugsgebiets der Aller, Leine und Oker sinken die Wasserstände, heißt es in dem Bericht von Dienstag. Am Unter- und Mittellauf von Aller und Leine gelte aber noch die höchste Meldestufe 3. Hier werde die Situation mit deutlich erhöhten Wasserständen noch einige Tage andauern.

Auch im Einzugsgebiet der Hunte und Hase seien die Wasserstände im Unterlauf weiter auf hohem Niveau, hieß es. Sie sollen in den nächsten Tagen weiter fallen. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) bleibt es bis zum Wochenende trocken und kalt. Die Hase ist ein Nebenfluss der Ems, die Hunte ein Nebenfluss der Weser. An der Weser sinken die Wasserstände ebenfalls an allen Pegeln. Es sei davon auszugehen, dass sie im Laufe der Woche unter die Meldestufen fallen werden.

Nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums ist weiterhin in sechs Landkreisen sowie der Stadt Oldenburg ein «außergewöhnliches Ereignis» festgestellt. Dadurch können Kommunen unter anderem einfacher auf Hilfskräfte zugreifen. Die betroffenen Landkreise sind Celle, Oldenburg, Emsland, Osterholz, der Heidekreis sowie Verden. Ein Katastrophenfall wurde in keiner niedersächsischen Region ausgerufen.

Aufräumarbeiten in Hochwassergebieten beginnen

Insbesondere im Südosten des Landes habe sich die Lage entspannt, sagte ein Ministeriumssprecher. Hier sei die Zahl der Einsatzkräfte zurückgefahren worden. Auch die besonders vom Hochwasser betroffene Gemeinde Lilienthal (Landkreis Osterholz) kehrt langsam zur Normalität zurück. Am Dienstag konnten Einsatzkräfte einen 800 Meter langen mobilen Deich wieder abbauen.

In den Bremer Hochwassergebieten beginnen nun ebenfalls die Aufräumarbeiten. Bremen will mit kostenlosen Bautrocknern und einem Pump-Service der Feuerwehr helfen, Keller und Wohnungen zu trocknen. Der Senat stellte den Betroffenen am Dienstag außerdem eine Million Euro Soforthilfe in Aussicht. Schnell und unbürokratisch soll es gehen, versprach die Bremer Regierung.

Forderungen nach Klimaschutz und Renaturierung

Die Bremer Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer forderte am Dienstag, erste Konsequenzen aus dem Hochwasser zu ziehen. Mit einem Dank an die Einsatzkräfte allein sei es nicht getan, sagte die SPD-Politikerin beim Neujahrsempfang der Bremischen Bürgerschaft. «Wir müssen uns auch intensiver mit den Ursachen befassen.» Der Stadtstaat müsse konsequent die eigens auferlegten Klimaschutzziele umsetzen. «Dass das unsere Verpflichtung ist, führen uns die Wassermassen in Timmersloh, in vielen weiteren Teilen Bremens und Bremerhavens und im Umland deutlich vor Augen.»

Angesichts der wachsenden Hochwasserrisiken durch den Klimawandel dringen Berliner Forscher derweil auf eine naturnähere Gestaltung von Flüssen. Rückverlegungen von Deichen seien zum Beispiel eine Option, sagte Martin Pusch vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin am Dienstag in einer Videoschalte. Pusch hob die Bedeutung von Auenflächen als Überschwemmungsgebiete hervor, die historisch aber zum Beispiel an der Unteren Weser großflächig verloren gegangen seien, etwa durch landwirtschaftliche Nutzung. «Insgesamt sind die Auenverluste an der Weser aber geringer als an anderen Flüssen Deutschlands.»

Der Wissenschaftler würdigte etwa, dass Holland dem Rhein mehr Raum gegeben habe. In Deutschland hingegen seien laut einer Bilanz von 2023 zu zehn Jahren Hochwasserschutzprogramm noch relativ wenige Maßnahmen umgesetzt worden, vieles befinde sich noch in Planung und Konzeption.

«Wasserkrise» in Deutschland - Deiche müssen halten

Ausgerechnet jetzt plane die Bundesregierung, Millionen beim natürlichen Klima- und Meeresschutz zu sparen, kritisiert die Deutsche Umwelthilfe (DUH). «Das ist unverantwortlich und ein Schlag ins Gesicht für alle Sturmflut- und Hochwassergeschädigten», sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner am Dienstag.

Die Umwelthilfe sprach von einer «Wasserkrise in Deutschland», die zwei hässliche Gesichter habe. «Mal regnet es zu wenig, dann wieder viel zu viel», erläuterte Müller-Kraenner. Die Umwelthilfe stellte mehrere Forderungen, um dieser Krise zu begegnen. Dazu gehört beispielsweise die Zurücknahme der geplanten Einsparungen und die Aufstockung der Bundesmittel für die Renaturierung von Auen und Mooren.

Die Situation am Zusammenfluss von Aller und Weser sei so gefährlich gewesen wie noch nie zuvor, warnt auch Dennis Körte, der als Kreisbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Verden zum Neujahrsempfang des Bundespräsidenten eingeladen war. «Wir hatten erstmalig in der längeren Geschichte ein Hochwasser an beiden Flüssen gleichzeitig», sagte Körte. «Wir hoffen, dass die Deiche jetzt halten.»

© dpa
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